Nachtlandschaft:
Mehr Geheimnis

Mit Digitalkameras sind zwar farbenfrohe Nachtaufnahmen einfach, bunte Lichter allein aber lassen beim Betrachter schnell Langeweile aufkommen.

Kommentar des Fotografen:

Vor einiger Zeit hab ich ein Portfolio gesehen, in dem Bilder mit ähnlicher Bildkomposition wie bei meinem gezeigt wurden. Ich fand diese Art zu fotografieren einfach atemberaubend und behielt so diese Idee immer im Gedächtnis. Während meines Aufenthaltes in Paris gelang es mir schließlich dieses Foto an einer Kreuzung vor dem Eiffelturm zu machen. Die Fahrradfahrer Ampel schaltete in diesem Augenblick auf Gelb um und mir gefiel die Stimmung so sehr, dass ich schnell versuchte sie einzufangen. Leider ist es mir dabei nicht gelungen den manuellen Fokus auf die Haare des Mannes zu bekommen.

Profi Douglas Abuelo meint zum Bild von Sascha Fiedler:

Erst vor kurzen habe ich eine Fotoausstellung besucht, wo eine Fotografin auch Leute von hinten aufgenommen hatte. Sie wollte uns damit zeigen – so habe ich das jedenfalls verstanden – was man sieht, wenn Leute vor Touristenattraktionen fotografiert werden.

Normalerweise sehen wir ja die Menschen von vorne und mit der Sehenswürdigkeit im Hintergrund. Dieses Konzept hatte sie umgedreht. Das ist eine interessante Idee, aber leider hat mir die Ausstellung nicht sehr viel gebracht.

Und obwohl die Person auf diesem Foto auch von hinten fotografiert wurde, ist der Gedanke dahinter ein anderer: Hier gab es eigentlich kein Konzept. Wie der Fotograf schon erwähnt, wollte er nur Fotos imitieren, die er kürzlich gesehen hatte.

Das tun wir alle manchmal – wir sollten es aber vermeiden, wenn wir eigene, originelle Bilder machen wollen.

Dieses Foto ist aus einigen anderen Gründen interessant. Man sieht nur den Hinterkopf, und damit ein unbekanntes Element – damit das schafft Raum fürs Geheimnisvolle. Das Dunkel der Nacht verstärkt die geheimnisvolle Atmosphäre noch und auch die Hand, die die dargestellte Person an ihren Kopf hält. Ich habe mich gefragt, warum die Hand dort ist. Hat ihr Gesicht versteckt? Hat sie eine Träne weggewischt? Oder einfach nur ein Foto gemacht oder die Brille zurechtgerückt?

Heutzutage, dank Digitalkameras und ihren hypermpfindlichen Sensoren sieht man viele Nachtaufnahmen, uberflutet mit bunten Lichtern. Die meisten sind oberflachlich und langweilig.

Dieses Foto aber hat etwas Tiefe. Zuerst schauen wir wegen der Lichter hin, und dann hält es uns wegen der mehrdeutigen, geheimnisvollen Szene.

In den Beispielen siehst Du, wie ich ein bisschen damit herumgespielt habe. Im ersten sind die Farben satter. Im zweiten und dritten habe ich einige Lichter herausgenommen. Das macht die Atmosphare des Fotos dunkler, geheimnisvoller.

Mit voller Helligkeit war es zu vertraut, sah zu sehr aus wie eine typische Stadt in der Nacht. Mit weniger Helligkeit verliert es an Schärfe, man weiß nicht mehr genau, wo das Foto entstand und was passierte.

Noch etwas könntest Du versuchen, nämlich mit einem Programm wie zum Beispiel NoiseNinja das digitale Bildrauschen, das durch hohere ISOs entsteht, zu reduzieren.

Zwar steckt hinter deinem Foto kein wirkliches Konzept – es ist mehr eine Art Schnappschuss mit einer Idee, trotzdem ist Dir eine optisch interessante und fesselnde Aufnahme gelungen.

Aber bist du zufrieden mit dem Foto oder konnte es Dir mit ein paar kleinen Änderungen noch besser gefallen?

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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5 Kommentare

  1. Pascal
    schrieb am 15. November 2008 um 14:45 Uhr (#)

    Bei der Bildüberarbeitung ist aber ebenfalls einiges schief gegangen. Es gibt zwar einen Eindruck, wie man das Bild visueller gestalten könnte, doch sind die Farbsäume in der Hand und auf dem Ohr einfach schrecklich. Liegt das nur daran, dass weniger Weisslicht verwendet wurde, oder wie sind die entstanden?

    Danke für eine Antwort.

  2. Schreibt hier auf dem Blog Peter Sennhauser
    schrieb am 15. November 2008 um 14:57 Uhr (#)

    @ Pascal: Ich antworte mal eben für Douglas… Mehr als einen Eindruck dessen, was wir meinen, können wir natürlich in den Varianten jeweils nicht geben. Zum einen, weil das zu zeitintensiv wäre, zum andern und vor allem aber, weil uns für die Überarbeitung ja nur das jeweils eingereichte JPG, hier in einer Auflösung von 800 Pixeln Breite, vorliegt.
    Die Farbsäume hätten sich jedenfalls verhindern oder korrigieren lassen – aber das geht besser an RAW und in grosser Auflösung, bei solch kleinen Dateien wird’s schwierig.

  3. Pascal
    schrieb am 15. November 2008 um 15:18 Uhr (#)

    Hallo Peter

    Danke für die Antwort. Es ist mir klar, dass ihr nicht die Zeit habt die Bilder zu überarbeiten und ihr lediglich einen Eindruck widergeben könnt. Interessant wäre aber zu wissen, weshalb die Farbsäume entstehen: Liegt das wirklich nur daran, dass Weisslicht minimiert wurde, oder ist das die Folge von anderen Korrekturen?
    Wie es aussieht (ohne das in PS zu überprüfen) liegt auch ein technisches Problem vor, dass der Gelbkanal “ausbricht”. Vielleicht auch etwas auf das man für eine weitere Aufnahme aufmerksam machen könnte, für eine technisch bessere Umsetzung?

    Generell: Ich finde eure Kommentar und Bildkritiken super, hatte schon einige Aha-Erlebnisse! Weiter so! :)

  4. Pascal
    schrieb am 15. November 2008 um 15:27 Uhr (#)

    Hab ich jetzt tatsächlich Gelbkanal geschrieben? Meinte natürlich den Rotkanal.

  5. Sascha
    schrieb am 18. Mai 2009 um 16:31 Uhr (#)

    Danke für die Wertung und Verbesserungsvorshcläge!

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