Nebelmeer:
Unsichtbares Motiv

Jan Zappner, 27. November 2008 10:14 Uhr, 0 Kommentare Kommentare

Ein Foto muss die Hauptaussage für den Betrachter in den Vordergrund rücken und sollte sie nicht verstecken.

Kommentar des Fotografen:

In der Schweiz, im Zürcher Oberland, liegt der Bachtel. Auf einer Höhe von 1115 Metern über Meer hat man im Herbst einen wunderschönen Blick auf die Alpen und das darunterliegende Nebelmeer. Als die zwei Spaziergänger durchs Motiv spazierten, drückte ich schnell ab. Die Farben bringen die Stimmung an diesem Abend schön rüber…

Profi Jan Zappner meint zum Bild von Lukas Messmer:

Ich kann Deine Begeisterung, die im Text durchklingt, sehr gut verstehen. Dieser Moment hat etwas Faszinierendes. Das Licht ist wunderschön, die Spaziergänger laufen freiwilllig als Vordergrund durch das Bild und der Nebel füllt das gigantische Tal vollständig mit einem Meer. Und ausserdem knirscht der Schnee unter den Füßen und die Hände werden kalt beim Fotografieren.

Leider kann ich das alles nicht wirklich auf dem Foto sehen.

Jedenfalls nicht eindeutig und klar. Vielmehr lese ich diese Begeisterung und die Informationen im Begleittext. Ich möchte sie aber gern sehen. Im Foto.

Was ist also schief gelaufen?

Zunächst ist es hier für mich sehr schwierig, eine eindeutige Absicht des Fotografen herauszulesen, was für ihn im Vordergrund dieses Moments steht. Ist es der Sonnenuntergang, das Nebelmeer, die Spaziergänger, der Schnee oder die Kälte?

Dadurch, dass der Nebel und der Schnee sich farblich nicht voneinander abheben, gibt es keine eindeutige Trennlinie. Deshalb ist mir das Nebelmeer anfangs kaum aufgefallen. Die Bäume sind leider lieblos im Bild plaziert und unterstützen weder eine Aufteilung des Bildes noch eine Ebenenfunktion, um dem Foto eine Tiefe zu verleihen. Die Linien im Bild verlaufen schräg, aber ohne Fluchtpunkt. Deshalb ist für mich kein Punkt ersichtlich, auf den ich mich konzentrieren kann. Der Horizont ist genau in die Mitte gelegt, was diese Informationsfülle noch unterstützt.

Besser wäre gewesen:

  1. Nachdenken, welche Information / Stimmung ich transportieren möchte;
  2. Schauen, wie ich diese Informationen soweit reduzieren (für mich Nebelmeer und Sonnenuntergang) kann, dass ich sie auch im Bild sofort erkenne.
  3. Den Horizont ins obere Drittel verlegen.
  4. Das Nebelmeer die unteren zwei Drittel ausfüllen lassen
  5. Mit einem Tele die Ebenen stauchen 6. Als Vordergrund die Silhoutte eines (!) Baums oder Menschen verwenden.

Ich freue mich auf das nächste Nebelmeer.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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