Dawntech di-GPS Pro im Test (I):
Teurer Geotagger
Dawntech und Solmeta stellen GPS-Empfänger her, welche direkt mit den Nikon SLR verwendet werden können, die bisher als einzige Prosumer-Kameras eine GPS-Schnittstelle aufweisen. Wir haben das Dawntech-Gerät getestet.
Wenn die Bilder aus der Kamera kommen, sind sie mit allen nötigen Daten versehen. Oder fast allen.
Was nämlich fehlt, ist der Ort der Aufnahme. Dabei ist das heute dank Global Positioning System (GPS) keine Hexerei mehr - und die Metadatenfelder der Bilder haben längst Platz für eindeutige Koordinaten. Geotagging, also die Markierung der Bilder mit einer eindeutigen Ortsangabe, war aber bisher noch etwas für Geeks und Bastler:
Entweder man versieht seine ganzen Bilder nachträglich anhand einer digitalen Landkarte wie Google Maps in einer Spezialsoftware mit den Koordinaten - wozu jedes Bild auf der Karte platziert werden muss und dann die Daten in die Bilddatei eingetragen - oder man tut das gleiche ein bisschen automatischer mit einem GPS-Empfänger, der unterwegs die Route des Fotografen mitschreibt. Spezielle Software vergleicht dann auf dem Rechner den Aufnahmezeitpunkt des Bildes mit den Daten des GPS zum gleichen Zeitpunkt und kopiert die entsprechend(st)en Koordinaten automatisch ins Bild.
Den Kameraherstellern ist aber bisher nicht aufgegangen, wie sehr sich die Anwender das automatische Geotagging wünschen: Erste Kameras mit GPS sind zwar angekündigt, aber grade die Profi-Kameras wie Canon oder Nikon werden offenbar zuerst mit Video-Modus statt mit dem einige Dollar teuren GPS-Chip ausgestattet.
Namentlich bei den Nikon-Modellen ist das umso weniger verständlich, als sie mindestens ab der D200 mit einer Schnittstelle für GPS-Empfänger ausgerüstet sind. Will heissen, wer ein Schweinegeld für einen RS232-Adapter (das sind diese alten 9poligen seriellen Datenkabel) ausgibt, kann gewisse gängige Modelle an GPS-Empfängern an die Kamera anschliessen und die Koordinaten jedes Aufnahmeortes direkt ins Bild schreiben lassen.
Die Lösung ist unhandlich und teuer. Kein Wunder also, dass sich einige findige Ingenieure in Asien schnell darauf spezialisiert haben, die Datenverbindungen der Nikons zu analysieren und spezielle GPS- Module zu bauen, die klein, handlich und direkt auf die Nikon abgestimmt sind.
Dawntech ist so ein Hersteller. Und nachdem ich im Frühling allerhand GPS-Tracker geprüft und die Software-Lösungen zum Geotaggen ausprobiert habe (an Hand eines grossen Bildes in den Strassen von San Francisco und mit einem Uralt-Bluetooth-GPS und Nokias Sportstracker-Software als Daten-Logger) bin ich zum Schluss gekommen, dass eine Ortsangabe in den Bildern unheimlich wertvoll wäre, aber die Lösung mit einem unabhängigen GPS nicht in Frage kommt: Der Abgleich der Bilder mit den GPS-Daten ist auch mit sehr komfortabler Software wie dem kostenlosen GeoSetter sehr aufwändig - und wenn die Uhr der Kamera auch nur ein bisschen falsch geht oder eine eigenartige Zeitzone anzeigt, ist die Korrigiererei sehr mühselig.
Also habe ich mir das Dawntech-Modul genauer angesehen und trotz spärlicher Erklärungen auf der Website und mangelndem Englisch des Herstellers beschlossen, die happigen rund 300 Dollar (inklusive Versand) für das teurere Gerät auf den virtuellen Shop-Tisch zu blättern. Denn das di-GPS Pro passt nicht nur perfekt auf meine Nikons. Es ist praktisch Bedienungsfrei: Eingeschaltet wird es im Automatikmodus durch die Kamera, ausgelöst wird es mit dem Auslöser der Kamera, der Stromverbrauch ist angeblich vernachlässigbar und das Gerät selber sehr unauffällig und handlich.
Das Dawntech di-GPS Pro gehört eindeutig nicht in diese Klasse. Nicht nur brachte es mir der Postbote keine 48 Stunden nach online-Bestellung an die Haustüre. Es war zudem gut verpackt und macht einen sehr soliden Eindruck.
Viel ist denn aber auch nicht dran: Eine kleine Plastikbox mit einem Schiebeschalter, einem LED, einem steifen Datenkabel, das auf den 10-Pin-Anschluss der Nikon passt und einem 10pin-Ausgang zum Anschluss weiterer Geräte an der Nikon in Serie. Auf der unteren Seite verfügt das zähe Kunststoffgehäuse über einen Schlitten, der passgenau in den Blitzschuh der Kamera eingefügt werden kann - oder in einen der beiden mitgelieferten Halter für den Tragriemen der Nikon. Weiteres Zubehör sind zwei Abdeckkappen für den zusätzlichen Anschluss oben auf dem di-GPS Pro. Allein schon die Lieferung solcher kleiner Zusatzteile, die doch schnell verloren gehen, spricht in meinen Augen für einen Hersteller.
Ausserdem in der schwarzen Kartonschachtel: Eine kleine Neopren-Tasche mit Reissverschluss. Handbuch? Bedienungsanleitung? Fehlanzeige. Nun, bei einem Gerät mit einem Steckanschluss und einem Schalter scheint das auch nicht wirklich angebracht - wäre es aber, wie wir später sehen werden.
Kamera einschalten, den Schiebeschalter am auf den Blitzschuh geschobenen di-GPS-Modul nach rechts schieben - und siehe da: Das rote LED blinkt, und die Nikon beteiligt sich am Alarm mit einem blinkenden “GPS”-Symbol auf dem LCD.
Nach ein bisschen Blättern im Menu der Nikon stosse ich irgendwann auf den Menupunkt “GPS”, der unter anderem eine Einstellung “Position anzeigen” aufweist. Ein Klick darauf zeigt mir umgehend am Monitor meiner Kamera die Koordinaten in Länge und Breite, meine aktuelle Höhe über Meer (die mir etwas übertrieben vorkommt - aber angesichts des Indoor-GPS-Empfangs ist das wohl zu verstehen) und die UTC - die Universal-Zeit der Satelliten (oder was immer das ausgeschrieben heisst).
Zunächst ist mir das egal, nachdem ich feststelle, dass ein Warmstart des GPS-Moduls - will heissen, Einschalten am gleichen Ort, wo ausgeschaltet wurde, was dem Chip eine schnelle Positionsbestimmung erlaubt, sobald er drei Satelliten empfängt - unter freiem Himmel meistens keine zehn Sekunden dauert. Lästig ist das also nur, wenn ich vor einem Shooting vergessen sollte, das GPS einzuschalten - aber dieser Frage will ich später auf den Grund gehen.
Was der kleine schwarze Klotz auf meiner Nikon “im Feld” und beim Nachbearbeiten bringt, schauen wir uns im zweiten Teil des Tests an.
» Mehr lesen: Geotagging (6), GPS (4), Nikon (9), Test (58), Zubehör (63)
» Weitere Artikel der Kategorie "Ausrüstung" lesen
» Nächster Artikel: 24 Stunden: Bildgeschichten
» Älterer Artikel: Der Fotograf Edward Weston: Immer in Bewegung
» Drucken
» Merken/E-Mail
1 Kommentar zu diesem Artikel
Diesen Artikel kommentieren
Wir sind sehr an einer offenen Diskussion interessiert, behalten uns aber vor, beleidigende Kommentare sowie solche, die offensichtlich zwecks Suchmaschinenoptimierung abgegeben werden, zu editieren oder zu löschen. Mehr dazu in unseren Kommentarregeln.

neuerdings.com
medienlese.com
imgriff.com
fokussiert.com
netzwertig.com
gamgea.com











Artikel per RSS
Seb
Danke für den guten Bericht … Bin beim Stöbern auf http://www.gps-kamera.eu gestossen. Ich habe mich nach telefonischer Beratung gegen das “Dawntech pro” und für das “Solmeta N2″ entschieden.
Das Dawntech wird von denen als gut, robust, einfach und zuverlässig beschrieben.
Beim Solmeta hat mich nicht der Kompass zum speichern der Aufnahmerichtung überzeugt. Vielmehr war es die “Auto-Indoor”-Funktion. Und schaden tut der Kompass auch nicht. Wer weiss wann man es braucht.
Robust und zuverlässig finde ich das N2 auch … Nun denn.
Deutsche Anleitungen verfügbar die gps-kamera.eu’s haben übrigens deutsche Bedienungsanleitungen zum Download. Bei Dawntech vielleicht überflüssig. Beim Solmeta N2 wegen der Einstellung des Kompass sicherlich vonnöten.