Gisèle Freund:
Wiedersehen zum Hundertsten

Gisèle Freund wäre am 19. Dezember 100 Jahre geworden. Wir können ihr in einer ganzen Reihe von Ausstellungen wieder begegnen.

Berühmt wurde Giséle Freund als Fotoreporterin für die Zeitschriften Life, Time Magazine, Picture Post und für die Agentur Magnum, als Soziologin und Theoretikerin der Fotografie, vor allem aber auch als leidenschaftliche Porträtistin der internationalen Literatur-Avantgarde von Paris, von Künstlern und Philosophen.

Giséle Freund verwendete eine damals bahnbrechende Neuentwicklung – den 1938 neu auf den Markt gekommenen Farbnegativfilm. 1933 zwang die Machtübernahme der Nationalsozialisten die in Berlin geborene Studentin der Soziologie bei Theodor Adorno, Karl Mannheim und Norbert Elias in die Emigration nach Paris. Auf der Flucht im Gepäck: ihre Leica. Ihr weiteres Leben wurde in ganz andere Bahnen gelenkt als vorgesehen – die Fotografie wurde zu ihrem Lebensunterhalt.

In Paris war Giséle Freund auf sich allein gestellt und suchte ihr Umfeld in der Schicksalsgemeinschaft anderer Emigranten. Von ganz wenigen Auftragsporträts abgesehen, zum Beispiel für André Malraux oder James Joyce, dokumentierte sie ihre privaten Begegnungen mit Walter Benjamin, T. S. Eliot, Paul Valéry, André Gide, Jean Cocteau, André Breton, Louis Aragon, Jean-Paul Sartre, Simone de Beauvoir, Thornton Wilder, Peggy Guggenheim, Marcel Duchamp, Colette, George Bernard Shaw, Virginia Woolf und vielen anderen.

Die Aufnahmen sind fast beiläufig während des Gesprächs entstanden und zeigen eine große Vertrautheit. Die Ausstellung im Berliner Willy-Brandt-Haus zeigt 100 Fotografien aus ihrem Porträtwerk – und es sind oft die einzigen Farbfotografien der Dargestellten. Auch die Ausstellung in der Versicherungskammer Bayern in München widmet sich den Porträts und den Reportagen.

Anders eine weitere Ausstellung im Ephraim-Palais Berlin: 1957 besuchte Giséle Freund erstmals wieder ihre Geburtsstadt Berlin, in die sie eigentlich nie zurückkehren wollte. Diese Rückkehr ist eine bewegende Reise mit widersprüchlichen Eindrücken geworden.

Gezeigt werden ihre Berlin-Fotografien aus den Jahren 1957 bis 1962. Die Aufnahmen dokumentieren die Zerstörung und den baulichen Neubeginn Berlins und zeigen ein Abbild vom Alltag der Bewohner in der nun geteilten Stadt. Den Arbeiten Gisèle Freunds werden hier Arbeiten zeitgenössischer Berliner Fotografen zur Seite gestellt, die sich ebenfalls in der Stadt auf Spurensuche begeben haben.

Gisèle Freund – Reportagen und Portraits zum 100. Geburtstag
Bis 18. Januar 2009
Willy-Brandt-Haus, Stresemannstr. 28, D-10963 Berlin
+49 (0) 30 / 259 93 785, presse@freundeskreis-wbh.de
Dienstag – Sonntag 12 – 18 Uhr. 24., 25. und 31. Dezember sowie am 1. Januar 2009 geschlossen.

Gisèle Freund – Wiedersehen mit Berlin 1957-1962
Bis 8. Februar 2009
Ephraim-Palais – Stiftung Stadtmuseum Berlin, Poststraße 16, D-10178 Berlin
+49 (0)30 24002-162, info@stadtmuseum.de
Geöffnet Dienstag, Donnerstag bis Sonntag 10 – 18 Uhr, Mittwoch 12 – 20 Uhr

Gisèle Freund – Photographien und Erinnerungen
Bis 18. Januar 2009
Kunstfoyer der Versicherungskammer Bayern, Maximilianstraße 53, München
+49 (0) 89 / 21 60 – 0,
Geöffnet täglich 9 – 19 Uhr, feiertags geschlossen, Eintritt frei

Wikipedia über Giséle Freund
Willy-Brandt-Haus
Ephraim-Palais – Stadtmuseum Berlin
Versicherungskammer Bayern

Mehr lesen

Oskar Barnack Preis 2011: Sieger ist Fotograf Jan Grarup

20.6.2011, 0 KommentareOskar Barnack Preis 2011:
Sieger ist Fotograf Jan Grarup

Die Entscheidung ist gefallen: Der «Leica Oskar Barnack Preis 2011» geht an den dänischen Fotografen Jan Grarup. Die Jury wählte seine Fotostrecke «Haiti Aftermath» zum Sieger. Den zweiten Preis, den «Leica Oskar Barnack Nachwuchspreis 2011» erhält Jing Huang aus China für seine Fotoreportage «Pure of Sight».

Fotoespresso 2/2010: Über das neue Photoshop CS5

7.5.2010, 0 KommentareFotoespresso 2/2010:
Über das neue Photoshop CS5

Was bringt Photoshop CS5 den Fotografen? Fotoespresso 2/10 gibt Antworten.

U-Bahn \

10.11.2009, 7 KommentareU-Bahn "Straßenfoto":
Symmetrie muß Sinn ergeben

Perfekte Symmetrie in einem Foto kann sehr interessant wirken, wenn sie bewußt und wirkungsvoll eingesetzt wird.

Robert Häusser: Fotografie und Lyrik

5.1.2011, 1 KommentareRobert Häusser:
Fotografie und Lyrik

Robert Häusser - die Fotografien dieses Klassikers der deutschen Fotografie sehen wir aktuell in Köln zusammen mit eigens dazu verfassten Gedichten.

Fotoespresso 2/2010: Über das neue Photoshop CS5

7.5.2010, 0 KommentareFotoespresso 2/2010:
Über das neue Photoshop CS5

Was bringt Photoshop CS5 den Fotografen? Fotoespresso 2/10 gibt Antworten.

Elger Esser: Motive in ihrer \

21.12.2009, 5 KommentareElger Esser:
Motive in ihrer "Eigenzeit"

Elger Esser fotografiert Landschaften, als wären es Stücke aus der Frühzeit der Fotografie: Losgelöst aus der aktuellen Zeit.

Paolo Pellegrin: Der glaubwürdige Zeuge

28.12.2011, 0 KommentarePaolo Pellegrin:
Der glaubwürdige Zeuge

Magnum-Fotograf Paolo Pellegrin sieht sich als glaubwürdigen, verantwortlichen Zeugen der Ereignisse, von denen er uns berichtet: Krieg, Katastrophen, Elend.

Elliott Erwitt: Ernsthaft unernst

27.6.2011, 1 KommentareElliott Erwitt:
Ernsthaft unernst

Von Elliott Erwitt wissen wir, dass er ernsthaft nicht ernst sein will. Ebenso unernst sind seine Fotografien – mal mehr, mal weniger.

Thomas Hoepker: Verflossene DDR

10.6.2011, 0 KommentareThomas Hoepker:
Verflossene DDR

Mit Magnum-Fotograf Thomas Hoepker blicken wir zurück die deutsche Geschichte: in Ansichten aus der verflossenen DDR.

Fischaugen-Turm: Originelles Souvenir

22.12.2011, 4 KommentareFischaugen-Turm:
Originelles Souvenir

Must-Have-Motive tauchen im Leben jedes Fotografen auf. Das eigene, sich von der Masse unterscheidende Bild davon zu machen, ist der richtige Ehrgeiz.

Nachtaufnahme mit Sternlichtern: Mehr Spannung durch Vordergrund

19.11.2009, 1 KommentareNachtaufnahme mit Sternlichtern:
Mehr Spannung durch Vordergrund

Sterneffekte lassen sich auch ohne Filter oder Photoshop erzielen. Allein davon kann ein Bild aber nicht leben.

Sarah Moon: Bilder mit Mode

18.11.2009, 0 KommentareSarah Moon:
Bilder mit Mode

Sarah Moon macht Modefotografien, aber es sind ihre ganz eigenen Bilder mit Mode - unverwechselbar.

Picasso im Fotoportrait: «Ichundichundich»

8.2.2012, 0 KommentarePicasso im Fotoportrait:
«Ichundichundich»

Eigentlich ist «Ichundichundich - Picasso im Fotoportrait» (Hatje Cantz) ein Ausstellungskatalog. Das Buch ist jedoch auch für Fotografen von großem Interesse. Denn auf knapp 280 Seiten vereint er den Blick von 34 namhaften Fotografen auf einen Titanen des 20. Jahrhunderts.

Schwarzweiß-Porträt: Das Teufelskind

7.2.2012, 1 KommentareSchwarzweiß-Porträt:
Das Teufelskind

Für effektvolle Fotos braucht man nicht viel. Mit einfachen Hilfsmitteln und einer guten Idee lassen sich beeindruckende Aufnahmen machen.

Paolo Woods/Serge Michel: Der wirkliche Iran

7.12.2011, 1 KommentarePaolo Woods/Serge Michel:
Der wirkliche Iran

Wie leben die Menschen im Iran wirklich - ungeachtet aller Vorurteile? Das wollten Paolo Woods und Serge Michel mit ihrer Arbeit "Land des Lachens - Land der Tränen" herausfinden.

Diesen Artikel kommentieren

Wir sind sehr an einer offenen Diskussion interessiert, behalten uns aber vor, beleidigende Kommentare sowie solche, die offensichtlich zwecks Suchmaschinenoptimierung abgegeben werden, zu editieren oder zu löschen. Mehr dazu in unseren Kommentarregeln.