Neuseeland:
Zivilisierte Wildnis

Bei Landschaftsbildern spielen Stimmungen eine große Rolle. Und wenn der Betrachter anfängt zu fühlen, dann hat es der Fotograf geschafft.

Kommentar des Fotografen:

Mt. Cook / Neuseeland

Profi Jan Zappner meint zum Bild von Tobias Schmidt:

Irgendwie muss ich bei diesem Bild immer wieder an ein Auto einer bekannten süddeutschen Fabrik denken, das elegant und zügig auf der geschwungenen Straße fahrend im Nirgendwo verschwindet: in Richtung Freiheit.

Diese Stimmung trägt für mich das Bild maßgeblich: Freiheit, Eleganz und gleichzeitig die rohe Wildnis, die ich nur erahnen kann, wenn ich diese Gebirgsmassen im Hintergrund sehe. Ein Foto, bei dem ich gern länger hinsehe und merke, wie ich ruhiger werde.

Dieser Gegensatz zwischen Zivilisation (Straße) und Wildnis (Mt. Cook) ist hier sehr stimmig getroffen. Vor allem durch den einfachen perspektivischen Trick, die Straße in das Bild hinein laufen zu lassen, gelingt es dem Fotografen, den Blick des Betrachters zu führen und dem Panorama ein 3-Dimensionalität zu verleihen.

Auch die weiter Aufteilung im Foto ist gelungen. Es ist von jedem inhaltlichen Aspekt gerade genug zu sehen, um genügend Stimmung zu erzeugen ohne zu dominant zu wirken.

Die Entscheidung für schwarz / weiß finde ich auch überzeugend. Schließlich treffen hier zwei starke inhaltliche Gegensätze aufeinander, die durch die Reduktion der Farbpalette natürlich entsprechend verstärkt werden.

Vielleicht könnte man den Ausschnitt noch ein wenig verengen, um den Kontrast zu verstärken. Dafür hätte man statt dem 55mm/85mm Objektiv ein stärkeres Tele verwenden können und damit die Ebenen der Straße und des Berges enger aneinandergeführt. Bei diesen Lichtverhältnissen auch von der Tiefenschärfe her kein Problem.

Auf jeden Fall eine super Arbeit.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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1 Kommentar

  1. Corinne Zalka Schweizer
    schrieb am 28. November 2008 um 23:13 Uhr (#)

    Ich finde das Bild extrem schön, und zwar auch, weil hier Texturen erfahrbar werden (schwarz-weiss sei dank): spitze Nadelbäume, rauhe Strasse, zarte Wolken, massig gefurchte Berge, weiche Erdhügel. Am liebsten möchte ich mit den Fingern über die Landschaft gleiten. Zusätzlich sind die rein weissen Teile (Strassenpfeil, Seitenlinen, Licht auf Pfosten, Schnee) so verteilt, dass sie mein grafisch interessiertes Auge erfreuen.

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