Fingerübungen:
Jahrmarkt-Treiben
Jahrmärkte bieten Lichter und Menschen, bewegte Objekte und glänzende Kinderaugen en masse. Sie einzufangen ist eine grössere Herausforderungen als erwartet. Ein Erfahrungsbericht von der Basler Herbstmesse.
Ein Jahrmarkt ist ein gefundenes Fressen für den Hobbyfotografen. Und eine ziemlich schwierige Angelegenheit, wie ich schnell merke. Ich war mit der Nikon D300 und dem 18-200 Zoomobjektiv (und gelegentlich dem Sigma 10-20mm) ausgezogen, “typische” Jahrmarktsbilder von der Basler Herbstmesse zu machen, einem zwei Wochen lang die ganze Innenstadt bedeckenden Grossmarkt.
Die einfachste Aufgabe ist zunächst die Menschenmenge - oder einfach nur die Schlendernden Menschen zwischen den Ständen. Ich versuch’s zuerst auf dem “Chacheli-Märt”, dem Töpfermarkt voller Stände mit Zerbrechlichem, und dem gleich dahinter angeschlossenen richtigen Jahrmarkt mit einem Karussell und einigen kleineren Kinderattraktionen.
Die Erschwernisse:
-
Eine Perspektive zu finden, die Verkäufer und Kundschaft zeigt;
-
die Interaktion abzubilden, ohn sie zu stören
-
die Beleuchtung (meist sehr hell im Stand und dunkel draussen).
Im Dämmerlicht versuche ich, Waren an Ständen und vorbeigehnde Menschen zusammenzubringen. Dabei ist das Hauptproblem, dass die Menschen mich und die Kamera wahrnehmen - und einen Bogen um den Bildausschnitt machen. Auf den ersten Bildern schlendern die Menschen deshalb alle Menschen von mir weg - und Rückenansichten sind nunmal nicht sehr spannend.
Mit der Schärfentiefe kann zusätzlich das reale Gedränge im Bild simuliert werden. Das wirkt am besten, wenn sowohl ein unscharfer Vorder- wie auch ein Hintergrund vorhanden ist: Also mitten in die Strecke hineinzoomen und warten, bis jemand in den Fokus tritt. Auf die Spitze getrieben, ergeben sich allerdings schon fast unanständig nahe Bilder.
An den Verkaufsständen in “Boxenform” erwartet mich eine weitere Herausforderung. Die Interaktion zwischen Verkäufer und Kundschaft inmitten der Ware - meist einer dichten Ansammlung bunter Gegenstände - ergäbe Wimmelbilder mit “Action”. Schwierig ist dabei erstens, die Leute nicht zu stören und trotzdem überhaupt erstmal eine seitliche Perspektive zu finden. Zweitens brauchts, um mehr als den verkäufer mit seiner Ware abzulichten, einen Weitwinkel. Mit dem 10mm Kriege ich zwar viel aufs Bild, aber der Eindruck der Warenmasse, das “Wimmelbild”, will sich so nicht mehr einstellen.
Demnächst im Teil II: Das bunte Treiben nach der Dämmerung (Fahrgeschäfte)
Weitere Fingerübungen:
- Fingerübungen - Jahrmarkts-Nachtbilder: Im Kreis herum (17. November 2008)
- Fingerübungen: Jahrmarkt-Treiben (12. November 2008)
- Fingerübungen - Strassenshooting: Einfacher werden (17. April 2008)
- Fingerübungen - Wasser und Bewegung: Ein Sonntag am Golden Gate (18. März 2008)
» Mehr lesen: Available Light (2), Fingerübungen (4), Jahrmarkt (2), Menschenmassen (4)
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5 Kommentare zu diesem Artikel
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Martin Wolf
Toller Artikel! Danke für die Einblicke und Tipps.
Eine Frage habe ich allerdings noch:
Hast du da irgendwelche Menschen, Verkäufern, etc um Erlaubnis gefragt oder einfach fotografiert und wenn jemand doof geguckt hat, Kamera eben an die Seite gepackt?
Ich traue mich in einer solchen Menschenmasse so nah an den Leuten nie meine Kamera herauszuholen und einfach so zu fotografieren.
Würde mich sehr über Rückmeldung freuen!
Puppet Master
Schliesse mich Martin an, dieser Punkt der Fotografie war auch mir immer eine Unsicherheit.
Worauf muss man achten und was für Gesetzte / Regeln gibt es. Zumal das wohl auch pro Land D / CH / AT unterschiedlich sein dürft.
Peter Sennhauser
Ich möchte dazu schon längst eine grössere Recherche starten und komme nie dazu…
Nicht nur unterscheiden sich die Gesetze von Land zu Land - sie sind noch dazu meistens nicht absolut eindeutig. Aus der journalistischen “Lehre” gehe ich davon aus, dass Aufnahmen, die im öffentlichen Raum entstanden sind, grundsätzlich für redaktionelle Zwecke verwendet werden dürfen, selbst wenn sie Personen relativ nah auf den Leib rücken. Dasselbe dürfte für die Kunst gelten. Aber sobald eine kommerzielle Nutzung - Werbung etc - ansteht, ist ein unterschriebener Model-Release (Zustimmung des Modells zur Bildnutzung) jedenfalls dringend nötig.
Profis haben mir ein ums andere Mal gesagt, dass sie sich gewissermassen eine nonverbale Zustimmung einholen: Wer klar erkennt, dass er fotografiert wird und vielleicht sogar mit dem Fotografen ins Gespräch kommt, erteilt damit eine (juristisch äusserst wacklige) Zustimmung zur Verwendung des Bildes.
Neben dem Schutz der Privatsphäre gibt es in manchen Ländern auch das “Recht auf das eigene Bild”, was die Nutzung des Bildes einer Person ohne Einwilligung ausschliesst, wenn diese in einer Porträt-Form abgebildet wird - also in einer gewissen Grösse.
Und schliesslich ist in manchen Ländern der Schutz der Privatsphäre aufgehoben, wenn eine Person im öffentlichen Interesse steht. Aber auch hier kann man sich die Finger verbrennen: Nicht jeder Prominente lässt sich wie fotografisches Freiwild behandeln, wie einzelne Urteile vor allem aus Deutschland zeigen. Angesichts explodierender Zahlen von Promi-geilen Handy-Fotografen ist wohl künftig mit einer Verschärfung der Lage zu rechnen.
All das beiseite gelassen, versuche ich das genaue Gegenteil dessen zu tun, was Du vermutest, Martin: ich verstecke die Kamera nicht, wenn mich jemand erblickt, sondern ich zeige umso deutlicher mein Interesse daran, ihn zu fotografieren. Oder ich fange gleich an, ein Bild zu komponieren, nehme mir aber besonders Zeit, die Reaktion der Fotografierten zu beobachten: Wenn kein eindeutiger Protest laut wird, gehe ich von stillschweigender (und häufig lächelnd-freundlicher) Zustimmung aus.
Aber für Kaffeewerbung würde ich ein solches Bild jedenfalls nicht zu verkaufen wagen…
Puppet Master
Danke für die doch sehr ausführliche Antwort.
Thomas Rathay
Hallo zusammen,
hierzu nur mal kurz zwei Links
°Kunsturhebergesetz: Grundsatz
°Einschränkungen
Das gilt eben in Deutschland.
Bin auch auf Peters Recherche gespannt und guck mal ob ich ihm evtl. dabei helfen kann.