Nikon D700 im Test:
Das Nachtsichtgerät

Wolf-Dieter Roth, 9. September 2008 13:18 Uhr, 11 Kommentare Kommentare

Die Nikon-Vollformatkameras D3 und D700 haben eine enorme Sensor-Empfindlichkeit von bis zu ISO 25600. Was kann man damit nachts wohl sehen? Mehr als das Auge…

Auch wenn die Nikon D700 bei Tage mitunter etwas umständlich zu bedienen ist (mehr dazu hier später) – bei Nacht sind die wichtigen Einstellknöpfe – Belichtungszeit, Empfindlichkeit, Zeitauslöser – gut zu finden. Daß der Einschalter beim Hinausdrehen über die Ein-Position das für den Nachtbetrieb wegen geringer Helligkeit wesentlich besser als der Monitor geeignete LC-Display auf der Kameraoberseite für einige Sekunden aufleuchten läßt, kommt dabei der “Dunkelarbeit” zugute – die Menüs auf dem Monitor sind dagegen nachts viel zu hell und blenden, wenn man sie nicht via Einstellungen verdunkelt und sich dazu eine eigene Nacht-Konfiguration speichert (was ich bei einer Mietkamera natürlich nicht mache).

Als der Mietservice Lensavenue, der uns schon beim Test der Canon 40D sehr hilfreich unterstützt hat, gerade einen Satz Nikon D700 frisch angeschafft hatte und eine davon noch nicht ausgeliehen war, konnte ich natürlich nicht widerstehen: Die mußte her! Was ist dran an der Wahnsinnsempfindlichkeit?

Der Blick auf den Mondkalender fand allerdings ungeschickterweise erst nach der Bestellung statt: hups, Monduntergang bereits 21.36 Uhr! Also kurz nach Ende der Dämmerung. Hm, und dabei wollte ich doch ausprobieren, ob man mit der Nikon D700 nun Mondlichtaufnahmen ohne Stativ machen kann!

Stattdessen war es absolut stockfinster, man sah die Hand vor den Augen nicht. Und der Himmel war auch noch leicht verhangen. Na so ein Mist! Da kann man ja nun wirklich nicht fotografieren.

Von wegen. Bei solchen Bedingungen leben die neuen Nikons erst auf.

Nur ein Gelbstich störte an den Aufnahmen. Dem Auge blieb er verborgen, doch die rare Resthelligkeit stammte nun einmal von an der leichten Bewölkung reflektierte Kunstlicht!

Der reguläre Empfindlichkeitsbereich der Nikon D700 reicht von ISO 200 bis ISO 6400. Mit eingeschränkter Bildqualität kann man aber noch nach unten bis ISO 100 und nach oben bis ISO 25600 erweitern. Dann ist das Bild immer noch nicht schlechter als bei anderen DSLR bei ISO 1600 oder ISO 3200.

Die Nikon D700 war imstande, die Erfahrung zu wiederholen, die ich einst mit einigen Sony-Kameras (Video und Foto) hatte, nämlich bei Nacht mehr sehen zu können als das Auge. Für das Auge war es nämlich bei all diesen Aufnahmen so dunkel, daß selbst am Himmel kaum etwas zu sehen war – und ich am Boden aufzupassen hatte, nicht in Schlaglöcher zu treten.

Die Live-View der Nikon D700 ist allerdings wenig leistungsfähig, sie zeigt schon in der Dämmerung oder bei Kneipenaufnahmen nur noch wenig; eine Lichtwerterweiterung, die zumindest ein Schwarzweiß-Monitorbild liefert, kennt sie nicht. Bei Nachtaufnahmen (und auch bei Infrarotaufnahmen, doch dazu ein andermal) ist sie daher nutzlos.

Auch der Horizont ist deshalb auf einigen Bildern nicht gerade – ich war schon froh, nicht nur Himmel oder Boden zu treffen im Dunkeln. Um das zu vermeiden, hat die Nikon D700 bei Bedarf übrigens eine künstliche Horizontanzeige ähnlich der im Flugzeug, doch den Menüpunkt fand ich im Dunkeln nicht gleich.

Alle Fotos sind die Original-JPGs der Nkon D700, da das NEF-RAW-Format der D700 leider mal wieder “neu” ist und deshalb noch von keiner Universal-RAW-Bearbeitungssoftware wie Adobe Camera Raw, Adobe Lightroom oder Silkypix erkannt wird. D3 und D300 wurden hier erst gerade nachgerüstet.

Die Original-Nikon-Software, die die 14-Bit-RAW-Dateien der D700-Software natürlich bereits verarbeiten kann, verschickt Lensavenue dagegen nicht mit den Kameras – in der durchaus sinnvollen Annahme, daß sich niemand für eine Kamera, die er nur für ein paar Tage ausleiht, extra Software auf den PC schaufeln wird.


Und schließlich die Frage: Kann man mit der Nikon D700 denn nun auch Nachtaufnahmen ohne Stativ machen? Ja, man kann, selbst in stockfinsterer Nacht:


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11 Kommentare

  1. David
    schrieb am 10. September 2008 um 14:19 Uhr (#)

    Eine D700 ohne die Software auszuliefern ist fürs RAW-Fotografieren unglücklich, da einige Bildverbesserungen, die die Kamera bei JPEGs macht, nur mit der NIKON-Software auch auf RAWs angewendet werden können. Das betrifft meines Wissens die Korrektur chromatischer Aberrationen bei (einigen) Nikkor-Objektiven und das Active-D-Lighting. Es gibt wohl 30-Tage-Demos von Capture NX, das ist vielleicht ganz gut, wenn man eine Nikon leiht.

  2. Brenrhad
    schrieb am 10. September 2008 um 15:12 Uhr (#)

    Wow, ich bin schwer beeindruckt. Als Fotolaie sitze ich und staune…

    Was kostet die D700 – ach ich google selber.

  3. Schreibt hier auf dem Blog Wolf-Dieter Roth
    schrieb am 10. September 2008 um 20:17 Uhr (#)

    D-Lighting (allerdings passiv) habe ich später in der Kamera nachträglich gemacht, weil ich halt nichts anderes zur Verfügung hatte und ein paar Aufnahmen es brauchten. Aber dazu in weiteren Berichten.

    Über die Kamera, ihre Technik, ihren Preis und ihre Handhabung werde ich noch mehr schreiben, so 5-6 Beiträge sicher, ich habe nur sehr wenig Zeit momentan, das dauert alles ein paar Tage. Die Nachtaufnahmen, das war halt das erste, was ich gemacht habe – inzwischen auch noch ein zweiter Satz.

  4. thorsten
    schrieb am 10. September 2008 um 22:30 Uhr (#)

    Die Bilder jenseits von ISO6400 sind aber nur noch für dokumentarische Zwecke zu gebrauchen. Da rauscht das doch ziemlich stark. Auch der Banding Effekt bei starken punktuellen Lichtquellen bei hohen ISO Zahlen ist gut zu sehen. Aber sicher bis ISO6400 sicher sehr gut zu gebrauchen und eine Welt unterschied zu den DX Chip Formaten.

  5. David
    schrieb am 11. September 2008 um 00:14 Uhr (#)

    @Wolf-Dieter: Bin ja gespannt, was Dir an der Bedienung nicht gefallen hat. Von der Bedienung meiner D300 bin ich hellauf begeistert, speziell nach einem Umstieg von einer (kleineren) Canon-SLR.

  6. Schreibt hier auf dem Blog Wolf-Dieter Roth
    schrieb am 11. September 2008 um 08:08 Uhr (#)

    @David: Also manches ist trivial, aber wirkungsvoll – so habe ich die Objektive dauernd kaum von der Kamera bekommen und die Schutzabdeckungen nicht von diesen, weil die Bajonette genau andersrum funktionieren wie bei Canon und Olympus und die Macht der Gewohnheit dann dazu führt, daß man ganz kräftig in die falsche Richtung dreht. Jetzt ist mir auch klar, warum Leute meist entweder Canon oder Nikon mögen :-))

    Mehr aber wohl erst nächste Woche und dann tiefergehend, bin ein paar Tage unterwegs.

  7. David
    schrieb am 11. September 2008 um 09:49 Uhr (#)

    @Wolf-Dieter: Das ging mir anfangs auch so, ist aber natürlich nichts, was man der Kamera vorwerfen kann.

  8. Schreibt hier auf dem Blog Peter Sennhauser
    schrieb am 11. September 2008 um 10:05 Uhr (#)

    Nuja, die Highend-Nikons sind aber auch verwirrlich für Olympus-Benutzer… man kann da soviel einstellen… ;-)

  9. Schreibt hier auf dem Blog Wolf-Dieter Roth
    schrieb am 11. September 2008 um 21:19 Uhr (#)

    @Peter: Du hast wohl noch nie eine richtige Olympus-Kamera gehabt, nur die Einsteigermodelle…

  10. Karl
    schrieb am 26. September 2008 um 22:31 Uhr (#)

    Aber Hallo,

    [Edit: Rest gelöscht. Es gibt einen Unterschied zwischen Kritik und Beleidigung. Und es ist nicht einzusehen, weshalb wir uns beleidigen lassen sollten. PS]

  11. cracky
    schrieb am 11. April 2009 um 15:12 Uhr (#)

    Hi zusammen,
    hat denn schon einer eine vernünftige Umbauanleitung für IR Fotografie gefunden/gemacht bzw hat auch schon nützliche IR Bilder gemacht? Und dazu noch, ist der Umbau noch rückgängig zu machen (auf die Schnelle.. nicht wo man 1 Stunde braucht ^^ )

    MfG
    cracky

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