Nikon D700 im Test:
Infrarot ohne Umbau und Stativ

Die Nikon-Vollformatkameras D3 und D700 haben eine enorme Sensor-Empfindlichkeit von bis zu ISO 25600. Kann man damit auch ohne Sensor-Umbau und Stativ Infrarot-Aufnahmen machen?

Infrarot-Fotografie ist faszinierend, es zeigen sich Bilder wie aus einer anderen Welt, Bilder, wie sie manche Tiere sehen mögen, doch der Mensch normalerweise nicht.

Optimale Bilder erhält man mit Spezialkameras oder einem Umbau. Will man daraus kein ausschließliches Hobby machen, kann man auch einfach einen Infrarot-Filter vor eine handelsübliche Digitalkamera schrauben. Dann allerdings wird diese sehr unempfindlich, weil der vor dem Bildsensor sitzende Infrarot-Sperrfiter exakt gegen den aufsgeschraubten Infrarot-Filter arbeitet – Infrarot-Aufnahmen sind nur noch mit Stativ möglich. Auch mit der Canon 40D ging es nur fast freihändig. Lästig bei Spaziergängen.

Als wir die neue Nikon D700 sofort nach der Lieferbarkeit bei Lens Avenue in die Finger bekamen, war daher neben Nachtaufnahmen auch Infrarot ganz oben auf der Testliste: die hohe Empfindlichkeit von bis zu ISO 25600 ließ hoffen, auch ohne Umbau einmal ohne Stativ Infrarot-Aufnahmen machen zu können.

Nikon D700, Nikon AF Nikkor 35 mm 1:2 D, Blende 1:2, 1/80, ISO 25600, 850-nm-Infrarotfilter, auf s/w umgesetzt (Bild: W.D.Roth)
Nikon D700, Nikon AF Nikkor 35 mm 1:2 D, Blende 1:2, 1/80, ISO 25600, 850-nm-Infrarotfilter, auf s/w umgesetzt (Bild: W.D.Roth)

Adobe Camera Raw war allerdings zum Testzeitpunkt noch nicht imstande, mit den RAW-Dateien der D700 umzugehen, was wünschenswert für die verlustfreie Schwarzweißumsetzung ist. Deshalb und wegen anderer widriger Umstände wurde die Fortsetzung des D700-Tests aufgeschoben – aber nicht aufgehoben. In den nächsten Wochen folgen nun noch weitere Experimente mit diesem Hochleistungsgerät.

Mittlerweile kann Adobe Camera Raw 4.6 für Adobe Creative Suite 3 mit den D700-RAWs umgehen. Allerdings nur eingeschränkt: Es wird im Gegensatz zu Olympus- oder Canon-Kameras kein Vorschaubild angezeigt und es ist auch nicht möglich, Adobe Camera RAW für D700-RAWs direkt aus Adobe Bridge zu starten.

Hier rächt sich, daß Adobe das früher freie und eigenständige Programm Camera Raw künstlich zum Photoshop-Plugin degradiert hat. Es wird erst der fette Photoshop hochgefahren, auch wenn man diesen gar nicht braucht, und dieser fährt dann endlich Adobe Camera Raw hoch. Das dauert und kostet RAM-Speicher – nicht wirklich geschickt, wo Camera Raw schließlich ohne Zuhilfenahme von Photoshop RAWs bearbeiten und das Ergebnis abspeichern kann.

Wirklich nötig ist die Nachbearbeitung bei Infrarot-Bildern der Nikon D700 allerdings nicht: Selbst bei den stets problematischeren Aufnahmen mit dem stärkeren 850-nm-Infrarotfilter liefert die Nikon D700 hohe Kontraste und eine Belichtung über den gesamten Helligkeitsbereich. Bei anderen Kameras war hier der Kontrast unzureichend. Alle nicht auf Schwarzweiß umgestezten Beispielaufnahmen dieses Beitrags sind original JPGs aus der D700, nur bei den auf s/w umgesetzten Bildern wurde der Kontrast nachträglich optimiert.

Dies war die eine angenehme Überraschung bei der Infrarot-Fotografie mit der Nikon D700. Die andere: Ja, es geht nun tatsächlich ohne Stativ, wobei das Rauschen speziell nach der Umsetzung auf s/w zwar erkennbar wird, doch nicht schlimmer ausfällt als bei anderen DSLRs im Infrarotbetrieb.

Ein totaler Flop ist allerdings die Live View der Nikon D700: Für Infrarot-Aufnahmen ist sie viel zu unempfindlich, der Monitor bleibt schwarz. Da der Sucher für Infrarot-Aufnahmen nicht verwendbar ist – man verbrennt sich zudem in Sekundenbruchteilen die Netzhaut, wenn man die Sonne im Bild hat und dann durch den Sucher schaut – ist dies ein echtes Manko beim Justieren des Bilds.

Die Live View der Nikon D700 ist im Übrigen auch ansonsten ein Schuß in den Ofen: Ein Drücken des Auslösers führt hier zwar stets zu Spiegelgeklapper und damit großen Verzögerungen, aber oft nur zu einer Entfernungsmessung und keiner Aufnahme. Man weiß nach Druck auf den Auslöser und Auslösegeräusch folglich nie, ob die Aufnahme nun im Kasten ist oder nicht. Was sich Nikon bei dieser Bedienlogik gedacht hat, ist unklar.

Daß die Infrarot-Aufnahmen der Nikon D700 nicht mehr im Langzeitbereich sind, erkennt man auch daran, daß Autos halbwegs scharf zu erkennen sind. Interessant außerdem, daß zumindest das 715-mm-Filter noch Reste echter Farben erkennen läßt, beispielsweise am Ortsschild.

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2 Kommentare

  1. Karl-Heinz Görmann
    schrieb am 7. März 2009 um 17:27 Uhr (#)

    http://www.optik-makario.de/

    Dies ist die Seite einer deutsche Firma zwecks Umbau einer Kamera zu IR.

  2. Karl-Heinz Görmann
    schrieb am 7. März 2009 um 17:30 Uhr (#)

    NAchtrag:

    Übrigens ich fografiere IR mit einer SONY F828 ohne große Problem und vor allem ohne Stativ: Man kann hier einfach den Nightshot-Modus verwenden, IR- und Grau-Filter drauf und los….

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