Fotografieren an den olympischen Spielen:
Hürden der Sportfotografen

Das Foto-Team von Newsweek bloggt über die Erfahrungen an den olympischen Spielen – mit unzähligen “anderen” Bildern und vielen Einblicken in den Job der Sportfotografen.

“Zu sehen, wie die Fotografen hunderte von ferngesteuerten Kameras in Serie einrichten, ist geradezu komisch. Die Fotografen stellen den Fokus jeder Kamera ein, nehmen letzte Detaileinstellungen an der Komposition zur vollständigen Perfektion vor – und irgendwann wird ein anderer Fotograf unweigerlich über eine der Installationsschienen stolpern, und zwei Dutzend Kameras müssen wieder neu eingestellt werden. Es ist vollkommen verrückt, glaubt mir… “

Newsweek-Fotograf Vincent Laforet und seine Kollegen Mike Powell und Donald Miralle schreiben eines der interessantesten Olympia-Fotoblogs, die derzeit zu verfolgen sind:

Die drei Profis plaudern aus dem Nähkästchen und geben viele Einblicke ins Leben eines Profifotografen, namentlich jener an Sportgrossanlässen. Der staunende Laie – wobei ich als Journalist ja ein bisschen Ahnung von der Arbeit der Pressefotografen zu haben glaubte – kriegt mit, welch nervenaufreibenden Rangeleien zwischen den “Pool”-Fotografen der Agenturen mit Sonderbehandlung und den Hunderten akkreditierter Zeitungsfotografen zu überstehen sind, wie schwierig es sein kann, in Peking in einem internationalen Hotel Pommes aufs Zimmer zu bestellen – vor allem aber erfahren wir viel über die Arbeitsweise der Profis und die Masse an Ausrüstung, die die drei mitschleppen.


So platzieren sich die drei Newsweek-Fotografen für das 100-Meter-Finale (Screnshot Newsweek-Blog)

Am Sonntag beispielsweise beleuchtet Vincent Laforet seine Installation für das 100-Meter-Finale der Herren und zeigt fünf Fotos, die während der weniger als zehn Sekunden von verschiedenen Standorten geschossen wurden (darunter eine bemerkenswerte Tilt/Shift-Aufnahme), die alle seinen Namen tragen: geschossen mit vorgängig installierten Kameras mit Fernauslösung.

“Die Fotografen richten mehr als eine ferngesteuerte Kamera ein, weil sie versuchen, enge Actionshots jeder einzelnen Bahn zu kriegen (und damit eine Aufnahme des Siegers zu garantieren). Die erste Phalanx von Kameras ist auf die Bahnen 7-9 ausgerichtet, die zweite auf die Bahnen 4-6 und die dritte auf die Bahnen 1-3. Man kann nie wissen, in welcher Bahn der Sieger läuft – bis es viel zu spät und das Rennen vorbei ist.”

Die Newsweek-Fotografen haben eindeutig einen anderen Ansatz als die Agentur- und Tageszeitungsfotografen. Sie versuchen, die Atmosphäre mit allerlei unerwarteten Bildern und viel Metainformation zu transportieren: Aufnahmen der Athleten schließen häufig den brodelnden Fotografenpulk mit ein und zeigen, welchem Stress ein Fotograf ausgesetzt sein muss, der dort mitten drin DAS Bild schießen soll, das sich von allen anderen abhebt. Ironischerweise scheint dem Newsweek-Team genau das zu gelingen, indem es sich häufig ein paar Schritte zurückzieht.

Bisweilen arbeiten sie aber auch “ganz konventionell”, eben mit einer eigenen Phalanx an ferngesteuerten Kameras und einer strategischen Platzierung aller drei Teammitglieder für das 100-Meter-Finale, das Laforet am Sonntag analysiert.

Für Fotointeressierte ist das Blog eine Fundgrube, weil es einen unterhaltsamen und zugleich informativen Mix aus Informationen über den Fotografen-Job, den Aufwand und die Technik bis hin zu einzelnen Bildkompositionen bietet – und natürlich eine Menge wunderbar anderer Bilder von den olympischen Spielen.

“Mehr als zehn Stunden Wartezeit für einen Anlass, der in weniger als zehn Sekunden vorbei ist”: Vincent Laforet über die fotografische Materialschlacht anlässlich des 100-Meter-Finals.

Visions of China: Fotoblog der Newsweek-Fotografen an den olympischen Spielen

[Via media-digest]

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