Küste und Horizont:
Wasserwaage im Bild

Um den Horizont gerade zu kriegen – und das ist grade bei Ozean-Bildern mehr als wünschenswert – ist der erste und beste Schritt, ein Stativ zu benutzen.

Thomas Schäubli

Thomas Schäubli


Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Thomas Schäubli). – Canon PowerShot A85 – 1/400s – f/5.6 – 5.4mm (35mm)

Kommentar des Fotografen:

Sardische Westküste

Profi Douglas Abuelo meint zum Bild von Thomas Schäubli:

Als erstes ist mir an dieser Aufnahme aufgefallen, dass der Horizont sie fast genau in der Mitte zerschneidet, und dass sie etwas nach rechts geneigt ist.

Indem der Horizont durch die Bildmitte verläuft, wird das Foto in zwei gleiche Teile zerlegt. Das macht das Bild weniger dramatisch als es sein könnte, hätte der Horizont einen Abstand eines Drittels der Bildhöhe von der oberen oder unteren Kante. Außerdem kann der Betrachter seine Aufmerksamkeit leichter auf das Hauptobjekt richten, wenn Du dem Bereich, in dem sich das Hauptobjekt befindet, mehr Raum zugestehst.

Um den Horizont gerade zu kriegen, ist der erste und beste Schritt, ein Stativ zu benutzen. Hast Du keins zur Hand, dann versuche, die Kamera auf einen Felsen, Tisch, Stuhl oder was sonst zu finden ist, zu setzten. Dann nutze die Ecken des Suchers, um sicher zu sein, dass der Horizont gerade ist. Fast alle Kameras haben kleine Fokuspunkte oder Rechtecke im Sucher, die ebenfalls dafür genutzt werden können, um zu festzustellen, ob die Kamera sich in der Waagerechten, sprich parallel zum Horizont, befindet. Manche Kameras haben sogar eine Funktion für Goldenen Schnitt, die ein elektronisches Raster über den Sucher spannt.

Einer weitere Option ist eine Wasserwaage, wie sie auch zum Bauen oder Bilderaufhängen benutzt wird. Es gibt kleine Wasserwaagen, die speziell für Kameras gemacht sind und in die Blitzschiene (Hotshoe) geschoben werden können. Auch bei vielen D/SLR-Kameras gibt es die Möglichkeit, die Schnittbild-Mattscheiben mit einem zu wechseln, das ein Raster für den Goldenen Schnitt hat.

Wenn all das nicht klappt, gibt es immer noch die digitale Dunkelkammer. Fast alle Programme haben die grundlegenden Werkzeuge, um Fotos zu begradigen, zu drehen, oder zu beschneiden.

Obwohl der Inhalt dieses Bildes nichts wirklich besonderes ist, hätte ein waagerechter Horizont und die Befolgung des Goldenen Schnitts es weitaus dramatischer machen können.

In der Rubrik «Bildkritik» analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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