Canon 40D bei Nacht:
Nachtaufnahmen mit Automatik?

fokussiert.com hat ein Wochenende lang die Semiprofi-DSLR Canon 40D getestet. Tag und Nacht. Die Resultate der nächtlichen Übungen sind hier zu bewundern – mit der Fragestellung, was die Automatik taugt.


Nächtliche Gegenlichtaufnahme mit Mond (halbvoll), Straßenlaterne (linksmittig unten) und Hausbeleuchtung (rechts unten): Das Objektiv ist mit dieser Extremlichtsituation leicht überfordert und zeigt einen grünen Reflex, Belichtungsautomatik und Weißabgleich komme dagegen gut zurecht. Blende 1,2, 50 mm, 1/5 s, ISO 3200, EF 50 mm 1:1,2L USM (Bild: W.D.Roth)

Nachtaufnahmen sind eigentlich eine Wissenschaft für sich. Klar, man braucht normalerweise ein Stativ. Doch auch die Belichtung ist eigentlich nur mit manuellen Belichtungsreihen richtig zu treffen, da die Automatik entweder gnadenlos überbelichtet oder aber bei den schwachen Lichtwerten nachts einfach aussteigt und bei nicht ausreichenden Belichtungswerten “stehenbleibt”.

Umso überraschender die Canon 40D:

Hier sind die eigentlich mehr aus Neugier in Automatikeinstellung geschossenen Nachtaufnahmen mit einer Ausnahme durchaus brauchbar. Die in diesem Beitrag gezeigten Bilder sind alles die Original-JPEGs der Canon 40D, hier wurde nicht mittels RAW-Software nachbearbeitet.


Blende 1,2, 50 mm EF 50 mm 1:1,2L USM, 1 s, ISO 3200 (Bild: W.D.Roth)


Zugdurchfahrt bei Nacht, Blende 1,2, 50 mm EF 50 mm 1:1,2L USM, 1 s, ISO 3200 (Bild: W.D.Roth)


Blende 1,2, 50 mm EF 50 mm 1:1,2L USM, 1/3 s, ISO 3200 (Bild: W.D.Roth)


Blende 1,2, 50 mm EF 50 mm 1:1,2L USM, 1 s, ISO 3200 (Bild: W.D.Roth)


Hier, mit grünlichem Straßenlaternenlicht und grünem Motiv, ist der automatische Weißabgleich überfordert, wie man am lila verfärbten Nachthimmel erkennen kann. Blende 1,2, 50 mm EF 50 mm 1:1,2L USM, 1 s, ISO 3200 (Bild: W.D.Roth)


Einer der wenigen Fälle, bei denen die Automatikbelichtung zu helle Nachtaufnahmen produzierte… Blende 1,2, 50 mm EF 50 mm 1:1,2L USM, 1/5 s, ISO 3200 (Bild: W.D.Roth)


“Mischlicht”: Straßenlaterne Quecksiberdampf-Fluoreszenz (links oben), Natriumdampf (links unten, beleuchtet Haus), Mond, halbvoll (rechts oben). Blende 1,2, 50 mm EF 50 mm 1:1,2L USM, 1/25 s, ISO 3200, manuelle Belichtung (Bild: W.D.Roth)


Blende 1,2, 50 mm EF 50 mm 1:1,2L USM, 1/2 s, ISO 3200 (Bild: W.D.Roth)


Blende 1,2, 50 mm EF 50 mm 1:1,2L USM, 1/2 s, ISO 3200 (Bild: W.D.Roth)


Blende 1,2, 50 mm EF 50 mm 1:1,2L USM, 1/2 s, ISO 3200 (Bild: W.D.Roth)


Blende 1,2, 50 mm EF 50 mm 1:1,2L USM, 1/2 s, ISO 3200 (Bild: W.D.Roth)


Blende 1,2, 50 mm EF 50 mm 1:1,2L USM, 1 s, ISO 3200 (Bild: W.D.Roth)

Lediglich der Weißabgleich ist mit einem Sternenhimmel überfordert: Die Sterne werden violett verfärbt abgebildet. Man sollte also bei der Canon 40D – wie bei anderen Kameras auch – für Nachtaufnahmen auf manuellen Weißabgleich “Tageslicht” umschalten. Ebenso ist der Autofokus abzuschalten und manuell auf Unendlich einzustellen – auch dies ein Standardprocedere für Nachtaufnahmen.

Unentbehrlich ist allerdings der von Lens Avenue zum Test dankenswerterweise mitgelieferte Draht-Fernauslöser RS-80N3: Die einzige Alternative wäre der Selbstauslöser, denn die Möglichkeit einer Infrarot-Fernauslösung wie bei den Einsteigermodellen gibt es hier nicht bzw. nur mit einem über 500 Euro teuren Zubehörteil – die Kamera selbst hat keinen Infrarotempfänger…

Die Live View der Canon 40D erwies sich allerdings leider als nachtblind: Man tappt wortwörtlich im Dunkeln, denn nachts in der Natur ist auch ein Sucher nicht zu gebrauchen. Was auf dem Bild ist, sieht man daher leider erst nach der Aufnahme.

Und am schwersten zu realisieren war die Nacht mit klarem Sternenhimmel: Nachtaufnahmen bei Regen dürften in der Natur ein Ding der Unmöglichkeit sein…

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3 Kommentare

  1. Christian
    schrieb am 10. August 2008 um 09:39 Uhr (#)

    Ein sehr schöner Test. Ich lerne allerdings daraus, das Nachtaufnahmen eher “manuell” zu realisieren sind, die Automatik reagiert zwar, der zu erzielende Effekt ist aber eher zufällig. Rezept: Manuell belichten und RAW bearbeiten nach Weissabgleich u.ä.

  2. Schreibt hier auf dem Blog Wolf-Dieter Roth
    schrieb am 10. August 2008 um 11:18 Uhr (#)

    @Christian Eigentlich habe ich Grenzbereiche wie Nacht- und Infrarotaufnahmen stets manuell belichtet, eine Belichtungsreihe (offene Blende, manueller Fokus auf unendlich, dann bei z.B. 1/15 beginnend immer verdoppeln) ist da das Werkzeug der Wahl.

    Bei der Canon 40D hat mich überrascht, daß die Automatik eben auch in solchen Grenzsituationen noch brauchbare Ergebnisse liefert. In der Praxis würde ich allerdings auch da nicht auf Belichtungsreihen verzichten. Die Kontraste sind zu hoch, als daß die Automatik “wissen” kann, welche Bildinhalte einem wichtig sind – die Lichter, die Schatten oder das dazwischen.

    Ich würde im Normalfall allerdings auch Nachtaufnahmen nicht auf ISO 3200 fotografieren, wenn es sich umgehen läßt, wie bei diesem Test, wo ich ja ein Stativ dabei hatte, aber mal sehen wollte, was dann noch an Bildqualität übrg bleibt. Auf das Verhalten der Automatik hat das aber normalerweise keine Auswirkung, die arbeitet intern mit Lichtwerten.

  3. Guido
    schrieb am 13. August 2008 um 10:45 Uhr (#)

    Man muss ja nicht das teure Original-Canon-Teil als Infrarotfernauslöser kaufen. Von Drittherstellern gibt es Infrarotauslöser für ca. 50 EUR. Bei Ebay aus Hongkong auch für unter 30 EUR (inkl. Ersatz).

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