Canon 5D Mark II:
Video auch für Profis

Canon übernimmt mit der Profi-DSLR 5D Mark II zwei der aktuellen Nikon-Trümpfe. Die 5D Mark II hat aus allen Welten das Beste – eine extreme Empfindlichkeit, Vollformat, hohe Auflösung und – was im Profibereich bislang undenkbar war – Videoaufzeichnung in Full HD.

Canon EOS 5D Mark II mit EF24mm (Bild: Canon)

Gerade erst hatte Nikon die Wahnsinns-Empfindlichkeit von ISO 25600 bei D3 und D700 präsentiert – und mit der D90 die erste digitale Spiegelreflexkamera mit einem bis dato nicht nur verpönten, sondern technisch bei DSLRs zuvor auch gar nicht möglichen Video-Modus.

Die Canon 5D MarkII will nun sogar mehr sein als eine Videokamera: Da sie mit einem Vollformatsensor von 24 x 36 mm das volle 35-mm-Kleinbildformat abbildet, ergibt sich bei Videoaufnahmen auch die Optik einer 35-mm-Filmkamera mit ihrer geringen Tiefenschärfe und den sonst nur von Fotos bekannten freigestellten Köpfen bei Portraiteinstellungen.

EOS 5D Mark II Der Grund für den Verzicht auf Video bei bisherigen DSLR ist übrigens nicht der Spiegel – der kann ja weggeklappt werden – sondern der Bildsensor. Der war nicht wie bei Kompaktkameras in „Echtzeit“ (also Videofrequenz 25/30 Hz) auslesbar, sondern maximal einmal bis fünfmal die Sekunde. Erst Olympus brachte mit der E-330 und Live View einen „Live MOS“-Sensor, der Video gekonnt hätte – und so eine flüssige Monitorvorschau erlaubte.

An Videoaufnahmen dachte bei Olympus allerdings niemand. Auch bei Kompaktkameras war das anfangs eine Spielerei. Doch die Videos entwickelten sich von Briefmarken mit Muffelton zu HD-Videos – schon Kompaktkameras wie die Panasonic Lumix L2 haben hier mittlerweile einiges zu bieten, sind aber noch kein Ersatz für eine Videokamera.

EOS 5D Mark II Dazu kommt auch eine 35-mm-Kinofilm entsprechende Auflösung von 1920 x 1080 Pixeln – also „Full HD“. Wohlgemerkt, im H.264-Video-Mode mit bis zu 30 Bildern pro Sekunde, 16:9 und bis zu 30 Minuten Aufnahmezeit pro Take.

Als Fotoapparat hat die Canon 5D Mark II dagegen noch ganz andere Auflösungen zu bieten, nämlich über 21 Megapixel (5616 x 3744, 3:2). Die sind aber nicht von schlechten Eltern, denn sie erlauben wie bei den momentanen Nikon-Spitzengeräten einen regulären Empfindlichkeitsbereich bis 6400 und einen erweiterten ISO-Bereich bis 25600.

Auch als Fotoapparat wird die Canon 5D Mark II nicht langsam: Bis zu 3,9 Bildern pro Sekunde und Bildfolgen von bis zu 310 JPGs können aufgenommen und abgespeichert werden.

Wie bei der 50D ist der Bildsensor bzw. Tiefpaßfilter nun fluorbeschichtet – wie auch immer man einen Sensor mit einem aggressiven Gas „beschichtet“ , der 3,0 Zoll große LCD-Monitor bietet VGA-Auflösung mit zirka 920.000 Bildpunkten, einen 170 Grad weiten Betrachtungswinkel und eine Reflektionen mindernde Beschichtung („Clear View“ heißt hier nicht wie beim Notebook eine Spiegeloberfläche!).

EOS 5D Mark II w EF 24-105mm TOPAnhand detaillierter Informationen, die durch das verwendete EF-Objektiv übertragen werden, ist nun auch eine automatische Korrektur der Vignettierung (allerdings nicht der Bildverzerrungen!) bei vielen Canon-EF-Objektiven möglich.

Und auch die bei der 50D von Insidern erwarteten neuen Zubehörteile gibt es nun zur 5D MarkII: Der neue Batteriegriff BG-E6 bietet Hochformat-Bedienelemente und fasst zwei der ebenso neuen Hochleistungs-Li-Ionen-Akkus LP-E6 mit 1800 mAh.

Ein – wer hätte das gedacht – neuer Wireless File Transmitter WFT-E4 ermöglicht die Bilddatenübertragung direkt auf PC oder FTP-Server sowie die kabellose Fernsteuerung der Kamera. Er bietet zudem die Unterstützung von externen Festplatten und – anders als die Nikons beherrscht die Canon das offenbar noch immer nicht direkt – von GPS-Geräten.

Auch der WFT-E4 bietet wie der Battergriff einen Auslöser und andere wichtige Bedienelemente für Aufnahmen im Hochformat – das erleichtert die Portraitfotografie und die Benutzung langer Brennweiten. Außerdem stehen drei verschiedene Wechselmattscheiben vom Typ Eg für die EOS 5D Mark II zur Verfügung. Was wiederum in Nikon-Kreisen immer wieder für Neidattacken sorgt.

Und was kostet dieses Wundergerät nun? 25.000 Euro? Nein, 2500 Euro. Nur Gehäuse, kein Objektiv. Lieferbar ist die Canon 5D Mark II ab Ende November 2008.

20 Antworten
  1. Baum says:

    Ich kann die „Nörgelei“ der Fotographen ja verstehen, aber für mich als Filmstudent ist es eine echte Möglichkeit eine private Kamera zu besitzen, mit der akzeptable Videos gemacht werden koennen.
    Im Bezug auf das Preis/Leistungsverhältnis gibt es aktuell in dieser Kategorie nichts Vergleichbares um auf „35mm“ zu drehen.

    „Beeindruckend finde ich vor allem auch die Liste der verwandten Objektive und die restliche Perfektion des Filmchens. Das ist bestimmt nicht an einem Nachmittag entstanden…“ da hast du wohl recht, meiner Meinung nach liegt der Aufwand dieses Filmchen jedoch weit unter dem Durchschnitt.

    – B

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  2. RESIGN, Rene says:

    Gibts es schon infos betreffend einem Nachfolger dieser Kamera die bekannte optimierungpotenziale wie fps25 oder 30 auswählen, etc. ausmerzt? oder kann man auch im august2009 noch getrost dieses modell kaufen?

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  3. Claas says:

    Bei der 5D Mark2 sind einige Funktionen wie auch der Autofokus, Belichtungsreihen u.s.w. beschnitten um die Position der D1 nicht zu gefärden. Wer gibt schon das 3fache aus, wenn er das Sorglospaket in einem kleineren Modell haben kann ;-)

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  4. Peter Sennhauser says:

    @threerivers: Technisch gesehen hast Du mit dem geschwindigkeitsargument selbstredend recht – aber „Aufnahmen pro Sekunde“ lässt sich für den Fotografen im Alltag ja nicht einfach beliebig in Megapixel aufteilen.

    Warum Du auf den Spiegel verzichten möchtest, kann ich nicht ganz nachvollziehen, auch wenn ich inzwischen ein paar Leute kennen, die Live View dem Sucher vorziehen – ich kann am Bildschirm weder scharfstellen (was mir im Sucher schon schwer genug fällt) noch komponieren. Vor allem letzteres ist mit an den Kopf gepresster Kamera (Stabilität ist hier auch ein Faktor!) und minimalen Bewegungen ohne Verzögerung einfach etwas ganz anderes als der Monitor.

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  5. threerivers says:

    Wer bei 21 Mpix und 3,9 Bildern/s von langsam spricht, der sollte erst nachrechnen und dann vergleichen. Mit der D700 vergleichend, kann man feststellen, dass die sich im gleichen Feld bewegt.
    Es ist überhaupt erstaunlich, wie oft man bei Postings auf „Argumente“ stösst, die nicht durchdacht sind.
    Natürlich scheint auch mir die 5D MK2 mit heisser Nadel gestrickt worden zu sein, was auch die Verzögerungen beim Verkaufstart erklären könnte und dennoch ist sie ein Meilenstein. Wenn jetzt endlich noch der Spiegel endgültig fallen würde und ein lichtgeschütztes, hochauflösendes Display den Sucher ersetzt wäre das (für mich) die richtige und überfällige Umsetzung vorhandener Technik. Kommen wird’s und so kann es nur heissen: „Je früher desto besser!“ Dass so ein Gerät nicht alle Wünsche der unterschiedlichsten Käufer erfüllt, damit müssen wir leben.
    Es wird aber mit dieser Generation aber mehr und mehr evident, dass auf dem Gebiet der Optik durchaus noch viel mehr getan werden muss. Auch ist die Frage zu klären, ob die derzeitigen Objektive dann auch an den „Spiegellosen“ noch problemlos passen.

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  6. Peter Sennhauser says:

    Beeindruckend finde ich vor allem auch die Liste der verwandten Objektive und die restliche Perfektion des Filmchens. Das ist bestimmt nicht an einem Nachmittag entstanden…

    Ich hab mir mal testweise eine kleine Pocket-HD-Cam gekauft (Amazon nimmt in den USA glücklicherweise jeden Kauf fraglos binnen 30 Tagen zurück) und hier in San Francisco ein paar Schwenks und Zooms in den Strassen unternommen. Resultat eines Tages Arbeit: Ein recht ansprechender Touri-Film – von 10 Sekunden Länge.

    Bewegtbild ist ein völlig anderes Medium als Fotografie, und ich habe augenblicklich beschlossen, zunächst zu versuchen, ein guter Fotograf zu werden.

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  7. Erik M says:

    ja, ich sollte vielleicht präzisieren, dass ich eine canon-ausrüstung habe und daher „etwas“ an diesen hersteller gebunden bin. Deshalb schiele ich teilw. etwas neidisch zu anderen kamera-herstellern. etwa auf den zusatzgriff der d700, welche die kamera schneller macht, für den, der es will oder braucht. es gibt dutzende andere beispiele.
    Bestimmt hat die 5D II auch sehr schöne neuerungen. dennoch nervt es, dass man als fotograf sich dinge schon jahrelang wünscht – und zwar nicht nur ich, sondern eine sehr grosse schar, die canon einfach nicht umsetzt (Taste für Spiegelvorauslösung zb), dafür bekommt man video…
    Und dann nervt es doch etwas, dass man – mal zumindest auf dem papier – für eine 3x mal teurere kamera den schlechteren autofokus bekommt, als vor 12 jahren (eos 3). das kann doch wohl nicht sein. und wenn ihr in foren schaut, ist dieser protest wirklich nicht nur einstimmig von mir.

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  8. Wolf-Dieter Roth says:

    Ich kann nur sagen, im Kamerabau scheint das „Marketing“ trotz allem auch etwas zu bewirken. Lange haben uns ja alle Kamerahersteller erzählt, „kein richtiger Fotograf“ wolle ein Vorschaubild auf dem Monitor einer DSLR. Dann kam Olympus und hatte Live View. Nun haben es alle, wenn auch teils mau umgesetzt (inklusive Olympus!). Daß das „keiner will“, erzählt nun niemand mehr.

    Ebenso hätte vor einem Jahr niemand gesagt, ISO 25600 würde jemand brauchen oder Video in einer DSLR. Es war aber immer anders: Die Technik konnte es nicht und warum etwas Neues entwickeln, wenn das alte sich auch verkauft?

    Ich mache mir nur Sorgen, daß es jetzt zu hektisch wird mit den dauernden Modellwechseln. Da sollten die lieber ein paar neue Kameras weniger auf den Markt werfen und da dann dafür dann alles auch zu Ende denken.

    Schnelleren Autofokus? Da wäe mir wichtig: Schneller und exakter Autofokus bei Live View. Das macht nun aktuell grad wieder gar keiner mehr, auch Olympus nicht. Durch den Sucher habe ichs dagegen selten eilig und sehe auch gut genug, wann und wo scharf ist.

    Insofern wehre ich mich gegen Pauschalforderungen „Fotografen wollen sowas“ – oder „Kein anständiger Fotograf will sowas“. So einheitlich sind die Prioritäten nicht, auch wenn sich niemand über hohe Empfindlichkeiten oder schnelle Bildfolgen beschweren wird…

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  9. R. says:

    mir scheint, dass hier der gleiche streit ausbricht wie bei postern der lager apple, linux und microsoft. kauft doch einfach die kamera eurer marke und freut euch drüber. und wenn nicht, dann kauft sie euch eben nicht! immer diese ewigen lästermäuler – ist ja wirklich nicht mehr auszuhalten – egal wohin man in den kommentaren blickt!

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  10. Wolf-Dieter Roth says:

    Wie soll man das Gerät kritisieren, wenn man es noch nicht gesehen/getestet hat? Wenn etwas Offensichtliches falsch wäre – z.B. Mini-Sensor mit 30 Megapixeln – könnte man lästern. Hier sollte man erstmal sehen, wie es wird. Schlecht war der Vorgänger ja nun auch nicht gerade.

    Mir sind z.B. fps nicht so wichtig – in diesem Fall ohnehin nicht, denn wenn mir da die 3,5 nicht reichen, würde ich die Videofunktion hernehmen und habe 30 ;-) – außerdem habe ich meist RAW an und dann machen alle Kameras (auch die D700, zu der bald mehr kommt) nach Sekunden schlapp. Da bringen einem die fps nur selten was.

    Und das mit den neun Kreuzsensoren steht hier doch gar nicht :-)

    Marketingkameras? Sind m.E. alle neuen Geräte, so wie Handys vor 10 Jahren. Kein Mensch braucht wirklich jedes Jahr fünf neue DSLR-Modelle von seiner Lieblings-Kameramarke. Ich finde im Handling der Live View z.B. nach wie vor kein Gerät, das es mit der Olympus E-330 aufnehmen kann – aber die ist von Olympus vor etwa einem Jahr „ausgemustert“ worden….

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  11. Roman L says:

    Erik, dein Kommentar ist überflüssig. Die Fehler, die du deinem Vorschreiberling vorwirfst, begehst du selber.
    Und: nicht jeder hat die selben Anforderungen an eine Kamera; viele werden sich bestimmt sehr auf die neuen Features der 5D MarkII freuen.

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  12. Erik M says:

    und kein Wort der Kritik für dieses Wundergerät? muss wohl bezahlte Werbung sein :)
    Fotografen hätten sich vielleicht lieber einen besseren Autofokus, höhere fps und einen 100%Sucher gewünscht – statt eine Videofunktion. Der ohnehin schon bescheidene AF und weiteres sind 1:1 aus der 3 Jahre alten Vorgängerkamera übernommen. Dann halt noch den Sensor aus der 1DS III eingebaut. Selbst die Entwickler von Canon äussern sich ja frustriert über eine Marketingkamera statt einer wirklichen Entwicklung.
    Fotografen schielen weiterhin eher zur D700 mit ihren Profi-Features zum Fotografieren (und nicht filmen). Und von der Ausstattung her wäre auch eher die A900 das aktuelle Objekt der Begierde (wenn die Bildqualität stimmt).
    Canon schafft es ja nichtmal die Pressemitteilung korrekt aufzusetzen, da ist von 9 Kreuzsensoren die Rede, dabei hat sie nur einen. In den USA hatte die offizielle Canon-Spezifikation sogar einen Popup-Blitz.
    Kein Wunder happert es da auch beim Kamerabau. Eine 3D, wie wir sie schon seit Jahren von Canon wünschen, werden wir sicherlich erst von einem anderen Kamerahersteller bekommen.

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