In der Wiese:
Das letzte Quäntchen

Douglas Abuelo, 12. September 2008 10:03 Uhr, 1 Kommentar Kommentare

Wenn Du Dir die Mühe machst, schöne Fotos zu planen und aufzunehmen, geh noch einen Schritt weiter und versuche, der Perfektion so nahe wie möglich zu kommen.

Kommentar des Fotografen:

Das Foto entstand mit einem entfesselten Canon Speedlight 580 II und kleiner Softbox bei bewölktem Abendhimmel.

Profi Douglas Abuelo meint zum Bild von Robert Kneschke:

In gewisser Weise ist dies ein schönes, visuell ansprechendes Foto. Es hat interessante, wenn auch etwas unrealistische Farben, zeigt eine attraktive Frau in völliger Entspannung und bildet einen Moment ab, zu dem wahrscheinlich die meisten von uns einen Bezug herstellen können.

Der Fotograf hat mit Hilfe dieser Elemente, der Komposition und der Beleuchtung, eine sehr intensive, beruhigende, frische Atmosphäre mit einer guten Note Freiheit geschaffen.

Darum muss ich fragen:

Warum sich all die Mühe machen, wenn man dann nicht nach Perfektion strebt?

Ein sehr großer und leicht gemachter Schritt in Richtung Perfektion wäre gewesen, die Grashalme, die das Gesicht der Frau verdecken und die, die über ihrem Kopf hängen und scheinen, als wollen sie ihren Hals berühren, zu entfernen. Es ist mir nicht ganz klar, wie Du die Halme nicht bemerken konntest. Wenn nicht bei der Aufnahme, dann hättest Du es spätestens hinterher am Computer sehen müssen. Du hättest sie hier oder dort entfernen können.

Ein zweites, wenn auch weniger schwerwiegendes Problem, ist das weiße T-Shirt, das überbelichtet ist. Weiße und schwarze Kleidung ist oft problematisch, wenn man Porträts macht. Weiß ist schnell über-, schwarz schnell unterbelichtet. Natürlich kann weiße oder schwarze Kleidung unter den richtigen Lichtverhältnissen und abhängig vom Teint des Modells auch vorteilhaft genutzt werden. Aber in vielen Fällen ist es gut, beide Farben zugunsten weniger kontrastreicher Kleidung zu vermeiden.

In diesem Fall können beide erwähnten Probleme immer noch in der digitalen Dunkelkammer behoben oder minimiert werden. Aber normalerweise sollte man, bevor man seine Fotos anderen Leuten zeigt oder sie gar bei Agenturen, Wettbewerben oder Publikationen einreicht, so perfekt wie möglich machen.

In der Rubrik «Bildkritik» analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.

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1 Kommentar

  1. R. Kneschke
    schrieb am 12. September 2008 um 15:33 Uhr (#)

    Danke für die Bildkritik.

    Eine kleine Anmerkung von mir: Das weiße T-Shirt hatten wir gewählt, da es das “Wellness”-Thema gut verkörpert. Mit der Tonwertkorrektur in Photoshop kann man auch sehen, dass selbst das weiße T-Shirt nicht ausgefressen ist, sondern noch Zeichnung besitzt – wenn auch nur ganz wenig.

    Die Gräser sind in der Tat Geschmackssache. Ich finde, sie tragen zur Tiefenwirkung bei. Hätte mir jemand vor der Aufnahme den Tipp gegeben, hätte ich sie jedoch auch entfernt. Eine nachträgliche Entfernung via Photoshop schien mir nicht sinnvoll, da es da wirklich schwer ist, bei einer 100%-Ansicht keine Retuschestellen zu erkennen.

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