Nikon Coolpix P6000 GPS im Test II:
Gute, aber langsame Bilder

Peter Sennhauser, 14. Dezember 2008 08:44 Uhr, 3 Kommentare Kommentare

Nikons Coolpix P6000 mit GPS ist eine Bridgekamera, die mit manuellen Einstellungen und RAW-Format glänzt. Die Kompakte als temporäre Stellvertretung für die SLR?

Die Bildqualität kann sich durchaus sehen lassen: Nikons Coolpix P6000 ist zwar eine kompakte Digitalkamera, aber der Sensor von 1/1.7 Zoll ist bereits eine Grössenordnung mehr, als man mit den meisten Ultrakompakten kriegt. Das scheint nicht einmal durch den neusten Megapixel-Schub auf 13.5 negativ ausgeglichen zu werden.

Fachmagazine attestieren der Nikon P6000 nicht nur eine sehr gute Auflösung und damit Schärfe bis in die Bildecken, sondern auch ein verhältnismässig geringes Rauschen. Die meisten Taschenkameras bieten heute zwar Empfindlichkeiten von 800 ISO und mehr ISO, aber was dabei herauskommt, ist kaum mehr brauchbar. Die Coolpix P6000 lässt sich auf 6400 ISO hochschrauben – bis 400 ISO ist das Rauschen dabei in einem brauchbaren Rahmen.

Wer Labortests haben will, muss woanders hin: Ich habe die Nikon Coolpix P6000 einem einfachen, wenige Tage langen Alltagstest unterzogen.

Schliesslich würde sie wohl von den meisten fokussiert.com-Lesern und Leserinnen als Zweitkamera neben der Spiegelreflex in Betracht gezogen. Unter diesem Aspekt haben wir schon andere Kompaktkameras unter die Lupe genommen.

Die (leider nicht zuletzt wegen des Vorserienmodells) nicht nur positiven Erfahrungen in der Handhabung und mit dem eigentlichen Trumpf der P6000, dem eingebauten GPS, habe ich im ersten Bericht dargelegt.

Hier möchte ich noch ein paar Worte zur Fotografie mit dem Leichtgewicht verlieren und einige Testbilder zeigen.

Ich habe eine grundsätzliche Liebe Mühe mit den Kompaktkameras jeder Couleur, weil sie unabhängig von der Qualität ihrer Optik und aller Schikanen niemals den Schärfentiefeneffekt einer Spiegelreflex vorweisen können.

Da ist die Nikon Coolpix P6000 logischerweise keine Ausnahme: Werr etwas Kompaktes kauft, muss sich im Klaren sein, dass Freistellen oder auch nur schon Blickführung durch selektive Schärfe fast unabhängig von der gewählten Blende – und Bridge-Kameras wie die P6000 zeichnen sich ja just dadurch aus, dass im manuellen Modus Belichtungszeit und Blende gewählt werden können – weitgehend ein Ding der Unmöglichkeit sind.

Positiv überrascht hat mich die Belichtungsmessung, die auch mit harschen Kontrasten in der Matrixmessung oder bei komplexen Szenen, zum Beispiel mit dunklem Schaufensterinhalt und heller Umgebung, gut zurecht kommt.

Vergeblich gesucht und mangels Handbuch nicht gefunden habe ich einen Belichtungsspeicher. Das ist leider eines dieser Elemente, die auch bei gehobenen Kompakten häufig irgendwo in einer Doppelbelegung einer Taste versteckt werden, für mich aber absolut zentral für eine wirkliche Kontrolle über die Bildkomposition sind. Wenn aber Fokus und Belichtung nur gemeinsam via halb gedrücktem Auslöser gespeichert werden können, lässt sich kein Bild vernünftig komponieren. Ich will Schärfe und Spotmessung unabhängig voneinander kontrollieren können.

Die Manuelle Scharfstellung wird wie bei Kompakten dieser Grösse üblich (wenn sie überhaupt die manuelle Fokussierung erlauben) mit einer Ausschnittvergrösserung auf dem Monitor unterstützt, die bei unserem Montags-Testmodell nicht funktionierte.

Zusammen mit einem elektronischen Indikator, der das Auge unterstützt, ist das wohl das höchste der Gefühle – der Sucher ist, wie bereits mehrfach gesagt, für die Bildkomposition fast und für die Fokussierung definitiv nicht zu gebrauchen. Ich würde eine solche Kompakte grundsätzlich nur mit Autofokus betreiben.

Das Objektiv der Nikon Coolpix P6000 bietet mit einem KB-äquivalenten Brennweitenbereich von 28-112mm alles, was man sich unterwegs wünscht, vom Weitwinkel bis zum leichten Tele. Ausserdem ist ein weitwinkelkonverter mit Faktor 0.76 erhältlich. Da erklärt sich dann auch die Entzerrungsfunktion bei den in der Kamera integrierten Bildbearbeitungsoptionen.

Die Elektronik der kleinen Coolpix hat überhaupt einiges von den grossen Nikons abgekriegt. Neben dem auffällig geringen Rauschen (nicht ganz bis zur Empfindlichkeitsspitze von 6400, da rauschts dann doch erheblich) glänzt die P6000 mit Active-D-Lighting zur vergrösserung des Kontrastumfangs bei der Aufnahme und zugleich einer Funktion, welche in den belichteten Bildern die dunklen Stellen anhebt. Letzteres ist für Fotografen, die mit dem RAW-Format (.NRW) arbeiten, nicht erheblich.

Ein Wort zu RAW: Zu viele Megapixel sind nicht nur ein Problem, weil die winzigen Sensoren die eigentlich zu erwartende Auflösung kaum hergeben und die Empfindlichkeit abnimmt. Zugleich wachsen auch die Dateigrössen.

Das freut die Speicherverkäufer – und ärgert den Fotografen, wenn er trotz einer anständig schnellen SD-Karte in der Nikon Coolpix P600 nach jedem Auslösen einige Sekunden warten muss, bis das 13.5 Megapixelbild in den Speicher geschrieben wurde.

Fazit

Wenn schon Kompaktkamera, dann nur eine mit RAW-Funktionen – und da stehen bisher für mich die Canon G9 und jetzt die Nikon P6000 aus der Masse heraus: Beide erlauben eine SLR-ähnliche Bedienung und bieten eine angesichts der Winzsensoren recht gute Bildqualität.

Für die neue Nikon sprechen ihr geringes Gewicht, die in Labortest von Zeitschriften wie ColorFoto attestierte hohe Auflösung bis in die Ecken, der hervorragende Bildstabilisator und natürlich neu das GPS – so es denn funktioniert, was leider bei meinem Testexemplar nicht der Fall war.

Was nervt, ist der unbrauchbare Sucher, der nicht aufzufindende Belichtungsspeicher, die langsame Schreibgeschwindigkeit beim RAW-Fotografieren und der relativ hohe Preis von 480 Euro.

Alles in allem aber eine weit überdurchschnittliche Kompaktkamera, die die Bezeichnung “Bridgekamera” durchaus verdient und mit dem GPS ein Zeichen setzt: Den Geotag-Chip dürften wir spätestens in zwei Jahren in allen Kompakten finden. Er würde derzeit, wenn ich mich zwischen der Canon G9 und der P6000 entscheiden müsste, den Ausschlag für die Nikon geben.

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3 Kommentare

  1. Zippo
    schrieb am 14. Dezember 2008 um 10:11 Uhr (#)

    “nach jedem Auslösen einige Sekunden warten”
    Tatsächlich?
    Damit wäre ja die Kamera für sich bewegende Objekte praktisch unbrauchbar?

    Viele Grüße von Zippo!

  2. Schreibt hier auf dem Blog Peter Sennhauser
    schrieb am 14. Dezember 2008 um 10:40 Uhr (#)

    Zippo: Nur, wenn Du in RAW fotografierst – und möglicherweise hatte ich auch nicht die schnellste Speicherkarte drin, leider kann ich das nicht mehr verifizieren. P6000-Besitzer – bitte Auskunft erteilen…

  3. lmb
    schrieb am 14. Dezember 2008 um 20:54 Uhr (#)

    Interessanterweise ist gerade die Empfindlichkeit beim
    Chip-Test durchgefallen. Da wurde die Canon G10 empfohlen. Ich werde wohl nicht drum herum kommen mal beide Kameras auszuprobieren und danach ein Fazit ziehen was für mich besser ist.

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