Tobias Zielony – Trona:
Ist es leicht, jung zu sein?

Uli Eberhardt, 2. Dezember 2008 17:23 Uhr, 0 Kommentare Kommentare

Für Tobias Zielony ist es offensichtlich, dass es nicht überall leicht ist, jung zu sein. Zum Beispiel am Rande des Death Valley in einer Stadt namens Trona.

Das Foto zeigt uns: Ein junger Mann liegt am Rand eines verlassenen Sportplatzes im Staub. Eingeschlafen? Vom Fahrrad gefallen? “Trona ist eine Siedlung in der Wüste, einst eine industrielle Vorzeigestadt, heute ein sich selbst überlassener Ort auf Crystal Meth”, sagte Tobias Zielony in einem Interview. “Crystal Meth” ist eine starke Form der Designerdroge Amphetamin, so genanntes Metamphetamin.

Im Interview mit dem Berliner Tagesspiegel sagt Zielony über “Crystal Meth”:

Die Droge ist unglaublich erschöpfend für den Körper. Die Leute vergessen zu essen und können manchmal tagelang nicht schlafen. Viele, die Crystal Meth nehmen, sehen viel älter aus als sie eigentlich sind. Außerdem lässt Crystal Meth die Zähne faulen, weil der Körper weniger Speichel produziert. Dann haben die Leute ein unglaubliches Aktivitätsbedürfnis, fangen ständig irgendetwas an zu tun, können sich aber auf nichts konzentrieren. In meinen Fotografien geht es mir aber nicht um einen voyeuristischen Blick, ich will nicht nur das zeigen, was ich sehe, sondern auch, wie sich die Jugendlichen dort selbst sehen.

In Trona, der verarmten, sich selbst überlassenen Stadt, beschäftigte Zielony vor allem die Frage:

Warum passiert das hier in Trona? Es ging mir darum, diesen exzessiven Drogenkonsum mit der Geschichte des Ortes zu verbinden. Was passiert, wenn soziale Strukturen zerfallen, die Leute vom Nachbarn klauen? Die Crystal Meth-Epidemie kann der Staat nicht mehr, wie in den 1990er Jahren Crack, den Schwarzen in den Städten in die Schuhe schieben. Crystal Meth ist vor allem ein Problem der Weißen auf dem Land.

Tobias Zielony erkundet Jugendkulturen in aller Welt. Dabei interessiert ihn die Darstellung des Auftretens der Jugendlichen im öffentlichen Raum. “Diese völlig beiläufige Form des Sozialen” will er in seinen Arbeiten darstellen, die aktuell m Braunschweiger Museum für Photographie zu sehen sind. Die Ausstellung “Story/No story” gibt einen Überblick seiner Arbeiten aus den Jahren 2000 bis 2008, die unter anderem in Knowle West in Bristol, den Plattenbausiedlungen in Halle-Neustadt, den Quartiers Nord in Marseille oder dem South Central in Los Angeles entstanden sind. Eine aktuelle Arbeit aus Winnipeg, Kanada porträtiert Straßen- und Gefängnisgangs mit indianischen Wurzeln. Im Gefängnis von Stoney Mountain Penitentiary, in dem viele Gefangene aus dem ethnischen und kulturellen Kontext der Indianerbewegung stammen, hat er einen Film (The Deboard, 2008) über einen ehemaligen Gangleader gedreht.

Tobias Zielony, Jahrgang 1973, kommt aus Wuppertal und studierte Fotografie an der University of Wales in Newport. Danach absolvierte Zielony noch ein Kunststudium an der Hochschule für Grafik und Buchkunst (HGB) in Leipzig. Zur Ausstellung ist bei Hatje Cantz ein Katalog mit dem Titel “Story/No Story” erschienen. Weitere Bilder aus dem “Trona”-Projekt zeigt der Tagesspiegel zum lesenswerten Interview mit Tobias Zielony. Leider hat er wohl keine eigene Website.

Tobias Zielony – Story/No Story
Bis 25. Januar 2009
Museum für Photographie Braunschweig, Helmstedter Str. 1, D-38102 Braunschweig
+49 (0)531 75000, info@photomuseum.de
Geöffnet Dienstag bis Sonntag 13 – 18 Uhr

Museum für Photographie Braunschweig
Tagesspiegel: Interview und Bilder

» Mehr lesen: Jugendliche (6), Porträt (55), Straße (6)

» Weitere Artikel der Kategorie "Ansehen" lesen

» Nächster Artikel: 24 Stunden: Nachrichten und Features
» Älterer Artikel: Hundebild: Wer ist das?

» Drucken
» Merken/E-Mail

0 Kommentare zu diesem Artikel


2 Trackbacks

  1. Fotografie bei Arte TV: Verwahrloste und wunderbare Welten » fokussiert.com
    (21. Februar 2009 10:33)
  2. Visual Leader 2009: Das Beste vom Besten » fokussiert.com
    (21. März 2009 14:12)

Diesen Artikel kommentieren

Wir sind sehr an einer offenen Diskussion interessiert, behalten uns aber vor, beleidigende Kommentare sowie solche, die offensichtlich zwecks Suchmaschinenoptimierung abgegeben werden, zu editieren oder zu löschen. Mehr dazu in unseren Kommentarregeln.

Oder verbinde dich mit deinem Facebook-Account