Konzertbild:
Dokumentation gegen Aufsehen

Douglas Abuelo, 13. Oktober 2008 11:13 Uhr, 0 Kommentare Kommentare

Ist es wichtiger, die Realität einer Szene wahrheitsgetreu abzubilden, als sie ästhetisch so ansprechend zu gestalten, wie es Dir gefällt?

Kommentar des Fotografen:

Stillfire, eine australische Nachwuchs-Hardrockband, aufgenommen an den Seminfinals der “National Campus Band Competition” in einem kleinen Pub in Fremantle, Western Australia. Dank dem Licht auf den Monitoren wirkt die Szene viel grösser als sie in Wirklichkeit ist. Die Band steht erst am Anfang ihrer Karriere, beherrscht aber bereits alle Tricks der “Grossen”, um das Publikum zu begeistern.

Profi Douglas Abuelo meint zum Bild von Lorenz Ramseyer:

Als Konzertfoto ist dieses Bild nicht schlecht. Es gibt schöne Farben von den Lichtern, einen Musiker in einer dramatischen Position, der einen Ton aus seiner Gitarre herausquetscht, und der Fotograf hat die Lautsprecher und Kabel benutzt, um unsere Augen zum Hintergrund des Bildes zu leiten, wo die Handlung stattfindet. Es ist auch cool, wie das Haar des Gitarristen sein Gesicht verbirgt, was ein wenig Geheimnisvolles hat.

Während das für ein ziemlich anständiges Konzertfoto durchaus genug ist, bleibt immer noch die Frage: wie können wir es verbessern?

Meine Antwort wäre, die Dunkelkammer zu benutzen, um kreativ zu werden, und einige der unnötigen und störenden Elemente zu beseitigen.

Was ich störend fand, sind der Mikrofonständer, der aus dem Ellenbogen des Musikers herauskommt, und die anderen Musiker, die aus seinem Rücken herausragen.

Es gibt noch viele andere Dinge, die wir entfernen könnten, um ein noch saubereres Bild zu erhalten, das weniger Ablenkungen bietet, aber es war nicht meine Absicht, ein perfektes, studiohaftes Foto zu kreieren.

Wie im Beispiel zu sehen ist, wollte ich lediglich das Foto ein wenig aufräumen. So vermittelt das Bild immer noch das Gefühl eines Live-Konzerts, während die Atmosphäre der Situation erhalten bleibt. Willst Du Deine Fotos so verändern, dann ist es natürlich Deine Sache, wie viel Du verändern möchtest.

Manch einer mag sich gegen diese Art der Manipulation aussprechen. Ich persönlich sehe jedoch keine Gefahr darin, Fotos auf diese Weise zu verändern, solange sie natürlich nicht für redaktionelle Zwecke bestimmt sind.

Willst Du das Foto doch für die Publikation oder bei Agenturen verwenden, dann sind solche Eingriffe absolut Tabu. Verlage wollen grundsätzlich das Vertrauen der Leser erhalten, und das bedeutet, dass Fotos veröffentlicht werden, die so akkurat wie möglich die fotografierte Szene wiedergeben.

Ist das Bild jedoch für ein Poster, Flyer, T-Shirt oder ähnliches bestimmt, warum sollte man nicht kreativ werden und die Werkzeuge nutzen, die zur Verfügung stehen, um ein saubereres, ins Auge springenderes Foto zu schaffen?

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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