Selbstporträt:
Filmstill mit Ausdruck

Für Porträtfotografie braucht man eine gute Beleuchtung und eine interessante Pose, aber am wichtigsten ist der Ausdruck der Person und was dieser dem Betrachter über die Person verrät.

Kommentar des Fotografen:

Ich bin mir des Fehlers der Komposition durchaus bewusst, obwohl der Platz rechts dann doch nicht so knapp bemessen ist dass es sofort stören würde. Zur Technik: Dunkler Raum, Bulb und Blitz. Dazu noch ein mehr oder weniger interessanter Ausdruck im Gesicht und schon hat man ein Selbstportrait, das eher nicht für den Pass geeignet ist.

Profi Douglas Abuelo meint zum Bild von Thomas R. Koll:

Obwohl Du selber auf einen vermeintlichen Kompositionsfehler hinweist, finde ich die Komposition so, wie sie sich hier präsentiert in Ordnung. Die Person „klebt“ nicht direkt in der Mitte des Bildes, wie es so oft gemacht wird. Stattdessen wurde sie entlang der rechten Linie des goldenen Schnittes positioniert. Zusammen mit der schwarzen Linie im Hintergrund auf der linken Seite ergibt das eine gute Komposition. Durch die schwarze Linie wird die Komposition gut ausbalanciert und das Foto erhält Tiefe.

In diesem Foto ist es kein Problem, dass die Person soweit rechts angeordnet ist und auf einen Punkt außerhalb des Rahmens schaut, da ihre Pose zusammen mit der Beleuchtung die Augen des Betrachters von rechts nach links führt und zurück durch den Bildhintergrund.

Die Beleuchtung, ein wichtiger Aspekt jedes Fotos, ist hier gut gesetzt.

Abgesehen von der Überbelichtung auf dem Gesicht und dem Shirt der Person, hat der Rest des Bildes eine schöne Lichtabstufung vom Hellen bis zu den tiefen Schatten im Hintergrund. Dadurch wirkt der Hintergrund als Rahmen für die Person, und der Betrachter konzentriert seine Aufmerksamkeit auf deren Ausdruck.

Wenn es eine schwache Stelle auf diesem Foto gibt, ist es die Person selbst. Der Gesichtsausdruck ist seltsam und vielleicht sogar etwas albern.

Natürlich ist das nur mein Eindruck, meine persönliche Interpretation.

Aus Sicht des Fotografen und dem, was er dem Betrachter übermitteln möchte, könnte der Ausdruck perfekt sein. Normalerweise setzen Porträts auf die äußere Erscheinung einer Person – ihre Schönheit oder einzigartige, interessante Züge. Oder Fotografen versuchen den Charakter einer Person, den Kern ihres Wesens auszudrücken.

Auf diesem Foto scheint es, als ob Du ein Standbild aus einer Filmszene schaffen wolltest – aus einem David Lynch-Film zum Beispiel? Wenn das der Fall ist und du solch ein Projekt mit Filmstandbildern machst, ist das ein guter Anfang. Dann kennst Du zweifellos die Celebrity-Porträts von Olaf Heine.

Wenn du dem Betrachter aber etwas über dich selbst vermitteln wolltest, über dein Wesen, ist das meiner Meinung nach etwas fehlgeschlagen.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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1 Kommentar

  1. Thomas
    schrieb am 17. November 2008 um 14:55 Uhr (#)

    Danke Douglas für die Kritik. Freut mich ausserordentlich :)

    An David Lynch habe ich bei diesen Aufnahmen nicht gedacht und Olaf Heine kannte ich bisher nicht. Nein: Standbilder waren nicht das Ziel aber das Ergebnis.

    Würdest du es für besser halten wenn die Kameraposition höher gewesen wäre? Ist ja ein Mittel um eine Person in schwache, unvorteilhafte Position zu stellen.

    Bei meinen Selbstportraits sagen mir viel Leute dass ich immer ganz anders aussehe, irgendetwas von meiner Persönlichkeit zu vermitteln hab ich daher schon längst aufgegeben.

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