Pflanze am Strassenrand:
Mehr Objekt-Kontrast

Wenn Alltägliches in einer Fotografie herausgehoben werden soll, muss es entweder isoliert oder in einen brutalen Kontrast zur Umgebung gesetzt werden. Und das gilt nicht nur im Sinne von Licht und Farbe.

Alexander Gruel

Alexander Gruel


Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Alexander Gruel). – Leider keine Exif-Daten vorhanden

Kommentar des Fotografen:

Ein “gestalteter Schnappschuss” auf meinem Heimweg von der Uni – ein einsames Pflänzchen das aus einem ganzen Gebüsch frech in den Weg hinauswächst und dort auch schon einer ganzen Weile täglich vorbeiströmenden Horden an Studenten und Anwohnern trotzt.

Profi Douglas Abuelo meint zum Bild von Alexander Gruel:

Ich denke, die Absicht des Fotografen hier war, die Verlorenheit einer einsamen Pflanze zu zeigen, die von einer Beton- und Metallwüste umgeben ist. Während wir als Betrachter das zwar sehen, glaube ich nicht, dass der Effekt, die Komposition, aussagekräftig genug ist, um einen bedeutungsvollen Eindruck zu hinterlassen.

Was hätten wir als Fotografen tun können, um das Bild visuell stärker zu machen, sodass es eine kraftvollere Botschaft sendet?

Ich denke, es gibt zwei gute, sehr unterschiedliche Möglichkeiten. So, wie es jetzt ist, ist die Distanz zwischen der Pflanze und der Kamera nicht gerade gering und nicht gerade groß, was der Komposition gar nichts bringt. Außerdem gibt es kein anderes klares Element, das im Kontrast zu der Pflanze steht.

Eine erste Option wäre gewesen, so weit zurück zu gehen, bis die Pflanze im Vergleich zum Beton und Metall des Hintergrunds klein wirkt. Der Kontrast zwischen der kleinen Pflanze und der harten, ausgedehnten Betonfläche hätte demonstrieren können, wie einsam die Pflanze ist. Durch diesen Vergleich wäre eine klare visuelle Botschaft vermittelt worden.

Eine zweite Option wäre gewesen, ganz nah an die Pflanze heran zu gehen. So hättest Du mit einer Nahaufnahme der Stängel, Blätter und/oder Knospen im Vordergrund einen Kontrast der groben Strukturen des Hintergrunds.

Ich denke in beiden Fällen wäre es gut, das Foto vom Vorder- bis in den Hintergrund scharf zu haben, sprich eine kleine Blende zu nutzen. Wenn Du beide Elemente vergleichen willst, ist es meist am besten, wenn sie klar zu sehen sind.

Als Betrachter sehen wir täglich so viele Bilder, sodass wir, um beeindruckt zu sein, etwas sehen müssen, wo entweder der Inhalt, das Licht, die Farben oder die Komposition unser Augenmerk auf sich ziehen.

Dies ist hier nicht der Fall. Dies bedeutet aber nicht, dass, wenn Du zurückgehst und die oben erwähnten Ratschläge oder eigene neue Ideen anwendest, es beim nächsten mal auch so sein muss.

In der Rubrik «Bildkritik» analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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Ein Kommentar

  1. Danke für diese lehrreiche Rubrik. Freue mich jedesmal darüber, wenn die Bilder aus der Sicht eines Profis konstruktiv besprochen werden, hilf- und lehrreich ohne vernichtend zu sein.
    gruß aus österreich
    marcus

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