Stacheldraht:
Hyperperfekt und unvollkommen

Die Digitalisierung hat der Fotografie große Veränderungen beschert. Einer der negativen Auswirkungen ist eine übertriebene Perfektion und Leblosigkeit der Bilder.

Kommentar des Fotografen:

Soll düster, beklemmend wirken

Profi Douglas Abuelo meint zum Bild von GreGor Holzner:

Während der letzten Jahre hat die digitale Technologie einen großen Einfluss auf die Fotografie ausgeübt. Für uns alle, die mit dem Verwenden von Film begannen, ist einer der größten Neuerungen die Beschaffenheit und Tiefe, die man mit Digitalkameras im Vergleich zu Fotofilmkameras erreichen kann. Dieses Foto ist ein gutes Beispiel:

Es ist auf den ersten Blick sehr offensichtlich, dass dieses Bild, wie die meisten heutigen Fotos, mit einer Digitalkamera gemacht wurde. Leider nicht im positiven Sinne.

Die Flachheit in den grauen Bereichen und der abrupte Bruch zwischen den Schwarz- und Grautönen lassen das Bild synthetisch und leblos erscheinen.

Eins der wunderbaren Dinge an Film, vor allem an Schwarz-Weiß-Film, ist die Körnung, die von den winzigen Silberpartikeln auf den Negativen herrührt. Indem der Film dem Licht ausgesetzt wird und dann entwickelt wird, bilden diese kleinen Partikel die Formen der fotografierten Szene. Diese Körnung ist eine der Hauptsachen, die analoger Fotografie ein gewisses organisches Gefühl und eine Atmosphäre geben. Die Ultraperfektion, die mit digitalen Sensoren kreiert wird, führt oft zu Bildern, die kalt und tot wirken.

Glücklicherweise gibt es viele Möglichkeiten, dieser kalten digitalen Perfektion entgegenzuwirken. Eine davon wäre, einfach Körnung hinzuzufügen. Dies wäre schlicht mithilfe eines Photoshop-Filters möglich. Es gibt noch weitere spezielle Programme, die ebenfalls sehr gut Körnung, Farben und Gefühl von den gängigsten Filmen replizieren können.

Ein interessanter Kontrast zur Hyperperfektion in diesem Bild ist die unvollkommene Komposition. Die Linie, die durch den Vordergrund auf der rechten Seite schneidet, scheint unnötig und fehl am Platz. Es scheint keinen konzeptuellen oder kompositorischen Grund zu geben, diese Linie dort zu haben.

Obwohl dieses Foto nichts originelles ist, abzüglich der Ablenkung auf der rechten Seite könnte es mit etwas mehr Atmosphäre oder Tiefe viel an Stärke gewinnen und eventuell sogar für Dinge wie ein Buch- oder Albumcover dienen.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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1 Kommentar

  1. Martin
    schrieb am 24. Oktober 2008 um 21:07 Uhr (#)

    Das obige Beispiel ist aber auch wirklich hart. Ich glaube kaum, dass das mit einem Film wirklich lebendiger wirken wird. Auch wenn ich kein PS Profi bin, werde ich mich doch mal daran versuchen..

    Übrigens, das gleiche ist ja Problem ist ja bei Vinyl-Platten und CDs zu beobachten: Die Wärme einer schönen Schallplatte kriegt kaum eine CD hin!

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