Minor White:Handwerkskunst des Gefühls

Minor White ist einer der unbekanntesten Wegbereiter der zeitgenössischen Fotografie. Im Juli wäre er 100 geworden.


Minor White: Pacific, Devil’s Slide, California 1947
Alle Bilder: © The Minor White Archive, Princeton University

Whites 100. Geburtstag war hierzulande keine Zeile wert, jedenfalls habe ich keine gefunden. Weil er uns auch heute noch viel zu sagen hätte, machen wir hier auf ihn aufmerksam. Kein geringerer als Ansel Adams hält die Bedeutung des amerikanischen Fotografen in einem Statement fest: “Minor White ist einer der großartigsten Fotografen. Das ist kein leichtfertiges Bekenntnis von mir.”

Minor White wurde 1908 in Minneapolis geboren. Erst mit etwa 30 wandte er sich der Fotografie zu. 1946 lernte er Alfred Stieglitz kennen, der einen nachhaltigen Einfluss auf ihn hatte. Ab 1946 arbeitete er als Lehrer an California School of Fine Arts in San Francisco, die damals von Ansel Adams geleitet wurde. 1952 gehörte Minor White zu den Mitbegründern der legendären Zeitschrift Aperture. In den Fünfzigern wurde wurde er Kurator am George-Eastman-Haus und Lehrer in Rochester, New York. Später lehrte er unter anderem am Massachusetts Institute of Technology MIT und in zahlreichen Workshops kreative Fotografie. Minor White ist 1976 gestorben.


Minor White: Windowsill Daydreaming, 1958

Minor Whites Credo war, dass seine Bilder Seele und Geist des Fotografen widerspiegeln sollten. Die innere Welt sollte sich in der äußeren finden. Damit unterscheidet er sich von der wirklichkeitstreuen, dokumentarischen Richtung. Er wollte “die Dinge fotografieren, wie sie sein mögen”, nicht “wie sie sind”. White entwickelte dazu eine “Handwerkskunst des Gefühls”. Die Technik dazu fasste er in seinem “New Zone System” zusammen, das sich als Alternative neben das wissenschaftlich-exakte Zonensystem von Ansel Adams stellt. Das Buch ist übrigens – nur in englischer Sprache – in Antiquariaten noch zu bekommen.


Minor White: Bullet Holes, Capital Reef, Utah 1961

Seine Bilder ordnete White in Sequenzen. “Eine Bildergeschichte erzählt und zeigt. Eine Sequenz unterstützt Gefühlzustände”, schrieb er darüber, oder: Eine Sequenz von Fotografien funktioniere wie ein kleines Drama aus Träumen mit Erinnerung. Minor White, der Sprachen und Literatur studiert hatte, führte Bilder und Worte zusammen und versah die Sequenzen mit poetischen Texten: “Ich erfreue mich an Fotografien, ich erfreue mich an Worten, ich freue mich, beides mischen zu können und zu sehen, was passiert, wenn es sich überlagert.”

Online gibt es nicht sehr viele Bilder von Minor White zu sehen. Seine Bücher und Bildbände (“Mirrors – Messages – Manifestations” zum Beispiel) gibt es nur in englischer Sprache und oft lediglich gebraucht. Wer sich mit der Idee herumschlägt, seiner Fotografie einen persönlichen Ausdruck zu verleihen, für den würde sich eine Beschäftigung mit Minor White nach wie vor lohnen. Der Website Masters of Photography gehört das Verdienst, die Erinnerung an ihn weltweit zu bewahren mit Artikeln und Bildern. Ein Besuch dort lohnt sich auch wegen der anderen “Masters”, die da verzeichnet sind – von Berenice Abbott bis Gary Winogrand.

Masters of Photography
Ein dürres Wiki zu Minor White

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