Scott Kelby – Adobe Photoshop Lightroom:
Das Handbuch zu Lightroom

Wolf-Dieter Roth, 3. Juli 2008 12:48 Uhr, 2 Kommentare Kommentare

Scott Kelby: Adobe Photoshop Lightroom für digitale FotografieAdobe Lightroom – korrekt “Adobe Photoshop Lightroom” – ist ein leistungsfähiges, bezahlbares, aber auch sehr eigenwilliges Programm. Scott Kelby bringt einem mit dem Buch mit dem nicht ganz so kurzen Titel “Adobe Photoshop Lightroom für digitale Fotografie” die zunächst störrische Adobe-Software näher.

Neben Silkypix und einigen Freeware-Programmen sind die Adobe-Produkte “Camera Raw” und “Lightroom” eine gute Wahl, um RAW-Dateien schnell und einfach zu bearbeiten.

Angenehm ist dabei, daß bei den Adobe-Produkten auch noch gleich der passende Ausschnitt gewählt werden und ein schiefer Horizont zurechtgerückt werden kann. Dafür sind verrauschte Aufnahmen nicht so gut von Pixelmüll zu säubern wie mit Silkypix.

“Camera Raw” ist die Fortentwicklung eines Freeware-Programms. Leider ist es nun keine eigenständige Software mehr, sondern ein Photoshop-Plugin. Man muß also zunächst den teuren, dicken Photoshop laden, um Camera Raw aufrufen zu können. Ärgerlich, wenn man wie ich gar nicht so gerne mit Photoshop arbeitet oder wenig Speicher im Rechner hat.

Alternativ kann Camera Raw nach etwas Konfiguationsarbeit gnädigerweise auch aus Adobe Bridge gestartet werden, was etwas angenehmer ist. Manchmal wird zwar auch dann Photoshop hochgefahren, meist bleibt einem der fette Brummer allerdings erspart. Mit Camera Raw kann man auf gewohnte Weise dateiorientiert arbeiten, aber eben viel schneller als mit einer Bildbearbeitung – und ohne die Originaldateien zu gefährden.

Adobe Photoshop Lightroom ist eine andere Ausprägung derselben Software. Hier verwirrt schon der offizielle Name, denn diese Variante kann nun gerade ohne und unabhängig von Photoshop benutzt werden. Das ist ein erheblicher Preisvorteil, man kommt mit etwa 150 Euro für eine Vollversion davon statt mit leicht vierstelligen Summen für das volle Adobe-Sortiment.

Und tatsächlich bieten sowohl Lightroom als auch Camera Raw alles, was ein Fotograf braucht, um seine Bilder zu optimieren, ohne sie zu manipulieren, also Kontrast und Helligkeit richtig einzustellen, Überflüssiges vom Bild wegzuschneiden, falsche Lichttemperaturen geradezubiegen etc.

Lightroom überfällt den nichtsahnenden Neuling allerdings mit Unmengen zunächst unerwünschter Eigenaktivitäten: Wenn man eine Speicherkarte über ein Lesegerät mit dem PC verbindet und eigentlich erstmal nur die Bilddateien auf die Festplatte kopieren will, dann springt Lightroom an und fängt eigenmächtig an zu kopieren. Noch dazu ziemlich langsam. Und plötzlich läuft auch noch die Systempartition voll, obwohl man doch ausdrücklich auf ein anderes Laufwerk kopieren will und nicht nach C:.

Erst nach längerer Beschäftigung mit dem Programm findet man heraus, daß so gleich die IPTC-Daten wie der Fotografenname in die Dateien geschrieben werden, damit man es später nicht vergißt, und die zweite Sicherheitskopie auf C:, die Zeit und kostbaren Programmspeicherplatz frißt, abschaltbar ist. Tatsächlich ist sie eher dazu gedacht, zusätzlich gleich eine Kopie auf eine externe Festplatte zu sichern, nur muß diese dann beim Anschluß der Speicherkarte auch angeschlossen und eingeschaltet sein. Also doch lieber abschalten und später manuell kopieren…

Genau diesen Frust erspart einem Scott Kelbys Buch. Es ist von etwas skurrilem Humor geprägt, so steht anstelle eines Vorworts das Kapitel “Unerwartete Fragen und Antworten”. Und Scott Kelby propagiert sehr seine Art, Photoshop und Lightroom zu nutzen und lamentiert eine ganze Seite darüber, daß das Kapitel “Photos importieren” eigentlich völlig überflüssig sei. Und man dann nie erfahren hätte, warum einem dauernd Laufwerk C: zuläuft.

Doch das hindert einen nicht daran, Lightroom ganz anders zu nutzen, wenn man es dann besser verstanden hat. Eigentlich kann es nämlich deutlich mehr als Camera Raw, das ja nur ein reines Raw-Plugin darsellen soll. Man kann mit Lightroom auch ausdrucken und Websites erstellen. Kelby hat auch eine ganze Website für das Buch mit weiteren Tipps und Beispieldateien zusammengestellt, der deutsche Verlag hat noch zusätzlich ein Blog hinter einer relativ komplizierten Registrationsprozedur versteckt. Scott Kelby ist Chefredakteur des Photoshop User Magazine, Präsident der National Association of Photoshop Professionals, Training Director bei der Adobe Photoshop Seminar Tour und einer der führenden Seminarleiter sowie Autor von mehr als 40 Photoshop-Büchern.

Die 39,95 Euro für dieses Buch sind sinnvoll, um die Denkweise der Programmierer von Lightroom zu verstehen und seinen Arbeitsablauf entsprechend umzustellen. Ich gestehe, daß es mir bislang noch nicht gelungen ist und ich doch immer noch lieber mit Adobe Bridge und Camera Raw hantiere…

Adobe Photoshop Lightroom für digitale Fotografie, Addison-Wesley, ISBN: 978-3-8273-2607-2, 408 Seiten, 4-farbig, mit Website, € 39,95

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2 Kommentare

  1. Franziska Zuber
    schrieb am 7. November 2008 um 15:49 Uhr (#)

    Ich habe eine Frage bezüglich Speichern von Fotos. Für welche Anwendungen ist es sinnvoll, im Raw-Format zu speicheren? Ich habe mal gehört, dass es bei der Auflösung eines Standard-Bildschirms vollkommen reicht, wenn man die Bilder als jpeg speichert. Gilt das jetzt nur fürs Betrachten am Bildschirm oder ist beim Ausdrucken ein Unterschied feststellbar?

    Vielen Dank!
    Franziska

  2. Schreibt hier auf dem Blog Wolf-Dieter Roth
    schrieb am 7. November 2008 um 20:07 Uhr (#)

    Hallo Franziska,

    wozu RAW gut ist, haben wir schon mehrfach z.B. hier:

    http://fokussiert.com/200…gitale-dunkelkammer/

    behandelt. Mit Schärfe oder Auflösung hat das nichts zu tun, auch nicht mit Bildschirm oder Drucker, sondern mit verlustfreier Bildbearbeitung im Sinne von Bilder heller, dunkler oder mit anderen Farbtemperaturen zu erzeugen.

    RAW ist kein Format zum direkten Betrachten, sondern um bei Bedarf nachträglich ein JPG mit anderen Einstellungen erzeugen zu können.

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