Nikon D700 im Test:
Das Nachtsichtgerät

Die Nikon-Vollformatkameras D3 und D700 haben eine enorme Sensor-Empfindlichkeit von bis zu ISO 25600. Was kann man damit nachts wohl sehen? Mehr als das Auge…

Mitternachtsdämmerung bei Neumond... Nikon D700 und Zeiss Planar T* 1,4/50 mm, 1:1,4, 1 s, ISO 6400 (Bild: W.D.Roth)

Auch wenn die Nikon D700 bei Tage mitunter etwas umständlich zu bedienen ist (mehr dazu hier später) – bei Nacht sind die wichtigen Einstellknöpfe – Belichtungszeit, Empfindlichkeit, Zeitauslöser – gut zu finden. Daß der Einschalter beim Hinausdrehen über die Ein-Position das für den Nachtbetrieb wegen geringer Helligkeit wesentlich besser als der Monitor geeignete LC-Display auf der Kameraoberseite für einige Sekunden aufleuchten läßt, kommt dabei der „Dunkelarbeit“ zugute – die Menüs auf dem Monitor sind dagegen nachts viel zu hell und blenden, wenn man sie nicht via Einstellungen verdunkelt und sich dazu eine eigene Nacht-Konfiguration speichert (was ich bei einer Mietkamera natürlich nicht mache).

Als der Mietservice Lensavenue, der uns schon beim Test der Canon 40D sehr hilfreich unterstützt hat, gerade einen Satz Nikon D700 frisch angeschafft hatte und eine davon noch nicht ausgeliehen war, konnte ich natürlich nicht widerstehen: Die mußte her! Was ist dran an der Wahnsinnsempfindlichkeit?

So sah der Himmel bei einem Abgleich auf Tageslicht aus - es ist reflektiertes Kunstlicht vom 10 km entfernten Landsberg/Lech. Die restlichen Aufnahmen wurden daher mit Weißabgleich auf Glühlampenlicht gemacht. Nikon D700 und Zeiss Planar T* 1,4/50 mm, 1:1,4, 1 s, ISO 25600. Für das Auge war es dagegen stockfinster - und grau. (Bild: W.D.Roth)

Der Blick auf den Mondkalender fand allerdings ungeschickterweise erst nach der Bestellung statt: hups, Monduntergang bereits 21.36 Uhr! Also kurz nach Ende der Dämmerung. Hm, und dabei wollte ich doch ausprobieren, ob man mit der Nikon D700 nun Mondlichtaufnahmen ohne Stativ machen kann!

Stattdessen war es absolut stockfinster, man sah die Hand vor den Augen nicht. Und der Himmel war auch noch leicht verhangen. Na so ein Mist! Da kann man ja nun wirklich nicht fotografieren.

Von wegen. Bei solchen Bedingungen leben die neuen Nikons erst auf.

Selbst bei einem Weißabgleich auf Glühlampenlicht war der Himmel noch gelblich... (Bild: W.D.Roth)

Nur ein Gelbstich störte an den Aufnahmen. Dem Auge blieb er verborgen, doch die rare Resthelligkeit stammte nun einmal von an der leichten Bewölkung reflektierte Kunstlicht!

Der reguläre Empfindlichkeitsbereich der Nikon D700 reicht von ISO 200 bis ISO 6400. Mit eingeschränkter Bildqualität kann man aber noch nach unten bis ISO 100 und nach oben bis ISO 25600 erweitern. Dann ist das Bild immer noch nicht schlechter als bei anderen DSLR bei ISO 1600 oder ISO 3200.

Nikon D700 und Zeiss Planar T* 1,4/50 mm, 1:1,4, 1 s, ISO 25600. (Bild: W.D.Roth)

Die Nikon D700 war imstande, die Erfahrung zu wiederholen, die ich einst mit einigen Sony-Kameras (Video und Foto) hatte, nämlich bei Nacht mehr sehen zu können als das Auge. Für das Auge war es nämlich bei all diesen Aufnahmen so dunkel, daß selbst am Himmel kaum etwas zu sehen war – und ich am Boden aufzupassen hatte, nicht in Schlaglöcher zu treten.

Die Live-View der Nikon D700 ist allerdings wenig leistungsfähig, sie zeigt schon in der Dämmerung oder bei Kneipenaufnahmen nur noch wenig; eine Lichtwerterweiterung, die zumindest ein Schwarzweiß-Monitorbild liefert, kennt sie nicht. Bei Nachtaufnahmen (und auch bei Infrarotaufnahmen, doch dazu ein andermal) ist sie daher nutzlos.

Hier war ein Auto in die Aufnahme gefahren und hatte das Objektiv überstrahlt.

Auch der Horizont ist deshalb auf einigen Bildern nicht gerade – ich war schon froh, nicht nur Himmel oder Boden zu treffen im Dunkeln. Um das zu vermeiden, hat die Nikon D700 bei Bedarf übrigens eine künstliche Horizontanzeige ähnlich der im Flugzeug, doch den Menüpunkt fand ich im Dunkeln nicht gleich.

Alle Fotos sind die Original-JPGs der Nkon D700, da das NEF-RAW-Format der D700 leider mal wieder „neu“ ist und deshalb noch von keiner Universal-RAW-Bearbeitungssoftware wie Adobe Camera Raw, Adobe Lightroom oder Silkypix erkannt wird. D3 und D300 wurden hier erst gerade nachgerüstet.

Die Original-Nikon-Software, die die 14-Bit-RAW-Dateien der D700-Software natürlich bereits verarbeiten kann, verschickt Lensavenue dagegen nicht mit den Kameras – in der durchaus sinnvollen Annahme, daß sich niemand für eine Kamera, die er nur für ein paar Tage ausleiht, extra Software auf den PC schaufeln wird.

Autorücklichter in der Ferne...auf den ersten Metern noch grünliche Lichtspuren einer etwa 100 m entfernten Quecksilberhochdruck-Straßenlaterne

Das Ortsschild reflektiert noch das grünliche Licht einer etwa 100 m entfernten Straßenlaterne.

Die erwähnte Straßenlaterne mit ihrem auf Fotos eher grünlichen Quecksilberdampf-Leuchtstofflicht, hier hinter Bäumen.

Durchfahrt eines Autos.

Dieser Waldweg, der hier wie in der Dämmerung erscheint, war im Original nicht einmal mehr zu erahnen.

Könnte eine Aufnahme bei Tage sein.

Entfernte Autodurchfahrt erleuchtet ungeplant den aufgebrochenen Asphalt im Vordergrund. Fokus lag auf Unendlich.

Entfernte Autodurchfahrt erleuchtet Wiese und Haus links etwas, ansonsten stockfinstere Nacht. Die Bäume sind (noch) nicht durch den Herbst verfärbt, sondern durch die Straßenbeleuchtung.

Dieselbe Szene ohne Autoscheinwerfer. Nikon D700 und Zeiss Planar T* 1,4/50 mm, 1:1,4, 1 s, ISO 25600. (Bild: W.D.Roth)

Auch hier erkennt man die Kreissegmente, die das Zeiss Planar T* 1,4/50 mm aus starken Lichtquellen (hier Positionslichter der Sendeantennen der Kurzwellensendestation Wertachtal) erzeugt. Nikon D700 und Zeiss Planar T* 1,4/50 mm, 1:1,4, 1/2 s, ISO 25600. (Bild: W.D.Roth)

Durch die Wolken scheinende Sterne. Wegen Abgleichs auf Glühlampenlicht bläulich im Kontrast zu den gelblichen Wolken.

Und schließlich die Frage: Kann man mit der Nikon D700 denn nun auch Nachtaufnahmen ohne Stativ machen? Ja, man kann, selbst in stockfinsterer Nacht:

Nikon D700 und Zeiss Planar T* 1,4/50 mm, 1:1,4, 1/20 s, ISO 25600. (Bild: W.D.Roth)

17 Antworten
  1. cracky says:

    Hi zusammen,
    hat denn schon einer eine vernünftige Umbauanleitung für IR Fotografie gefunden/gemacht bzw hat auch schon nützliche IR Bilder gemacht? Und dazu noch, ist der Umbau noch rückgängig zu machen (auf die Schnelle.. nicht wo man 1 Stunde braucht ^^ )

    MfG
    cracky

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  2. Karl says:

    Aber Hallo,

    [Edit: Rest gelöscht. Es gibt einen Unterschied zwischen Kritik und Beleidigung. Und es ist nicht einzusehen, weshalb wir uns beleidigen lassen sollten. PS]

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  3. Wolf-Dieter Roth says:

    @David: Also manches ist trivial, aber wirkungsvoll – so habe ich die Objektive dauernd kaum von der Kamera bekommen und die Schutzabdeckungen nicht von diesen, weil die Bajonette genau andersrum funktionieren wie bei Canon und Olympus und die Macht der Gewohnheit dann dazu führt, daß man ganz kräftig in die falsche Richtung dreht. Jetzt ist mir auch klar, warum Leute meist entweder Canon oder Nikon mögen :-))

    Mehr aber wohl erst nächste Woche und dann tiefergehend, bin ein paar Tage unterwegs.

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  4. David says:

    @Wolf-Dieter: Bin ja gespannt, was Dir an der Bedienung nicht gefallen hat. Von der Bedienung meiner D300 bin ich hellauf begeistert, speziell nach einem Umstieg von einer (kleineren) Canon-SLR.

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  5. thorsten says:

    Die Bilder jenseits von ISO6400 sind aber nur noch für dokumentarische Zwecke zu gebrauchen. Da rauscht das doch ziemlich stark. Auch der Banding Effekt bei starken punktuellen Lichtquellen bei hohen ISO Zahlen ist gut zu sehen. Aber sicher bis ISO6400 sicher sehr gut zu gebrauchen und eine Welt unterschied zu den DX Chip Formaten.

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  6. Wolf-Dieter Roth says:

    D-Lighting (allerdings passiv) habe ich später in der Kamera nachträglich gemacht, weil ich halt nichts anderes zur Verfügung hatte und ein paar Aufnahmen es brauchten. Aber dazu in weiteren Berichten.

    Über die Kamera, ihre Technik, ihren Preis und ihre Handhabung werde ich noch mehr schreiben, so 5-6 Beiträge sicher, ich habe nur sehr wenig Zeit momentan, das dauert alles ein paar Tage. Die Nachtaufnahmen, das war halt das erste, was ich gemacht habe – inzwischen auch noch ein zweiter Satz.

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  7. David says:

    Eine D700 ohne die Software auszuliefern ist fürs RAW-Fotografieren unglücklich, da einige Bildverbesserungen, die die Kamera bei JPEGs macht, nur mit der NIKON-Software auch auf RAWs angewendet werden können. Das betrifft meines Wissens die Korrektur chromatischer Aberrationen bei (einigen) Nikkor-Objektiven und das Active-D-Lighting. Es gibt wohl 30-Tage-Demos von Capture NX, das ist vielleicht ganz gut, wenn man eine Nikon leiht.

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  2. […] Licht Fotos machen, allerdings ist die Qualität dann dementsprechend bescheiden. Die Kollegen von fokussiert.com hatten eine Nikon D700, die ebenfalls derartige ISO-Zahlen leistet, vor zwei Jahren ausführlich […]

  3. […] 25600 80000 102400!! Wer braucht da noch ein Nachtsichtgerät? Wenn ich da an den Test der D700 bei Fokussiert denke, wo die schon mit ISO 25600 als ‘Das Nachtsichtgerät’ betitelt wurde… Wie […]

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