Flughafen:
Persönliche Abstraktionen

Douglas Abuelo, 25. November 2008 10:31 Uhr, 2 Kommentare Kommentare

Eine Kamera und/oder eine Dunkelkammer kann der Schlüssel zu deinen eigenen abstrakten Welten sein.

Kommentar des Fotografen:

Flughafen Genf. Renne mit fliegenden Taschen zur Maschine, bin schon zweimal aufgerufen. Hetze die Gangway entlang, Kamera noch nicht ganz weggepackt. Dann plötzlich dieses Bild vor Augen. Hackenbremse. Okay, die zwei Sekunden kann das Rudel, das da angeschnallt im Flieger hockt, wohl auch noch warten…

Profi Douglas Abuelo meint zum Bild von Michael G?rmann:

Das Tollste und Interessanteste am Fotografieren ist, dass man Welten und Orte der eigenen Vorstellung entsprechend kreieren kann.

Mithilfe der Kamera und in der Dunkelkammer oder am Computer kann man Licht einfangen oder manipulieren und somit seiner Kreativität Ausdruck verleihen – und etwas genauso ausdrücken wie man es sich vorstellt.

Verschieden Fotografen tun das natürlich auf verschiedene Art und Weise.

Jerry Uelsmann ist zum Beispiel ein Fotograf, der schon seit 40 oder 50 Jahren seltsame, fremdartige Welten erschafft. Wenn man sich seine Bilder anschaut, könnte man denken, dass er sie am Computer bearbeitet hat. Aber er hat seine Welten kreiert, lange bevor es Photoshop überhaupt gab. Seine fantastischen Fotomontagen wurden in einer traditionellen chemischen Dunkelkammer hergestellt, und er nutzte dabei Abdecktechniken und mehrere Negative.

Während Uelsmann auf Nachbearbeitung schwört, benutzt der Fotograf Gueorgui Pinkhassov gewöhnlich nur seine Kamera, um seiner Kreativität Ausdruck zu verleihen. Indem er versteckte Motive in Farben und Licht, in Schatten und Formen aufstöbert, welche die meisten Leute nicht mal sehen würden, kreiert er abstrakte Welten, die trotzdem noch geerdet und irgendwie bekannt wirken.

In diesem Foto hat der Fotograf, genau wie Pinkhassov, ein banales Motiv benutzt und es so gestaltet, dass es ungewöhnlich und auffällig wird. Ein einfaches Muster auf einem Fenster und das Heck eines Flugzeugs werden plötzlich zur Überraschung, und man schaut ein zweites Mal hin.

Du hast trotz des Abreisestress das Motiv gut ausgewählt und sogar noch die Zeit gefunden, eine Komposition nach den grundregeln hinzukriegen.

Mit satteren Farben und stärkeren Kontrasten, wie im Beispiel, könnte ich mir dieses Bild gut als Anfang einer schönen Serie vorstellen.

Wenn du deine Augen offenhältst, wirst du noch viel mehr solche banalen Motive entdecken, die auf deine kreative Interpretation warten. Allerdings solltest Du aufpassen, dass Du dabei nicht zu viele Flieger verpasst.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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2 Kommentare

  1. robert
    schrieb am 26. November 2008 um 13:36 Uhr (#)

    “das rudel kann warten”. glaube nicht, dass sich das gelohnt hat. die hätten ohne herrn görmann fliegen sollen.

  2. Schreibt hier auf dem Blog Peter Sennhauser
    schrieb am 27. November 2008 um 11:47 Uhr (#)

    Naja, vielleicht hätte es sich dann immer noch für Michael Görmann gelohnt. Das Bild gefällt mir jedenfalls. Aber nachdem wir hier immer wieder sagen, man soll sich Zeit nehmen für die guten Motive, können wir jetzt schwer argumentieren, so ein Verhalten sei unanständig dem “Rudel” gegenüber. Aber so ganz nüchtern betrachtet…

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