Getty-Stipendien:
Fotografie mit Engagement

Unbedingt einen Blick wert – die diesjährigen Gewinner der Getty Images-Stipendien für redaktionelle Fotografie: Lynsey Addario, David Gillanders und Eugene Richards.

Die Arbeiten der Gewinner 2008 wurden unter 153 Bewerbern aus 26 Ländern ausgewählt. Lynsey Addario, David Gillanders und Eugene Richards erhalten eine finanzielle Unterstützung von jeweils 20.000 US-Dollar. Dazu unterstützen sie Fotoredakteure von Getty Images intensiv bei der Verwirklichung ihrer Projekte politisch und sozial engagierter Fotografie. Über die Zusammenarbeit von Getty, einer der führenden Bildagenturen der Welt, mit Flickr, hatte fokussiert.com kürzlich berichtet.

Die Amerikanerin Lynsey Addario dokumentiert mit ihrem Projekt “Darfur” den seit Anfang 2003 schwelenden Konflikt im westlichen Sudan – einen vergessenen Krieg. Schätzungsweise 200.000 Menschen kamen dort bei gewalttätigen Auseinandersetzungen, durch Krankheiten oder Hunger ums Leben. Rund 2,5 Millionen Menschen sind auf der Flucht.

2004 fotografierte die in Istanbul lebende Addario erstmals die Lage in dem Krisengebiet. Seitdem reiste sie immer wieder in die Region, um für mindestens vier Wochen im Jahr die Geschehnisse fotografisch festzuhalten. “Für mich als Fotojournalistin ist es fast unmöglich, den Konflikt in Darfur zu ignorieren. Dieser Krieg gehört zu den schlimmsten ethnischen Säuberungen und schwersten humanitären Krisen unserer Zeit”, so ihr Kommentar.

Lynsey Addario beabsichtigt, das Stipendium für die Umsetzung weiterer Reportagen aus Darfur zu verwenden. Geplant ist auch eine Reise in die Flüchtlingslager im benachbarten Tschad.

David Gillanders Projekt “Glasgow” dokumentiert die große Zahl an Messerattacken, die in der schottischen Hauptstadt Glasgow als Erbe der schottischen Clan-Kultur begangen werden. Deshalb gilt die größte Stadt Schottlands als die “Hauptstadt der Morde” in Europa. David Gillanders schreibt dazu:

“Da ich selbst in Glasgow aufgewachsen bin, war es mir ein Anliegen, auf dieses Phänomen aufmerksam zu machen. Die Messerattacken werfen ein extrem schlechtes Licht auf meine Heimatstadt und zerstören das Leben vieler Menschen. Barbarische Gewaltverbrechen sind heute so alltäglich, dass man sie als Bestandteil des Lebens akzeptiert.”

Im Rahmen des Projektes, das nun mit Hilfe des Stipendiums finanziert werden kann, wird sich Gillanders noch eingehender mit dem Leben der Familien beschäftigen, die in diese “Messerkultur” verstrickt sind. Gillanders möchte damit ein eindrucksvolles Bild des schottischen Clan-Systems zeichnen und freut sich darüber, “dass mir das Stipendium nun den finanziellen Rahmen verschafft, dieses Projekt ohne Unterbrechung abzuschließen”.

Magnum-Fotograf Eugene Richards begann seine Arbeit an dem Projekt “Der Krieg ist persönlich” im Jahr 2006. Im Rahmen einer Foto- und Textserie bildet er das Leben der Menschen in den USA ab, die weit reichend vom Irakkrieg betroffen sind. Richards wird die Stipendiengelder und die persönliche Unterstützung durch Getty Images einsetzen, um das Projekt in den nächsten Monaten weiterzuführen. “Acht Foto-Essays sind bereits fertig”, so Richards: “Mit Hilfe des Stipendiums für redaktionelle Fotografie kann ich zumindest sieben weitere Foto-Essays fertig stellen.”Am Ende sollen ein Buch und ein Multimedia-Beitrag erscheinen. Eugene Richards lebt als Fotojournalist, Autor und Filmemacher in New York.

Die Arbeiten der Stipendiaten, ihre Projekte und ihre Gedanken dazu sind auf der Website von Getty Images anzusehen. Mit Lorena Ros und Ian Martin sind zwei weitere Gewinner des Jahres 2008 aufgeführt, die ihre Stipendien bereits im Frühjahr erhalten haben. Getty Images vergibt die Stipendien für Fotojournalisten 2008 nun im vierten Jahr – jeweils fünf jährlich. So sind auf der Webseite auch die Preisträger der vergangenen Jahre aufgeführt – durchweg sozial und politisch engagierte Fotografie und Fotojournalismus.

Getty Images – Stipendiaten seit 2005

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2 Kommentare

  1. CorinneZS
    schrieb am 16. März 2011 um 22:08 Uhr (#)

    Die Fotografin Lynsey Addario wird seit gestern in Libyen vermisst, wo sie zusammen mit drei Kollegen für die New York Times arbeitete. Berichten zufolge seien die Journalisten vom libyschen Militär in Ajdabya aufgegriffen worden; die Behörden sagen bisher, sie wüssten nichts über ihren Aufenthalt.

    Die Fotos der vielfach preisgekrönten Addario (2009: Pulzier Preis) können unter http://www.lynseyaddario.com bewundert werden. (@Peter: Darunter findet sich auch das Porträt einer afghanischen Frau ohne Nase; die scheints dort echt überall zu haben.)

  2. CorinneZS
    schrieb am 21. März 2011 um 16:52 Uhr (#)

    Sechs Tage nach der schlechten Nachricht kommt nun die gute: Addario und ihre Journalisten-Kollegen wurden von den libyschen Behörden frei gelassen und von türkischen Diplomaten nach Tunesien begleitet, was soviel wie Freiheit und Sicherheit bedeutet. Glück gehabt.

    PS: Addario hat natürlich nicht den Pulzierpreis gewonnen (siehe oberen Kommentar) sondern den Pulitzer-Preis, was nun wirklich nicht dasselbe ist. Mein Fehler – meine Augen-Hirn-Koordination ist mal wieder nicht die beste; man möge mir verzeihen.

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