Gisèle Freund:
Wiedersehen zum Hundertsten

Uli Eberhardt, 19. Dezember 2008 11:41 Uhr, 0 Kommentare Kommentare

Gisèle Freund wäre am 19. Dezember 100 Jahre geworden. Wir können ihr in einer ganzen Reihe von Ausstellungen wieder begegnen.

Berühmt wurde Giséle Freund als Fotoreporterin für die Zeitschriften Life, Time Magazine, Picture Post und für die Agentur Magnum, als Soziologin und Theoretikerin der Fotografie, vor allem aber auch als leidenschaftliche Porträtistin der internationalen Literatur-Avantgarde von Paris, von Künstlern und Philosophen.

Giséle Freund verwendete eine damals bahnbrechende Neuentwicklung – den 1938 neu auf den Markt gekommenen Farbnegativfilm. 1933 zwang die Machtübernahme der Nationalsozialisten die in Berlin geborene Studentin der Soziologie bei Theodor Adorno, Karl Mannheim und Norbert Elias in die Emigration nach Paris. Auf der Flucht im Gepäck: ihre Leica. Ihr weiteres Leben wurde in ganz andere Bahnen gelenkt als vorgesehen – die Fotografie wurde zu ihrem Lebensunterhalt.

In Paris war Giséle Freund auf sich allein gestellt und suchte ihr Umfeld in der Schicksalsgemeinschaft anderer Emigranten. Von ganz wenigen Auftragsporträts abgesehen, zum Beispiel für André Malraux oder James Joyce, dokumentierte sie ihre privaten Begegnungen mit Walter Benjamin, T. S. Eliot, Paul Valéry, André Gide, Jean Cocteau, André Breton, Louis Aragon, Jean-Paul Sartre, Simone de Beauvoir, Thornton Wilder, Peggy Guggenheim, Marcel Duchamp, Colette, George Bernard Shaw, Virginia Woolf und vielen anderen.

Die Aufnahmen sind fast beiläufig während des Gesprächs entstanden und zeigen eine große Vertrautheit. Die Ausstellung im Berliner Willy-Brandt-Haus zeigt 100 Fotografien aus ihrem Porträtwerk – und es sind oft die einzigen Farbfotografien der Dargestellten. Auch die Ausstellung in der Versicherungskammer Bayern in München widmet sich den Porträts und den Reportagen.

Anders eine weitere Ausstellung im Ephraim-Palais Berlin: 1957 besuchte Giséle Freund erstmals wieder ihre Geburtsstadt Berlin, in die sie eigentlich nie zurückkehren wollte. Diese Rückkehr ist eine bewegende Reise mit widersprüchlichen Eindrücken geworden.

Gezeigt werden ihre Berlin-Fotografien aus den Jahren 1957 bis 1962. Die Aufnahmen dokumentieren die Zerstörung und den baulichen Neubeginn Berlins und zeigen ein Abbild vom Alltag der Bewohner in der nun geteilten Stadt. Den Arbeiten Gisèle Freunds werden hier Arbeiten zeitgenössischer Berliner Fotografen zur Seite gestellt, die sich ebenfalls in der Stadt auf Spurensuche begeben haben.

Gisèle Freund – Reportagen und Portraits zum 100. Geburtstag
Bis 18. Januar 2009
Willy-Brandt-Haus, Stresemannstr. 28, D-10963 Berlin
+49 (0) 30 / 259 93 785, presse@freundeskreis-wbh.de
Dienstag – Sonntag 12 – 18 Uhr. 24., 25. und 31. Dezember sowie am 1. Januar 2009 geschlossen.

Gisèle Freund – Wiedersehen mit Berlin 1957-1962
Bis 8. Februar 2009
Ephraim-Palais – Stiftung Stadtmuseum Berlin, Poststraße 16, D-10178 Berlin
+49 (0)30 24002-162, info@stadtmuseum.de
Geöffnet Dienstag, Donnerstag bis Sonntag 10 – 18 Uhr, Mittwoch 12 – 20 Uhr

Gisèle Freund – Photographien und Erinnerungen
Bis 18. Januar 2009
Kunstfoyer der Versicherungskammer Bayern, Maximilianstraße 53, München
+49 (0) 89 / 21 60 – 0,
Geöffnet täglich 9 – 19 Uhr, feiertags geschlossen, Eintritt frei

Wikipedia über Giséle Freund
Willy-Brandt-Haus
Ephraim-Palais – Stadtmuseum Berlin
Versicherungskammer Bayern

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