Die blauen Berge:
Goldener Schnitt

Regeln sind dazu da, gebrochen zu werden – allerdings sollte es dazu einen klar ersichtlichen Grund geben. Auch die Regel des Goldenen Schnitts gehört dazu.

Lukas Fassbender
Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Lukas Fassbender). – Panasonic Lumix FZ18 – ISO 100 – 14,7mm – f/4,0 – 1/200s

Kommentar des Fotografen:

Sek. Fotografiert ca. 80 km westlich von Beijing and der Chinesischen Mauer. Das Foto entstand am alten (unrestaurierten) Teil der chinesischen Mauer. Der Ausschnitt spiegelt für mich eine wunderschöne chinesische Landschaft wieder mit der Mauer im Vordergrund.

Profi Robert B. Fishman meint zum Bild von Lukas Fassbender:

Gut gefällt mir die erstaunliche Vielfalt an Grün- und Blau-Grautönen, die harmonisch ineinander übergehen. Die gestaffelten Silhouetten der Berge und die Strukturen der farblich harmonierenden Bäume verleihen dem Bild zusätzlich Harmonie und Tiefe. Der kleine Tempel mit seinem geschwungenen Dach verortet das Bild. Wir erfahren sofort, dass wir uns in Ostasien befinden. Ich habe sofort auf China getippt und ich denke, dass es den meisten Betrachtern so gehen wird. Schade finde ich, dass das Gebäude so weit links an den Rand gequetscht ist:

Für eine harmonische Bildgestaltung gilt ja die Regel des Goldenen Schnittes. Die meisten Menschen finden Fotos besonders angenehm, auf denen das Hauptobjekt die Strecke zwischen den Bildrändern jeweils annähernd im Verhältnis 1/3 – 2/3 teilt.

Gerade bei einem so sehr auf Harmonie ausgerichteten Bild hätte mir das hier gut gefallen.

Jetzt bin ich neugierig, was sich links vom Gebäude befindet. habe ich als Betrachter da etwas verpasst? Natürlich kann man von jeder (auch dieser Regel) abweichen, wenn es dafür einen Grund gibt. Den sehe ich hier allerdings nicht.

Ein bisschen stört mich auch, dass die Farben sehr blass sind. Es scheint ein Grauschleier über dem Bild zu liegen. Ist es Dunst, die industriebedingt schlechte Luft in China…? Oder ist das Foto geringfügig überbelichtet?

Lukas Fassbender, bearbeitet

Ich habe die Aufnahme in Lightroom wie folgt bearbeitet: Im Menüpunkt «entwickeln« die Helligkeit etwas reduziert und die «Wiederherstellung« erhöht. Nachdem ich Teile des Waldes unten und rechts abgeschnitten habe, liegen das Gebäude (links) und die Oberkante des Waldes rechts nun im Goldenen Schnitt. Die Farbsättigung habe ich geringfügig erhöht. So wirken die Farben kräftiger.

In der Rubrik «Bildkritik» analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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5 Antworten
  1. florian says:

    (… auch wenn der eintrag schon alt ist…)
    Mir gefällt das Original gut und auch besser als die bearbeitete Version.

    Gefühlt liegt für mich beim Original das „Hauptobjekt“ der Bildschwerpunkt auf dem Schnittpunkt der horizontalen und vertikalen Linien auf 1/3 der Länge und Höhe.
    Bei der bearbeiteten Version fühle ich den Schwerpunkt auf halber Höhe.

    Ich bin zwar auch kein Profi, aber der goldene Schnitt ist nicht bei 1/3 der Strecke.

    Der Goldene Schnitt teilt eine Strecke, wenn sich der größere zum kleineren Teil verhält wie die ganze Strecke zum größeren Teil. http://de.wikipedia.org/wiki/Goldener_Schnitt

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  2. Peter Sennhauser says:

    Ich schliesse mich hier Gebsn und Thomas an: Sowohl der verschleierte Hintergrund als die Überhöhung des Tempels (Wachturms?) geben dem Bild viel von seiner Wirkung. Ich finde vor allem, dass die Berge im Hintergrund nur als Linien und blauer Kontrast zum ebenso flächig wirkenden grünen Wald dienen – ich würde sogar versuchen, den Hintergrund ganz sachte unschärfer zu maskieren.

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  3. Lukas Fassbender says:

    Es freut mich soviel konstruktive Kritik zu bekommen. Der Punkt des goldenen Schnittes ist mir auch aufgefallen und war auch nicht mit Absicht so gewählt, jedoch muss ich gestehen das es mir nur zu Beginn als störend auffiel. Umso länger ich mir das Bild angeschaut habe umso mehr hat es mir genau so, mit dem nicht beachteten Goldenen Schnitt, gefallen. Genau wie es Gebsn erwähnt hat erschien der Tempel so wesentlich majestätischer. In Punkto Hintergrund muss ich sagen das es schon schönere Tage für Aussenaufnahmen gab. Leider ist es China wirklich so wie man es immer höhrt, dass industriebedingt ein sehr schlechte Luft herscht. Somit liegt fast jeden Tag ein grauschleier in der Luft. Da das Bild relativ früh aufgenommen wurde (9 Uhr) lag auch noch ein wenig Frühnebel in den Schluchten. Gerade dieser Nebel und die aufsteigende Wärme der Wälder empfinde ich im Hintergrund als sehr entspannend und nicht ablenkend, daher habe ich bisher in Lightroom noch keine Korrektur in Sachen Hintergrund vorgenommen. Dennoch finde ich die bearbeitet Version sehr interessant, da gerade der Nebel deutlicher zum Vorschein kommt.

    Ich danke vielmals für die Kritik und die Kommentare.

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  4. gebsn says:

    Rein subjektiv (und als Foto-Amateur) gefällt mir der Original-Ausschnitt besser wegen der abfallenden Linie rechts und der grösseren Vielfalt an Grüntönen im Vordergrund. Ausserdem scheint der Tempel damit majestätischer über der Natur zu thronen.

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