Sonnenuntergang:
Zehn einfache Tipps

Peter Sennhauser, 29. Juni 2008 09:55 Uhr, 3 Kommentare Kommentare

Der Sonnenuntergang sah grossartig aus, aber die Fotografie wirkt flach und fad? Hier sind zehn einfach Tricks für bessere Bilder vom romantischsten Moment des Tages.

Sonnenuntergang mit Pelikanen in San Francisco. (© P. Sennhauser)
Sonnenuntergang mit Pelikanen in San Francisco: Kitsch as Kitsch can. Klick zur Bildgalerie (© P. Sennhauser)

In Nordkalifornien haben wir grade die schönsten Sonnenuntergänge seit langem, weil rund 1100 Waldbrände die Atmosphäre verschmutzen, der ganze Rauch nach San Francisco drückt und die Sonne – wenn das Golden Gate denn mal grad nebelfrei ist – dadurch extrem rot untergeht.

Dies und der noch drei Sonnenuntergänge lang offene Fotowettbewerb auf Kwerfeldein haben uns zu zehn Tipps für bessere Sonnenuntergangs-Fotos motiviert:

  1. Augen- und Sensorschäden vermeiden! Vorsicht mit Spiegelreflex- und Sucherkameras: Ein direkter, zu langer Blick in die Sonne kann nicht nur dem Sensor, sondern vor allem dem Auge des Fotografen Schaden zufügen. Abblenden hilft nichts, weil die Blende bei der SLR bis zur Aufnahme offen bleibt. Eine Tele-Aufnahme der Sonne sollte mit Live View via Monitor komponiert werden, und auch der Kamera-Sensor sollte der Sonne möglichst nicht lange ausgesetzt werden.
    Sonnenaufgang über San Francisco. Angesichts solcher Himmel sollte man nicht zu faul sein, sich zum über die Reling des Schiffs zu beugen (ich ärgere mich heute noch). (© P. Sennhauser)
  2. Die Zeiten des Sonnenuntergangs sind, da unsere Zeitmessung vom Sonnenlauf abhängt, zum Glück einfacher einzuschätzen als die Auf- und Untergänge des Mondes. Astrologische Astronomische Tabellen in Zeitungen oder auf Astro-Websites wie derjenigen des US-Naval Dienstes geben für jeden Punkt der Erde genaue Auskunft. Die einfachste Berechnung für Standorte in Deutschland bietet die Sonnenstand-Berechnung der Stadt Stuttgart.
  3. Frühzeitiges Planen des Standorts noch bei Tageslicht hilft, wildes hin- und her Rennen während des effektiven Sonenuntergangs zu vermeiden. Ein gut komponiertes Sonnenuntergangs-Bild verlangt so viel oder mehr Planung wie jede andere Landschaftsaufnahme. Ein Kompass und die Azimut-Angaben (Himmelsrichtung in Grad) aus den Sonnenuntergangs-Tabellen helfen, einen geeigneten Standort hinter einem Vordergrund-Motiv zu finden.
    Viermal der gleiche Sonneuntergang: Steh- oder Hängelampe, das war die Frage... Am Ende gewannen die Pelikane (© P. Sennhauser)
  4. Vordergrund nicht vergessen: Sonnenuntergänge unterscheiden sich eigentlich ausser durch Farbe und Wolkenbild nicht sonderlich. Wirklich spannende Bilder haben einen Vordergrund, der allenfalls mit Aufhellblitz vor dem totalen Absaufen gerettet werden oder bei RAW-Bildern später aus den untersten Tonwerten herausgefischt werden kann. Oder aber er dient als Schattenriss.
  5. Die ganze Dauer ausnutzen. Wann der Sonnenuntergang anfängt, bestimmen nicht die Astrologen, sondern der Fotograf. Interessante Bilder lassen sich je nach Standort schon komponieren, lange bevor die Sonne den Horizont berührt – und jedenfalls rund 20 Minuten lang danach.
    Sonnenuntergang mit Konkurrenz. (© P. Sennhauser)
  6. Bracketing einsetzen. Serien von Bildern mit verschiedenen Einstellungen garantieren, dass der gewünschte Effekt belichtungsmässig jedenfalls dabei ist. Als Digitalfotografen profitieren wir davon, nicht mit “Film” geizen zu müssen, also sollten wir die Bracketing-Funktion der Kamera (Bildserien mit automatisch abgestuften Blenden/Zeit-Werten, Belichtungskorrektur oder Blitzwerten) nutzen und uns später in der Nachproduktion in aller Ruhe das gewünschte Bild aussuchen.Sonnenuntergang mit Vorder- und Hintergrund. (© P. Sennhauser)
  7. Regeln brechen. Sonnenuntergänge sind meistens Horizont-Bilder. Wer hier stur die Regel des Goldenen Schnittsanwendet, hat gute Chancen, sein Bild den Millionen von immergleichen Sonnenuntergangsbildern hinzuzufügen. Neben einem Vordergrund, einem ungewöhnlichen Standort oder sogar einem ungewöhnlichen Blickwinkel biten sich ungewöhnliche Bildschnitte beim experimentieren an.
  8. Mit Filtern experimentieren. Eine noch relativ hoch stehende Sonne ist sehr viel heller als die Scheibe, die den Horizont berührt und deren Licht mehr Luft in der Atmosphäre (oder Smog, wie grade bei uns) durchdringen muss. Hier bieten sich Neutralfilter mit Verlauf an, um den Himmel und die Sonne abzudunkeln; für leicht seitlich versetzte Sonnenuntergangsbilder lohnt sich ein Versuch mit einem Polfilter zur Steigerung des Wolkenkontrasts und ähnlichen Effekten.
    Nach Sonneuntergang. Die fotografische Dämmerung. (© P. Sennhauser)
  9. Die Sonne weglassen. Der Sonnenuntergang und vor allem die wenige Minuten danach anherrschende direkte Dämmerung bietet das schönste Licht des Tages – die Sonne muss auf einem Sonnenuntergangsbild nicht direkt zu sehen sein. Ein gleissender Lichtschimmer am Bildrand, ein Streifen der Sonne in den Abendwolken oder ein paar durch diese hindurchbrechende Sonnenstrahlen, vielleicht sogar nur die Spiegelung der Sonne auf der Wasserobefläche verhelfen zu originellen, wirksamen Bildern.
    Der Sonnenuntergang kann auch mal in den Hintergrund rücken. (© P. Sennhauser)
  10. Panoramen! Wenn die Sonne selbst nicht das wichtigste Element ist – beispielsweise, wenn der Himmel mehr hergibt – und deshalb kein Tele eingesetzt werden muss, lohnt sich ein Versuch mit einem Panorama, das die ganze HErrlichkeit des roten Abend- oder Morgenhimmels zeigt.
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3 Kommentare

  1. Andreas
    schrieb am 29. Juni 2008 um 12:03 Uhr (#)

    Astrologische Tabellen in Zeitungen oder auf Astro-Websites

    Bitte Astronomisch, nicht Astrologisch!

  2. Axel F.
    schrieb am 29. Juni 2008 um 12:44 Uhr (#)

    Hallo !
    Richtiges Fotogrfieren will scheinbar auch gelernt sein. Erst gestern war ich wieder in einem Zoo um ein paar neue Bilder für meine Galerie zu machen. Also ich würde meinen das die Bilder die jetzt in der Galerie drinn sind für meine Begriffe schön geworden sind. Nun ja ich gebe allerdings auch zu das ich sicher nicht die richtige Kamera verwende, denn es ist nur eine einfache Digitalcamera mit 3x opt.Zoom und 6x dig.Zoom.
    Teuer war das Teil auch nicht (89,-€).
    Das was ich am liebsten Fotografieren würde sind Aquarien, aber genau da habe ich immer ein Problem mit dem Blitz. Für Profis wie euch sicher kein Problem !
    Ich wäre euch dankbar wenn ihr mal in die Galerie reinschaut und mir eure Meinung sagen bzw.schreiben könntet was ich verbessern kann mit einfachen Mitteln da ich ein absoluter Laie bin.
    Danke im voraus
    Gruß Axel aus Dresden

  3. Schreibt hier auf dem Blog Peter Sennhauser
    schrieb am 29. Juni 2008 um 12:47 Uhr (#)

    @ Andreas: Ähem. Richtig. Wobei Fotografie ja manchmal so Voodoo ist, dass Astrologie auch helfen könnte, meine ich… – gefixt.

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