Pieter Hugo:
Hyänen an der Leine

Uli Eberhardt, 9. August 2008 13:56 Uhr, 0 Kommentare Kommentare

Männer mit Hyänen an der Leine: Der südafrikanische Fotograf Pieter Hugo hat sie fotografiert – und wir können uns diese sehr befremdlich wirkende afrikanische Wirklichkeit auf seiner Website anschauen.


Pieter Hugo: Mallam Mantari Lamal mit Mainasara, Nigeria 2005

Irgendwo in Nigeria: Ein Trupp zieht mit Hyänen, Affen und Python-Schlangen übers Land. Es stellt sich heraus: Die Männer und ein kleines Mädchen unterhalten die Leute auf den Märkten als Volkssänger und Schausteller mit ihren Tieren und verkaufen traditionelle Medizin. So verdienen sie sich ihren Lebensunterhalt.

Auch im südlichen Afrika sind die Hyänen-Männer durchaus ungewöhnlich. Pieter Hugo sah sie zum ersten Mal auf einem Foto, das mit einem Handy in den Straßen der nigerianischen Hauptstadt Lagos gemacht worden war. Das Handy-Foto wurde in Zeitungen abgedruckt und den Männern wurden dort alle möglichen Verbrechen und Mythen nachgesagt, jedenfalls nicht die Wahrheit.

Wenige Wochen später saß Pieter Hugo im Flugzeug nach Nigeria, so schildert er es auf seiner Website. Er fand die Gruppe, zog mir ihr durch die Lande und fotografierte die Männer und ihre Tiere. Der Kontrast zwischen Wildnis und Zivilisation war es, der den jungen Fotografen fesselte und die paradoxe Situation in der Beziehung zwischen Mensch und Tier: manchmal herzlich und ganz vernarrt, manchmal grausam und gefühllos. Zwei Jahre später – 2007 – reiste Hugo nochmals zu der Gruppe der Hyänen-Männer, um die Reihe zu vervollständigen. “Bleibendes Motive dabei ist unsere gespannte Beziehung zu uns selbst, zu den Tieren und zur Natur”, sagt Pieter Hugo darüber.

Auf die Bilder gab es die unterschiedlichsten Reaktionen. Neben Befremden, Staunen, Zweifel kam auch dieses: Der Chef einer Sicherheitsfirma fragte an. Die Kräuter, die vor der Wildheit der Hyänen schützten – könnten die in gleicher Weise nicht auch seinen Wachleuten nützlich sein? Tierschützer meldeten sich, die den Tieren helfen wollten. Die Frage, ob es den Tieren schlecht gehen könnte, war den Hyänen-Männern unverständlich, als Pieter Hugo sie stellte: Die Tiere ermöglichten ihnen ein Überleben und den Lebensunterhalt. Immerhin hätten sie sogar eine Erlaubnis der nigerianischen Behörden dafür bekommen. Die richtige Frage wäre in diesem Fall: Warum müssen Menschen in Nigeria, dem sechstgrößten Öl-Exporteur der Welt, auf diese Weise ihr Leben fristen?


Pieter Hugo: Sam, Klein Karoo, 2003

Übrigens gewann Pieter Hugo im Jahre 2006 den World Press Photo Award in der Kategorie Portraits. Auch diese Bilder sind auf seiner Website zu sehen. Zum Beispiel die berührenden Bildnisse der unter Albinismus leidenden Menschen, die sonst eine schwarze Hautfarbe hätten.

Pieter Hugo

Weiterempfehlen

Mehr lesen

Nick Brandt: Ostafrikas Tiere

8.11.2009, 2 KommentareNick Brandt:
Ostafrikas Tiere

Nick Brandts Fotos aus der Tierwelt Ostafrikas wirken unwahrscheinlich, sind aber ganz wirklich.

Besuch in Afrika: Natürliches Licht reicht nicht

17.3.2009, 2 KommentareBesuch in Afrika:
Natürliches Licht reicht nicht

Ein schönes Bild braucht mehr als natürliches Licht.

Zeitgenössische Fotokunst: Spot on Africa

5.2.2009, 0 KommentareZeitgenössische Fotokunst:
Spot on Africa

Bislang wenig beachtet in Europa - die zeitgenössische Fotografie Afrikas. In Stuttgart ist nun ein Kennenlernen möglich - "Spot on ... Africa".

Autofoto: Lack, Form und Licht

19.3.2010, 2 KommentareAutofoto:
Lack, Form und Licht

Bilder einer Ausstellung: Faszinierende Motive in schwierigen Lichtsituationen, zum Beispiel Autos in Schauräumen.

Gerda Taro: Die Fotografin als Kriegsheldin

12.2.2010, 0 KommentareGerda Taro:
Die Fotografin als Kriegsheldin

Gerda Taro war vielleicht die erste weibliche Kriegsreporterin und wurde zur Kriegsheldin. Lange stand sie im Schatten ihres Gefährten Robert Capa.

Lilian Bassman/Paul Himmel: Eine Fotografenehe

19.12.2009, 0 KommentareLilian Bassman/Paul Himmel:
Eine Fotografenehe

Lillian Bassman und Paul Himmel waren verbunden in 78 Jahren Ehe und der Leidenschaft zur Fotografie.

Kinderporträt in Schwarzweiß: Ungestellt und natürlich

16.3.2010, 2 KommentareKinderporträt in Schwarzweiß:
Ungestellt und natürlich

Die besten Porträts legen etwas Persönliches offen. Dazu braucht man weder eine teure Beleuchtungsausrüstung, noch ein Studio.

Kino-Portrait: Experimente wagen

11.3.2010, 2 KommentareKino-Portrait:
Experimente wagen

Für Porträtfotografie sind originelle Ideen wichtig. Technik und das Verständnis dafür helfen bei der Umsetzung.

Todd Hido: Trauriges Amerika

6.3.2010, 0 KommentareTodd Hido:
Trauriges Amerika

Wenn es Nacht wird in Amerika, drückt Todd Hido auf den Auslöser. Er zeigt traurige Vororte, menschenleere Straßen und einsame Porträts.

Diesen Artikel kommentieren

Wir sind sehr an einer offenen Diskussion interessiert, behalten uns aber vor, beleidigende Kommentare sowie solche, die offensichtlich zwecks Suchmaschinenoptimierung abgegeben werden, zu editieren oder zu löschen. Mehr dazu in unseren Kommentarregeln.