Bienenperspektive:
Frischer Blickwinkel

Bei Tierbildern wirkt der Kniff, sich auf Augenhöhe mit dem Motiv zu begeben und die Welt aus seiner Sicht abzulichten. Das Motiv sollte aber auch dabei nicht in der toten Bildmitte liegen – häufig ist der Gebrauch von Fokus- und Belichtungsspeicher angezeigt.

Thomas Hofer
Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Thomas Hofer). – Canon IXUS 400 – 1/400s – f/7.1 – 7.4mm (34mm)

Kommentar des Fotografen:

Vor vier Jahren mit meiner ersten Digitalkamera aufgenommen.

Profi Robert B. Fishman meint zum Bild von Thomas Hofer:

Bisweilen ist doch verblüffend, was sich mit einer kleinen Kompaktkamera wie der IXUS alles anstellen lässt. Angesichts der kurzen realen Brennweite erstaunt hier vorallem die Schärfentiefe: Genau die eine Blüte und das Insekt sind im Fokus, alles andere verschwimmt im Hintergrund – ein Effekt, der mit Kompaktkameras in der Regel nur im Makro-Modus möglich ist.

Ganz wunderbar finde ich die Perspektive. Insekten auf Blüten sieht man normalerweise ja nur von oben. Hier haben wir den Brummer fast auf Augenhöhe. Schon diese überraschende Perspektive macht das Foto interessant.

Auch das Licht fällt optimal auf die Szenerie: Weich von links und zwar so, dass alle Bildelemente schön ausgeleuchtet sind.

Wenn ich jetzt noch das Haar in der Suppe suche: Mich irritiert, dass das Insekt auf der Blüte genau in der Mitte steht. Dadurch wirkt das Bild spannungsärmer und statischer, als es wäre, wenn das Hauptmotiv etwas mehr in Richtung Rand verschoben wäre.

Das ist ein häufiger Mangel an Amateurbildern, die mit Kompaktkameras geschossen wurden: Die wenigsten Anwender sind sich bewusst, dass das Motiv nicht im Zentrum des Suchers stehen muss, und das sogar dann nicht, wenn mit manuellen Einstellungen und zentriertem Fokus operiert wird: Bei jeder Kamera lässt sich mit halb gedrücktem Auslöser der Fokus festlegen, wonach das Bild neu komponiert werden und dann ausgelöst werden kann.

Je nach Einstellung wird dabei die Belichtungszeit nicht gespeichert, sondern auf den neuen Bildausschnitt nach der Rekomposition festgelegt – jedenfalls bei der Matrix-Messung. Dabei kann es vorkommen, dass durch erst im neuen Ausschnitt einbezogene extrem helle oder dunkle, grosse Flächen eine neue Belichtungszeit eingestellt wird, die dem Motiv nicht mehr gerecht wird: Dann muss mit dem Belichtungsspeicher gearbeitet werden.

Er funktioniert ähnlich wie das „Halbauslösen“: Beim Fokussieren auf das Motiv muss eine bestimmte Taste gedrückt werden, um den Belichtungswert zu fixieren, danach kann mit halb gedrücktem Auslöser die Neukomposition vorgenommen werden, und am Ende sind Fokus und Belichtungszeit auf das Motiv optimiert, auch wenn es nur noch einen geringen Teil der Komposition in der rechten unteren ecke ausmacht. Diese Funktionen im Handbuch zu studieren und an einigen Beispielen mit hohem Hell/Dunkel-Kontrast auszuprobieren erweist sich jedenfalls als lohnende Übung.

Wenn es nur um die Komposition geht wie hier, wo die Belichtung ideal ist, kann oder soll sogar vom Beschneidewerkzeug in der Bearbeitungssoftware Gebrauch gemacht werden.

Thomas Hofer bearbeitetMit ein paar Klicks in Lightroom oder Photoshop lässt sich das kleine «Problem« lösen.

So verschwindet in diesem Falle auch das etwas störende trockene Blütenblatt oben links aus der Aufnahme.

Schade auch, dass rechts durch das trockene Blatt unnötige Unruhe ins Bild kommt, die ablenkt, weil sie uns nichts Zusätzliches über das Hauptmotiv sagt.

In einer ganz radikalen Variante habe ich auch das «Gewusel« im rechten Bilddrittel abgeschnitten.

In der Rubrik «Bildkritik» analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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1 Antwort

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  1. […] fortführen, verprochen! Wie man das Ganze dann noch schön präsentiert findet man bei fokussiert. So eine Libelle muss auch noch in mein Archiv. Damit kann man mich wiederfinden: Diese Icons […]

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