Nachtaufnahme:
Glanz und Glimmer

Nächtliche Lichter in der Unschärfe verleihen so manchem Motiv einen speziellen Rahmen – und wenn es dann noch inhaltlich passt und durch den Lichterzauber glänzt, kann der Fotograf aus dem Vollen schöpfen.

Kommentar des Fotografen:

Das Bild zeigt eines der typischen Fernrohre, wie man sie bei verschiedenen Sehenswürdigkeiten findet. In diesem Fall wurde das Bild auf dem Eiffelturm in Paris aufgenommen. Ich wollte nicht nur einfach die Stadt bei Nacht ablichten, sondern habe versucht, einen etwas anderen Blick auf die Dinge einzufangen. Gut gefallen hatten mir in diesem Moment die Spiegelungen der vielen Lichter auf dem Fernrohr, so dass der doch normalerweise eher nüchterne Gegenstand einen ganz anderen Charakter erhält.

Peter Sennhauser meint zum Bild von Sascha Fiedler:

Das ist einer von den Hinguckern, denen ich mich einfach nicht entziehen kann. Auf den ersten Blick nicht ganz klar, auf den zweiten unheimlich plastisch, auf den dritten eine Entdeckungsreise – und drei Blicke muss sich eine Fotografie erst mal verdienen.

Dabei ist das Bild inhaltlich, ehrlich gesagt, nicht grade ein Knaller. Das muss es aber auch nicht sein:

Hier ist die Summe der Reize so gross, dass ich auch weiter hinschaue, nachdem ich begriffen habe, dass hier ein fernrohr vor einem unscharfen Stadthintergrund abgebildet ist und sonst nichts.

Denn das Fernrohr wandelt sich, wie Du richtig gesehen hast, durch die Lichter in eine Wundertüte, bietet aber an sich schon einiges zum betrachten: Keins dieser schrecklich langweiligen, grauen Monstrums, sondern ein golden glänzendes Messinginstrument mit Zielvorrichtung. Allein hier schaue ich schon mal hin.

Danach versuche ich, die Stadt in der Unschärfe zu identifizieren, schweife dem Horizont entlang und von der kahlen linken Bildhälfte ins Lichtermeer im rechten Drittel, und von dort zurück in die Reflexionen im Fernrohr, die aus den runden Lämpchen wunderbarerweise lange, bunte Striche machen.

Mir gefallen hier die Komposition, das Motiv und die technische Umsetzung. Die ganz besonders, weil Du es mit der Schärfentiefe geschafft hast, das fernrohr praktisch aus dem Bild herausragen zu lassen.

An dieser Stelle fallen mir dann aber doch zwei Punkte auf, die ich verbesserungswürdig finde. Erstens ist die Blende mit 3.5 etwas gar gross gewählt, sprich: Das Okular des Fernrohrs ragt aus dem Schärfefeld heraus – das stört mich, bei genauem Hinsehen, doch ziemlich. Eine etwas kleinere Blende und/oder ein wenig mehr Abstand plus den Fokuspunkt etwas näher am hinteren Fernrohrende gesetzt, hätte sich das umgehen lassen.

Zweitens irritieren mich die Fingerabdrücke auf der Hinteren Platte des Fernrohrs. Der Gegenstand war hier Dein Motiv, das Du mit dem Lichterglanz verwandeln wolltest. Man könnte jetzt sagen, die schmierigen Fingerabdrücke bringen einen Hauch Realität in dieses unwirklich scheinende Bild zurück – mich stören sie, und vielleicht hätten sich auf dieser Fläche mit einer leichten Drehung (und nach dem Polieren) weitere Glanzpunkte platzieren lassen.

Ansonsten: Idee gut umgesetzt – das Gegenteil (Fokus auf der Stadt) wäre ein interessanter Kontrapunkt; die Idee an anderen Gegenständen umgesetzt vielleicht eine spannende Serie.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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2 Kommentare

  1. Zippo
    schrieb am 25. Dezember 2008 um 16:31 Uhr (#)

    Das Bild ist ganz große Klasse!

    Eine neue Sicht auf eine alltägliche Szene.

    Viele Grüße von Zippo!

  2. sascha
    schrieb am 25. Dezember 2008 um 19:35 Uhr (#)

    dankeschön ;)
    auch für die wertung. die stadt in den fokus zu nehmen hatte ich auch probiert, jedoch mit bescheidenem erfolg…^^
    schöne feiertage!

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