Kontrastelemente:
Stimmung und Atmosphäre

Zwei sehr verschiedene, konträre Elemente in einen Kontext zu setzen, ist oft eine effektive Art, um einem Foto ein Gefühl von Stimmung und Atmosphäre zu geben.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Jan-Alexander Milz). - NIKON D50 - 1/13s - f/22 - ISO 200 - 18mm (27mm)

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Jan-Alexander Milz). - NIKON D50 - 1/13s - f/22 - ISO 200 - 18mm (27mm)

Kommentar des Fotografen:

Astragebäude in Hamburg, in neuem Quartier zwischen Reeperbahn und Landungsbrücken. Idee war, die etwas verlorene Stimmung zwischen diesen neuen Häusern einzufangen.

Profi Douglas Abuelo meint zum Bild von Jan-Alexander Milz:

Es ist immer wieder interessant zu sehen, wie verschiedene Leute ähnliche Szenen oder Objekte sehen, und wie sie abstrakte Konzepte oder Gefühle visuell interpretieren:

Eine der besten Seiten der Fotografie ist die theoretisch unendliche Anzahl von Möglichkeiten, zu fotografieren, was immer vor Deinem Objektiv auftaucht. Interessant ist auch, wie jede Interpretation oder jedes Verständnis des Objekts variiert, abhängig vom Fotografen – aber auch vom Betrachter.

Ohne die kleine Notiz, was Du mit dem Bild bbezweckt hast, hätte ich die visuelle Interpretation einer verlorenen Stimmung nicht verstanden.

Tatsächlich sendet dieses Foto keinerlei Botschaft. Es ist einfach nicht viel dran, und ich kann mich mit der Kombination des kalten, glatten Metall- und Glasgebäudes mit der verschwommenen, vorbeigehenden Person nicht anfreunden. Diese zwei Elemente gemeinsam addieren sich einfach nicht zu einem stimmigen Ganzen, und sie übermitteln keine wichtige oder interessante Botschaft.

Das größte Problem ist, dass das Gebäude zu sehr im Fokus des Rahmens liegt: Dadurch wird es zu positiv dargestellt. Es wirkt hier nicht bedrohlich, aufdringlich oder leblos, wie Du das beabsichtigt hast – oder auf eine neue oder interessante Weise abgebildet.

Das zweite Problem ist der vage sichtbare Mann im Vordergrund.. Diese Art von Blitz kann schöne Resultate hervorbringen, aber sie wirkt hier leider nicht besser als ein Amateurtrick ohne wirkliche Absicht.

Statt dessen hättest Du Dich von dem Gebäude weiter entfernen und einen weiteren Winkel der gesamten Szene wählen können, um Deinem Bild Kontext zu verleihen.

Du hättest auch die Größe, das kalte Metall und den Stahl des Gebäudes im Kontrast zu einem verhältnismäßig kleinen, winzigen Menschen abbilden können, der vorbeigeht – dazu wäre eine andere Perspektive nötig gewesen. Sogar ohne Menschen im Bild wäre eine weitwinkligere Aufnahme der verlassenen Umgebung effektiver gewesen, um eine verlorene Stimmung zu vermitteln.

Du hast Dir mit dieser Wahl allerdings auch eine sehr schwierige Aufgabe gestellt: Mit so wenigen Elementen eine starke Botschaft zu vermitteln, ist eine rare Kunst. Und hier hat es leider nicht geklappt.

In der Rubrik «Bildkritik» analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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