Kaffeepause:
Verspieltes Stillleben

Chrom und Stahl und Keramik und Licht sind eine fast todsichere Mischung. Effekthascher kommen damit auf ihre Kosten.


Kommentar des Fotografen:

Dieses inszinierte Stillleben zeigt die subtile Bedeutung von Zeit in Genuss-Leben. Schnell mal einen Espresso zwischendurch – oder sich Zeit für eine Auszeit für einen Kaffeegenuss nehmen. Dieses Foto habe ich noch mit meiner alten Schnappschusskiste (Canon IXUS) gemacht und ist doch eines meiner Favoriten.

Peter Sennhauser meint zum Bild von S.F.:

Kaffe und Zeit – ziemlich gradeaus, dieses Bild. Das wäre so eines von diesen Themenpostern, die wir uns früher an die Teenager-Zimmerwand genagelt haben, gleich neben den Starschnitten, die allerdings meistens fotografisch nicht halb so gut umgesetzt und dafür noch mit einem eher peinlichen als originellen Spruch bedruckt waren.

Ich kann Deine Vorliebe für das Bild gut verstehen.

Ich finde es, ehrlich gesagt, zwar wirklich etwas plump, aber das ist Geschmack und nicht fotografische Technik – und was die angeht, ist die Aufnahme, vor allem, da sie mit einer Kompakten entstanden ist, einen Applaus wert.

Ich kann mir zwar nicht ganz erklären, woher Du das blaue Licht hast, aber es ist sehr effektiv: Chrom und farbiges Licht, das sich darin reflektieren kann, sind eine todsichere Masche für einen guten Effekt.

Der spielt hier bei Dir nur eine Nebenrolle, und das ist gut so – aber er spielt sie gut: Dass das Licht in der Untertasse ebenfalls reflektiert wird, schliesst das Bild von oben nach unten ab.

Die Uhr ist nett und grade unruhig genug, um das Bild davor zu retten, langweilig oder wie die Werbung für eine Kaffeemaschine zu wirken. Die Aussage ist simpel und eindeutig, die Umsetzung den Umständen entsprechend sehr gut. Ich kenne mich mit Studio- und Kunstlichtbeleuchtung nicht grade wirklich gut aus, aber ich würde behauten, Du hättest hier allenfalls die gleissende Reflexion im oberen Spritzschutz und die Spiegelung im Uhrenglas verhindern können. Das sind aber Details, die ich bei einer grösseren Übungsanlage mit einer etwas ausgereifteren Ausrüstung erwarten würde.

Ein weiterer Kritikpunkt wäre allenfalls der Fokus, den Du auf die beiden Kaffee-Ausläufe gelegt hast – ich hätte die Schärfe auf den Uhrenzeigern erwartet, die noch dazu weiter vorne liegen und damit dem minimen Schärfentiefeneffekt die Kante genommen hätte.

Damit wären wir bei einem Punkt, mit dem man bei solchen Stillleben und unseren grossen Spiegelreflexkameras neben der Ausleuchtung und dem Effekthaschen ebenfalls noch spielen könnte: Dank grosser Blende die Tiefe mit der Schärfe nachzeichnen und eine klare Betonung auf dem Kaffeefluss und / oder die Uhr legen.

Ich wäre jedenfalls gespannt zu sehen, was Du mit der SLR und solch einer Studioanlage anstellst.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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1 Kommentar

  1. S.F.
    schrieb am 16. Dezember 2008 um 11:32 Uhr (#)

    Hi Peter!

    Herzlichen Dank für Deine Kritik! Es hat mich über alle Maßen gefreut, das meine aller erste Bewertung positiv ausgefallen ist. Mal sehen, was die Zukunft bringt…

    Um ein paar Deiner offenen Fragen zu beantworten:

    (x) Das blaue Licht kommt von der Kaffeemaschine selbst (blaue LEDs)!

    (x) Die Reflexion am Griff kommt vom Blitz, denn ich mit niedrigst möglicher Einstellung verwendet hatte. Das war es dann aber auch schon mit kontrollierten Vorgaben – den Rest entschied die Kompakte für sich selbst.

    (x) Die Spiegelungen im Uhrenglas hatte ich ebenfalls versucht zu verhindern, funktionierte aber leider nur mit geänderter Perspektive oder verdunkeltem Zimmer. Da die Aussage des Bilder aber nur in der 90° Frontale wirklich rüberkommt, habe ich die anderen Fotos verworfen.

    Ich würde mich sehr freuen, wenn auch eines meiner neuen (DSLR-) Fotos Deine professionelle Kritik erfahren würde!

    Liebe Grüße aus Wien,
    Stefan

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