Göran Gnaudschun:
Die Intensität im Bild

Göran Gnaudschuns Porträts stellen die Frage nach dem Innen und dem Außen – das Auge genau an der Grenze und die Seele innendrin. Charakter und Seele könne man nicht darstellen, meint Gnaudschun, aber eine Intensität im Bild erzeugen.

Göran Gnaudschun zeigt seine seit 2005 entstandenen “Neuen Portraits” derzeit in einer Ausstellung im Kunstraum Potsdam unter dem Titel “Innen und Außen”. Zwei weitere Bildserien sind dort ebenfalls zu sehen, nämlich “Inseln” und “Luft berühren”.

Göran Gnaudschun schreibt über seine Porträts:

“Mich interessiert während des Portraitprozesses der Moment, an dem sich der Blick von außen nach innen zu richten scheint. Ich glaube an ein Außen und ein Innen, an der Grenze dazwischen ist das Auge, ist der Blick, ist das “Augenlicht“, das die Außenwelt formt, interpretiert, erleuchtet. Man kann nicht das Seelenleben eines Menschen fotografieren, nicht mal den Charakter kann man zur Darstellung bringen, aber ich kann mit Hilfe des Blickes, des Gesichtsausdruckes, der Haltung und des Lichtes eine Intensität im Bild erzeugen.”

In der Serie “Inseln” ist Gnaudschun auf der Suche nach Baumgruppen, die für ihn eben wie Inseln dastehen: die Kiefern auf dem abgeernteten, umgegrabenen Feld; der Himmel, an dem die Wolken so gleichmäßig verteilt sind, dass er als Fläche wirkt. Göran Gnaudschuns Gedanken dazu: Ein bestellter Acker, umgegrabenes Land, auf dem aber noch nichts wächst – Ende und Neubeginn in einer Landschaft, die regungslos verharrt. Es gibt keinen Wind, kein Tier und keine Veränderung, alles ist am Anfang.

Die dritte Serie trägt den Titel “Luft berühren” und zeigt Häuserzeilen, Baumkronen, Stadtlandschaften, eine Decke, Laub und Wolken. Gewöhnliches, Flüchtiges und scheinbar Beiläufiges, das vom direkten Interesse des Fotografen für seine Umgebung und von Versuchen der Bildfindung erzählt – von scheinbar Vertrautem, das aber im Moment des Gewahrwerdens auf eine beunruhigende Art fremd wird.

Göran Gnaudschun über seine Arbeit:

“Meine Bilder sind deutungsoffen, weil das Bild im Inneren des Betrachters entsteht und jeder das, was er sieht, mit vielem verbindet, was er selbst erlebt hat, was er vermittelt bekam und was sich bei ihm, vielleicht aufgrund von ähnlichen Persönlichkeitsmerkmalen, mit dem Ansatz und der Sicht des Künstlers vereinigt. Ob der Betrachter die Offenheit, die ich meine, erkennt, liegt in ihm selbst. Die „Inseln“ und die „Portraits“ sind zwei Arbeiten, die sich nicht gegenseitig bedingen, die sich aber gegenseitig ergänzen können. Jede nimmt einen Teil der anderen auf. Das Zurückgeworfenwerden auf sich selbst und das Sichverlieren, zwei Pole zwischen denen Kunstbetrachtung stattfindet.”

Gnaudschun, Jahrgang 1971, wurde in Potsdam geboren und studierte an der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst künstlerische Fotografie bei Timm Rautert. Auf seiner Website finden wir seine Serien, mit denen er weiter beschäftigt ist. Außerdem finden wir dort eine Reihe von Texten, zu denen Gnaudschun und andere Autoren sich zu seiner Arbeit äußern. Gnaudschun arbeitet in einem Netzwerk namens lux Fotografen mit weiteren Fotokünstleren zusammen, die anzuschauen sich ebenfalls lohnt.

Göran Gnaudschun – Innen und Außen
Kunstraum Potsdam, Einrichtung des Waschhaus e.V., Schiffbauergasse 4d, D-14467 Potsdam
+49 (0)331-2715630, info@kunstraumpotsdam.de
Geöffnet Mittwoch bis Freitag 12 – 18 Uhr, Samstag, Sonntag 11 – 18 Uhr
24. Dezember bis 1. Januar geschlossen

Göran Gnaudschun
Kunstraum Potsdam

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5 Kommentare

  1. Paul
    schrieb am 22. Dezember 2008 um 14:45 Uhr (#)

    Mein erster Impuls war, etwas zu diesen Bildern und den Worten zu sagen. Aber dann entsann ich mich glücklicherweise an den guten alten Spruch “Hier schweigt des Sängers Höflichkeit”.

  2. Corinne ZS
    schrieb am 22. Dezember 2008 um 22:59 Uhr (#)

    Ich kann auch überhaupt nicht nachvollziehen, was die Bilder (und die Besprechung der Ausstellung) sollen. Die Porträts scheinen zumindest technisch gut gemacht. Gemessen z. B. an Marc Horns Porträt von Sophia Coppola, gesehen in der Ausstellung “Traumfrauen”, Deichtorhallen Hamburg, sind sie aber … (siehe Kommentar oben). Die anderen Bilder würden auf fokussiert.com wohl nicht einmal kritisiert. Und wenn, dann kämen sie schlecht weg, sehr schlecht, fürchte ich. Was sehen Sie denn in den Bildern, was sie sehenswert machen könnte, Herr Eberhardt? Ich sehe lauter gar nichts. Nicht einmal gekonnte Provokation. Besonders nichtssagend sind für mich z. B. die Baumkronen aus der Serie Festland. Leider nicht das einzige völlig unverständliche Bild. Help, please!

  3. Schreibt hier auf dem Blog Uli Eberhardt
    schrieb am 23. Dezember 2008 um 11:02 Uhr (#)

    Ich hatte mich kürzlich mit einem gestandenen Fotografen unterhalten, der in der Tradition der klassischen Street- und Reportagefotografie steht. Er sagte, zur Arbeit vieler der jüngeren Fotografen empfinde er oft nichts als Langeweile. Er drückte damit einen tiefen Unterschied der Lebensauffassungen aus – und ganz ähnlich ist es hier wohl mit dem vorgestellten Fotografen gegangen. Es geht nicht immer darum, Positionen und Bilder vorzustellen, die “gut” sind oder die ich persönlich sehr mag (wer immer “das Gute” in technischer oder ästhetischer Hinsicht definiert). Vielmehr geht es auch um die wunderbare Vielfalt der Lebensanschauungen und der daraus fließenden bildnerischen Werke. Von konträren, abseitigen, ungewöhnlichen, gar langweilig scheinenden Positionen lernen wir in der Regel mehr als von denjenigen, die unsere Aufassung bestätigen. Interessant sind sie allemal. Wer nun gar nichts damit anfangen will, klickt einfach weiter. Wo ist das Problem?

  4. Paul
    schrieb am 23. Dezember 2008 um 11:29 Uhr (#)

    “Von konträren, abseitigen, ungewöhnlichen, gar langweilig scheinenden Positionen lernen wir in der Regel mehr als von denjenigen, die unsere Aufassung bestätigen.”

    DAS steht aber leider nicht oben im Artikel, sondern nur hier unten in den Kommentaren. In Ihrer Überschrift steht etwas von “Intensität”. Die Intensität der Langeweile?

    Aber wie sagt der gequirrlte Poesiealbum-Quatsch in den Selbstverständigungstexten des Fotografen so schön: das ist natürlich alles deutungsoffen.

    Zurückgeworfen auf mich selbst verabschiede ich mich deshalb gerne in den Pol des Michverlierens.

  5. Corinne ZS
    schrieb am 23. Dezember 2008 um 23:14 Uhr (#)

    Mein Leben ist zu kurz für Beliebigkeit. Ich finde auch nicht jeden Menschen interessant. Und nicht jede Fotografie. Und da wir manchmal bei Fokussiert.com reinschauen, um zu lernen, wie wir bessere Fotos machen können, verstehe ich nicht, warum nicht ein Fotograf, eine Fotografin vorgestellt wurde, der etwas zu sagen, äh, zeigen hat.

    Mein aktuelles Lieblingsporträt findet Ihr hier: http://art-magazin-websho…?bid=11010&cp=3

    Danke Mike Horn: So schön kann einfach sein!

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