Jim Rakete:
Lieber, vertrauter Dinosaurier

Jim Rakete zeigt in Frankfurt 2007 neu entstandene Portraits mit Protagonisten vor allem aus der Filmwelt.

Jim Rakete: Heike Makatsch Aus der Ausstellung Jim Rakete: 1/8 sec. im Deutschen Filmmuseum, Frankfurt am Main

„Vertraute Fremde“ heißt diese Bildserie, die im Deutschen Fillmuseum mit weiteren Bildern unter dem Titel „1/8 Sec. Augen/Blick/Porträts“ bis 4. Januar zu sehen ist. Um es gleich zu sagen: Jim Rakete ist sich auch mit den neueren Bildern treu geblieben.

Nach wie vor arbeitet er strikt und herkömmlich mit Fotochemie – mit einer Linhof-Kamera, selbst ohne digitale Nachbearbeitung , wie wir es auf fokussiert.com einmal dargestellt haben. Damit zelebriere er „gleichermaßen den Abschied eines ebenso vertrauten wie sich mittlerweile entfremdenden Handwerks: den Abschied von der analogen Fotografie“ – mutmaßt das Filmmuseum.

So schön melancholisch das auch klingen mag, so weit ist es ist noch lange nicht. Im Gegenteil: Die sogenannte analoge Fotografie stabilisiert sich in ihrer eigenen Nische und wird uns ähnlich wie die Schallplatte noch lange erhalten bleiben.

Jim Rakete: Fatih Akin Aus der Ausstellung Jim Rakete: 1/8 sec. im Deutschen Filmmuseum, Frankfurt am Main

Also bleibt uns Jim Rakete ein lieber, vertrauter Dinosaurier, der seinen Stil konsequent pflegt. Seine geduldige Arbeitsweise ist aber eigentlich unabhängig von der Frage digital oder analog. Dazu zwingt ihn und jeden anderen vielmehr die Großformatkamera. Genauso gut könnte hinter der Linhof ein Digitalback hängen mit dem einzigen Unterschied vielleicht, dass ein Ergebnis sofort sichtbar wäre. Aber dazu war ja in der analogen Welt das Polaroid da, das normalerweise zur Überprüfung eingesetzt wurde. Die behauptete bessere „Echtheit und Plastizität“ chemischer Fotografien führt direkt in den gleichen Streit, den die Anhänger von analoger und digitaler Musik schon lange unentschieden pflegen.

[Edit: Wie fremd die digitale Welt gewissen Ausstellern und Urhebern ist, zeigt auch die zeitlich beschränkte Lizenz für PR-Bilder: Die hier gezeigten Fotos müssen wir ihrer beschränkten Auflösung und der breiten Verfügbarkeit von Pressematerial zum Trotz nach drei Monaten löschen. Wem das dienen soll, ist unklar; was für Zeitungen funktioniert hat, ist für uns Onlinemedien leider inakzeptabel.

In Zukunft werden wir aus praktischen Gründen auf solche Veröffentlichungen – und damit wohl auch auf die Berichterstattung und die Gratiswerbung für das Museum – verzichten müssen.

Peter Sennhauser, Blogwerk AG]

Die Ausstellung im Filmmuseum wird von einer Reihe von Veranstaltungen begleitet. So stellt am 25. Oktober zum Beispiel Claudia Müller ihren Dokumentarfilm über Rakete vor: „Mein Leben – Jim Rakete“. Dieser Film übrigens ist in „DigiBeta“ gedreht worden. Und Claudia Müller bemerkt: „Für meinen Film durfte ich Jim Rakete fünf Tage lang bei seiner Arbeit begleiten. Das ist nicht viel für einen Film von 43 Minuten Länge. Da Jim Rakete seinem Namen alle Ehre machte und äußerst schnell arbeitete, war die Ausbeute dennoch groß.“ Huch, Jim Rakete „macht seinem Namen alle Ehre“? Das klingt aber gar nicht „vertraut“.

Es standen noch nicht alle Veranstaltungen fest – aktuelle Infos gibt’s auf der Website des Deutschen Filmmuseums. Zur Ausstellung gibt es auch einen Katalog, der bei Schirmer/Mosel in München erschienen ist.

Jim Rakete – 1/8 Sec. – Augen/Blick/Porträts
Ausstellung und Veranstaltungen bis 4. Januar 2009
Deutsches Filmmuseum, Schaumainkai 41 (Museumsufer), D-60596 Frankfurt am Main
+49-(0)-69 961 220 – 220, E-Mail-Formular auf der Website
Geöffnet Dienstag, Donnerstag, Freitag 10 – 17 Uhr, Mittwoch, Sonntag 10 – 19 Uhr, Samstag 14 – 19 Uhr

Deutsches Filmmuseum Frankfurt/Main
Jim Rakete bei Wiki

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