Licht und Farbe:
Ohne Aufbau gehts nicht

Auch wenn das Licht fantastisch ist, darf der Fotograf die Komposition eines Bildes nicht aus den Augen lassen.



Kommentar des Fotografen:

Regatta kurz vor dem Abbruch.

Profi Jan Zappner meint zum Bild von Marc Hauser:

Ich verstehe den Titel mal als Ironie – denn eine Regatta kann ich vielleicht unter der Lupe erkennen, aber nicht im Foto.

Egal. Das Licht ist fantastisch:

Durch den aufziehenden Sturm und das Licht von hinten werden die Kontraste sehr verstärkt, und die gesamte Stimmung ist plötzlich dramatisch. Als Ausgangssituation schon mal nicht schlecht – aber nicht ausreichend. Denn leider ist das Bild im Übrigen lieblos aufgebaut.

Es fehlt nämlich: EIN VORDERGRUND.

Nein, das Schiff ist kein Vordergrund. Auch der Streifen Strand nicht. Ein Vordergund soll dem Bild Tiefe verleihen. Also eine Dreidimensionalität, obwohl doch das Foto nur zweidimensional ist. Das gelingt nur durch unterschiedliche Größendarstellungen im Foto.

Ein Vordergrund hätte sein können: Ein Mensch, der spaziert; ein Gesicht, das in Richtung “Regatta” schaut; eine Hand, die Richtung Meer zeigt. Die Hauptsache dabei ist immer, dass der Rahmen, der durch das Format vorgegeben ist, sinnvoll ausgefüllt ist.

Deshalb müsste der Vordergrund auch entsprechend groß im Bild zu sehen sein. Um bei dem Beispiel mit der Hand (ist sehr einfach zu organisieren, geht auch mit der eigenen) zu bleiben: Diese Hand will ich dann richtig in das Bild hineinragen sehen, und zwar so groß, dass ein nicht unerheblicher Teil des Bildes verdeckt wird. Das ist aber egal. Sollte ein Mensch durchs Bild laufen, dann sollte dieser mindestens über die ganze Höhe des Bildes aufgeteilt sein.

Vielleicht einfach mal das mit dem Vordergrund üben. Ach ja, wenns wirklich um die Regatta ging, dann ein starkes Teleobjektiv verwenden, damit man die Schiffe auch erkennen kann…

In der Rubrik «Bildkritik» analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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6 Kommentare

  1. Fred
    schrieb am 16. September 2008 um 22:01 Uhr (#)

    hingeschnodderter kommentar. meiner meinung nach sieht das bild wesentlich besser ohne überdimensionierte hand aus…wie kann man so einen stuss zusammenschreiben!
    schönes foto!
    Grüße Fred

  2. Schreibt hier auf dem Blog Peter Sennhauser
    schrieb am 17. September 2008 um 01:30 Uhr (#)

    Da fehlt ein Doppelpunkt hinter den ersten beiden Wörtern Deines Kommentars, Fred. Aber die Selbsteinsicht ist bewundernswert: Dein Beitrag ist in der Tat hingeschnoddert und in dieser Art unerwünscht.

    Damit das klar ist: Wir pflegen hier einen gewissen minimal respektvollen Umgang, und der wird mit solchen Beschimpfungen unterboten.

    Trotzdem Danke für den Beitrag: Keiner ist unnütz, er kann immer noch als schlechtes Beispiel dienen.

  3. Marc Hauser
    schrieb am 17. September 2008 um 14:59 Uhr (#)

    Halb so wild, Peter und Fred.
    Das Bild lohnt keinen Streit.

    Kurz zur Entstehung des Fotos:
    Als Texter versuche ich jeweils, Bilder im Kopf entstehen zu lassen. Die abbruchreife Regatta spielt sich weit draussen im Meer ab. Diese Entfernung vom sicheren Land erschien mir die Dramatik zu erhöhen; ein Tele hätte den Effekt zerstört. An Ironie habe ich bei der Titelwahl nicht gedacht. Zumal ich schon einen herben Sturm auf offener See erleben durfte…

    Auf das Boot, das von rechts ins Bild kam, wartete ich eine ganze Weile. Gerade auch aus dem Grund, weil ich das Bild nicht einfach so hin schnoddern wollte. Das Schiff, mit Motorkraft auf direktem Weg zum sicheren Hafen, war bewusster Bild-Aufbau. Im Sinne von: Wer jetzt kein Hausboot hat, wird keins mehr bauen…

    Zum lieblosen Aufbau des Bildes:
    Hm, okay, an Liebe habe ich tatsächlich nicht gedacht.
    Die Stimmung war auch alles andere als lieblich zu dem Zeitpunkt. Die Leute hechteten in ihre Zelte, der Strand war leer. Meine Liebe gilt tatsächlich der Fotografie; schade dass ich das nicht zum Ausdruck bringen konnte in dem Motiv. Und das mit dem Vordergrund übe ich bei nächster Gelegenheit, bestimmt.

    Aus meiner Werbersicht spricht einiges dagegen, ein Bild so zu benennen, wie es aussieht. Also das auszudrücken, was ohnehin sichtbar ist. Weils wenig Spannung erzeugt.
    Vielleicht wäre das mal ein Thema wert: “Gehaltvolle Fototitel.”

    Vielleicht sieht man jetzt, dass Lieblosigkeit meine Sache hier nicht ist. Vermutlich zielt die Liebe nur in unbekannte Richtung – raus aufs Meer?

    Besten Dank für die Bewertung, Jan und Fred.
    Bei Peters Kommentar sehe ich eine Mutter vor mir, die ihr Kind schlägt. Mit dem Argument, man schlage nicht. Trotzdem, Respekt: Der mit dem falsch gesetzten Doppelpunkt hat zwar keine Liebe drin – dafür tüchtig Wortwitz.

    M. Hauser

  4. Schreibt hier auf dem Blog Peter Sennhauser
    schrieb am 18. September 2008 um 08:55 Uhr (#)

    Marc – Um Dein Bild (das mir persönlich sehr gefällt) geht es [edit: mir] hier nicht. Es geht darum, dass sich in der Bildkritik alle Beteiligten gehörig exponieren. Das Experiment kann nur gelingen, wenn dabei niemand – auch nicht die Kritiker! – riskieren muss, abgekanzelt zu werden.

    Hier erlaubt sich jemand (anonym), einen Kritiker in den Senkel zu stellen, der etwas riskiert hat – und dann das übliche nichtssagende “schönes foto!” hinzurotzen, das man durchaus als Lob empfinden kann, was aber eigentlich eine Gedanken- und Respektlosigkeit ist.

    [edit: Vielleicht bin ich eine Glucke, aber mir liegt sehr viel am Erfolg der Bildkritik als Gefäss.]

  5. Marc Hauser
    schrieb am 18. September 2008 um 09:15 Uhr (#)

    Schon klar.
    Wollte mir bloss die Wunde öffentlich lecken: Der “lieblose Aufbau” war ein harter Schlag. Mit einer gehörigen Portion fotografischer “Talentfreiheit” kann ich hingegen leben.

  6. Marc Hauser
    schrieb am 18. September 2008 um 09:16 Uhr (#)

    Ach was, ich versuchs einfach wieder. Und besser. Danke und Gruss, M. Hauser

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