Bewegter Wald:
Wunderbare Idee

Peter Sennhauser, 23. September 2008 15:39 Uhr, 7 Kommentare Kommentare

Digitaltechnik erlaubt uns beinahe beliebige Tricks und Manipulationen auf Bilder anzuwenden. Aber statt Photoshop-Stunden bringt häufig eine gute Idee hinter der Kamera den wirklich tollen Effekt.

Kommentar des Fotografen:

Ich stand mitten im leuchtenden Herbstwald und suchte nach einer Möglichkeit, die wunderbaren Farben auf eine andere neue Art zu visualisieren. So habe ich während der Belichtungszeit von 0.3 Sekunden die Kamera leicht nach oben gezogen.

Peter Sennhauser meint zum Bild von Dietmar Käppeli:

Ich kann nur sagen: Ich platze fast vor Neid. Wieviel Energie doch eine simple Idee, am richtigen Ort und in der richtigen Art angewandt, entwickeln kann.

Weil mir heute mein Desktop-PC sozusagen um die Ohren geflogen ist (kleine Explosion im Netzteil), sitze ich vor meinem Winz-Notebook, das ich aber an den 24-Zoll-Monitor angehängt habe. Weil das Vaio die Auflösung nicht ganz hinkriegt, wird Dietmars Bild in die Breite gezogen – und wirkt vielleicht nochmals besser als es real schon ist:

Mich begeistert, wie gut hier Motiv, Stimmung und Effekt zusammenspielen. Der Wald ist eigentlich eine wenig bewegte Sammlung von Vertikalen, die sich im Herbst aber in ein stummes Lodern verwandeln. Das Hochziehen der Kamera verleiht den senkrechten Linien das Flackern des Feuers; die Farben unterstützen den Eindruck genauso wie das unscharfe Unterholz/Gras im Vordergrund.

Selbst wenn dies ein Zufallstreffer aus 50 verschiedenen Spielereien gewesen sein sollte – er hat eine Qualität, die reproduzierbar ist: Statt die Kamera mit einem bewegten Objekt mitzuziehen, einem unbewegten Objekt dadurch Bewegung zu verleihen, finde ich eine brilliante Idee.

Ich würde nicht nur daran weiterarbeiten, wenn ich Du wäre – ich werde das ganz bestimmt demnächst selber ausprobieren, vielleicht auch mit Gebäuden oder ganzen Landschaften.

Wenn doch was zu beanstanden wäre, dann vielleicht die etwas gar mittige Komposition der Bäume – und irgendwas glitzert da gar fremdkörprig unten links. Diese weissen Streifen hätten sich nach einem Kontrollblick auf den Monitor vielleicht vor Ort entfernen lassen -ich würde aber jedenfalls den hellsten weissen Strich wegretuschieren, weil er zu sehr ablenkt.

Ansonsten kann ich nur gratulieren. Ich könnte dem Wald (vor allem in grossem Format) lange beim Lodern zusehen.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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7 Kommentare

  1. Dietmar
    schrieb am 23. September 2008 um 22:20 Uhr (#)

    Danke für das Kompliment. Ich hab etwa 10 Aufnahmen gemacht. Das Bild oben war das letzte der Serie. Werde gerne weiter mit dieser Technik experimentieren.

  2. Besim Mazhiqi
    schrieb am 23. September 2008 um 22:29 Uhr (#)

    Ich finde das Bild auch super. Beim Angucken wird mir zwar ein bisschen schwindelig, aber das hat man ja auch nicht alle Tage!
    Sehr schöne, surreale Umsetzung!!!

  3. mario
    schrieb am 24. September 2008 um 10:09 Uhr (#)

    hey mäx, schöne idee.

  4. Uli Eberhardt
    schrieb am 24. September 2008 um 10:49 Uhr (#)

    Wenn Ihr mal bei Sabine Wild schauen wollt: Sie hat eine ganze Serie solcher Waldbilder gemacht. Siehe unseren Beitrag auf fokussiert.com. Oder ihre Website – Fotos – Vertikale.

  5. claudia
    schrieb am 25. September 2008 um 14:48 Uhr (#)

    Ja, das ist gelungen. Aber gilt auch in der Fotografie: sich regen, bringt Segen! ,-)

  6. Corinne ZS
    schrieb am 29. Juni 2009 um 22:34 Uhr (#)

    Ich habe dieses Bild bis heute nicht vergessen, weil es so schön und speziell ist. Nun habe ich endlich die entsprechende Surf-Empfehlung dazu gefunden: http://www.roberteckhardtphotographs.com. Eckhardt hat’s wirklich drauf.

  7. Dietmar
    schrieb am 29. Juni 2009 um 22:50 Uhr (#)

    @Corinne: Ich hab in letzer Zeit weiter mit dieser Art von Bildern experimentiert: http://dietmar-kaeppeli.c…2WFz#490967012_t9sT9. Die Bilder von Eckhardt inspieren da zusätzlich, noch mehr Zeit reinzustecken.

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