Bunte Siebziger:
Neue Farbe für das Land
In den Siebzigerjahren wurden nicht nur Tapeten und Kleiderstoffe seltsam bunt. Auch in der künstlerischen Fotografie bedeutete die “neue Farbe” einen Wendepunkt.
Bekanntester Vertreter dieser so genannten “New Color Photography” ist wohl Stephen Shore. Joe Maloney, Joel Meyerowitz und Joel Sternfeld sind vielleicht nicht ganz so prominent, aber genauso wichtig für die jüngeren Fotografengenerationen bis heute. Alle vier zusammen sind bis 11. Januar 2009 im Hamburger Haus der Photographie zu entdecken.
Der Begriff “New Color Photography” bezeichnet die Arbeiten jener Fotografen, die die Farbe damals bewusst als künstlerisches Ausdrucksmittel für sich entdeckten und konsequent mit ihr arbeiteten. Damit setzten sie sich zum Beispiel über eine Behauptung von Walker Evans hinweg, des großen alten Mannes der amerikanischen Fotografie: Fotografie in Farbe sei “vulgär”, so ein ihm zugeschriebenes Diktum. Bis heute gibt es noch Gräben zwischen der “farbigen” und der “schwarzweißen” Welt. Zur ersten Buchausgabe von Stephen Shores berühmter Serie “Uncommon Places” hieß es im Klappentext noch extra: ausschließlich Bilder in Farbe!
Der Begriff “New Color Photography” basiert auf einem Ausstellungstitel. “The New Color” hieß das Projekt, in dem 1981 in New York 45 Fotografen ausschließlich mit Farbbildern präsentiert wurden. Nur wenige von ihnen waren zu diesem Zeitpunkt bereits bekannt, etwa William Eggleston, Emmet Gowin, Joel Meyerowitz, Lucas Samaras, Stephen Shore. Auch Harry Callahan und Helen Levitt, die sich seit den Siebzigerjahren mit farbigen Fotografien beschäftigten, waren dem Publikum durch ihre früheren Schwarzweiß-Fotografien vertraut. Andere, darunter Joel Sternfeld, Mitch Epstein und Neal Slavin, waren unbekannt und erst noch zu entdecken.
Die neue, bunte Fotografie wurde weltweit aufgegriffen, so auch zum Beispiel von Andreas Gursky und Thomas Struth. So blieb die “New Color Photography” bis heute aktuell. Die Neuauflage der Publikationen “Cape Light“ von Joel Meyerowitz im Jahre 2002, von Sternfelds “American Prospects“ und Stephen Shores “Uncommon Places“ im Jahre 2004 belegt dieses Interesse. Auch die 2010 in Düsseldorf geplante Ausstellung “The Red Bully. Stephen Shore and the New Düsseldorf Photography“ soll die transatlantischen Wechselwirkungen zwischen “New Color” und deutscher Fotokunst widerspiegeln.Die Bilder in der Hamburger Ausstellung stammen sämtlich aus der Sammlung des Fotografen F.C. Gundlach. Er hatte sie bereits ganz früh erworben – kurz nach ihrer Entstehung in den damals jungen Galerien dieser sehr nachhaltig gebliebenen “neuen Farbfotografie”.
maloney, meyerowitz, shore, sternfeld – new color photography der 1970er jahre
Bis 11. Januar
Haus der Photographie / Deichtorhallen Hamburg, Deichtorstrasse 1 – 2, D-20095 Hamburg
+49 (0)40 321030, mail@deichtorhallen.de
Geöffnet Dienstag bis Sonntag 11 – 18 Uhr
Haus der Photographie / Deichtorhallen
Shore und Meyerowitz bei Masters of Photography
Wiki über Sternfeld
































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