S/W-Blume:
Nachbearbeiten

Erfolgreiche Fotografen visualisieren stets das Endergebnis ihrer Arbeit, das heisst, sie stellen sich das Foto vor, das später in der Dunkelkammer oder am Computer entstehen wird, anstatt der Szene, wie sie sich vor der Kamera befunden hat.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Sebastian Müller). Canon EOS 400D - 1/500s - f/8 - ISO 1600 - 55mm

Kommentar des Fotografen:

Dieses Bild ist eines meiner ersten Bilder, die ich mit einer ordentlichen Kamera (EOS 400D) gemacht habe. Es entstand in meinem Garten und zeigt eine Biene, die über einer Blüte fliegt. Zur Belichtung ist zu sagen, es war ein heller sonniger Tag mit leichten Wolken. Ich habe versucht mit dem goldenen Schnitt zu arbeiten.

Profi Douglas Abuelo meint zum Bild von Sebastian Müller:

Die Nachbearbeitung spielt in der Fotografie eine größere Rolle, als viele Amateure wahrhaben wollen. Kameras sind Werkzeuge, mit denen Szenen festgehalten werden, aber für die meisten Fotografen spielen die nächsten Schritte – sei es die Entwicklung des Films, das Scannen des Fotos oder die Bildbearbeitung am Computer – eine fast so große Rolle wie die Komposition der Szene und das Drücken des Auslösers.

Natürlich bedeutet das nicht, dass das Originalbild nicht so gut komponiert und belichtet sein sollte wie möglich. Bei richtiger Handhabe wird dieser erste Schritt bessere Resultate erzielen und Dir viel Mühe bei der Nachbearbeitung ersparen.

Obwohl es nichts bahnbrechendes oder dramatisches an diesem Foto gibt, hat der Fotograf eine ansprechende Komposition dieser stillen Szene kreiert, indem er die Blüte in der unteren rechte Bildecke des Goldenen Schnitts platziert hat.

Nachbearbeitetes Blumenbild (Sebastian Müller)

Dies ist an sich nicht schlecht. Aber wenn wir uns nun das Beispiel ansehen, dann bemerken wir, was für einen himmelweiten Unterschied eine Nachbearbeitung machen kann.

Das größte Problem hier war, dass es zu viel Kontrast zwischen der reinweißen Blüte und den dunklen Blättern gibt, als dass die Kamera alles perfekt belichten könnte. Dies hat dazu geführt, dass die weißen Blütenblätter überbelichtet sind, und die korrekt belichteten Pflanzen im Hintergrund in einem langweiligen Grau erscheinen.

HDR wäre hier ein Option gewesen, aber weil in solchen Situationen der Wind irgendetwas unvorhersehbar bewegen wird, vielleicht nicht die beste Wahl.

Sehen wir uns das Beispiel an, so können wir sehen, was für einen Unterschied ein paar Minuten Nachbearbeitung machen können. Dies kann in der traditionellen Dunkelkammer geschehen oder am Computer. Nun gibt es an den hellsten Stellen Details zu sehen, und die Pflanzenteile wurden verdunkelt, was das Bild viel dramatischer macht.

So kann die Blüte von den Pflanzenteilen auseinander gehalten werden, das Foto erhält mehr Tiefe.

In der Rubrik «Bildkritik» analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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1 Antwort

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  1. […] großen Vorteil, ebenso die mögliche > Ausbreitung von genveränderten Pflanzen zu unterbinden. Und dazu habe > man sie eigentlich geschaffen (nur dass vor • • • […]

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