AF DC-Nikkor 135 mm 1:2 D im Test:
(De-) Fokus aufs Detail

Ein lichtstarkes Objektiv erlaubt es, insbesondere im Telebereich, die Schärfe sehr selektiv auf Bilddetails und einzelne Personen zu setzen. Das Nikon AF DC-Nikkor 135 mm 1:2 D bietet außerdem eine “Defocus-Control”. Ist diese in der Praxis von Nutzen?

Nikon D700, ISO 200. 1/4000s, 135 mm, Blende 1:2 am Nikon AF Nikkor 35 mm 1:2 D: So wird nur das Gesicht von Sven Kuboth scharf abgebildet (Bild: W.D.Roth)

Nikon D700, ISO 200. 1/4000s, 135 mm, Blende 1:2 am Nikon AF Nikkor 35 mm 1:2 D: So wird nur das Gesicht von Sven Kuboth scharf abgebildet (Bild: W.D.Roth)

Eine hochwertige, lichtstarke Kamera wie die Nikon D700 wird man nicht mit billigen, lichtschwachen und verzeichnenden “Superzooms” entwerten, sondern daran nur ebenso hochwertige und lichtstarke Zooms oder besser noch Festbrennweiten anschrauben.

In unserem Test der D700 waren dies das nur manuell fokussierende Zeiss Planar T* 1,4/50 mm, 1:1,4 für die Nachtaufnahmen, das immer noch lichtstarke Nikon AF Nikkor 35 mm 1:2 D für die Infrarot- und Gruppenaufnahmen und schließlich das AF DC-Nikkor 135 mm 1:2 D für die nun folgenden Portraits.

Die gesamte Ausrüstung hatten wir in dieser Zusammenstellung wieder von Lens Avenue gemietet. Das AF DC-Nikkor 135 mm 1:2 D war uns dabei als intelligentere, weichzeichnende Nikon-Alternative zum nur Wasserleichen erzeugenden Canon EF 135 mm 1:2,8 Softfocus empfohlen worden: Es bietet eine spezielle “Defocus-Control”, und zwar mit Betonung von Vordergrund (Front) oder Hintergrund (Rear).

Fokus im Vordergrund...

Fokus im Vordergrund...

...hier im Hintergrund (Bilder W.D.Roth)

...hier im Hintergrund (Bilder W.D.Roth)

Das Prinzip ist hier dargestellt, wobei die dortigen Testaufnahmen an einer Nikon D200 (DX-Format, kein Vollformat) mit äquivalent 225 mm Brennweite entstanden. Fährt man auf der dritten Seite mit der Maus über die entsprechenden Einstellungen, werden die Auswirkungen sofort dargestellt.

Im Gegensatz zum Canon-Objektiv handelt es sich bei der “Defocus-Control” des AF DC-Nikkor 135 mm 1:2 D also um keinen Weichzeichner, sondern um etwas Spielerei mit der Schärfentiefe: Man kann bei gegebener Blende bestimmen, ob eher der Bereich vor oder hinter der eingestellten Entfernung in Unschärfe verschwimmen soll.

Vordermann... (Bild: W.D.Roth)

Vordermann... (Bild: W.D.Roth)

...oder Hintermann? (Bild: W.D.Roth)

...oder Hintermann? (Bild: W.D.Roth)

... (Bild: W.D.Roth)

... (Bild: W.D.Roth)

... (Bild: W.D.Roth)

... (Bild: W.D.Roth)

Das könnte man natürlich auch manuell durch entsprechendes Verstellen des Fokus erreichen; wer allerdings auch mit Benutzung des Autofokus sicher sein will, daß die Nase des Modells scharf ist und nicht die Ohren, der mag dieses Feature schätzen. Es ist auch als sanfter Weichzeichner einsetzbar, da der Defokus nicht als klassische Unschärfe, sondern als weiche Unschärfe erscheint, doch ist die richtige Einstellung nicht gerade intuitiv.

Man kann... (Bild: W.D.Roth)

Man kann... (Bild: W.D.Roth)

...sehr selektiv... (Bild: W.D.Roth)

...sehr selektiv... (Bild: W.D.Roth)

...scharfstellen! (Bild: W.D.Roth)

...scharfstellen! (Bild: W.D.Roth)

Die Defocus-Control ist jedoch nur ein nettes Zusatzfeature – ansonsten ist das AF DC-Nikkor 135 mm 1:2 D ein an einer Vollformat-Digitalkamera klassisches Tele, beinahe schon etwas langbrennweitig für Portraits, aber noch akzeptabel, und für diese Brennweite ziemlich lichtstark. Damit kann man auch aus einer Gruppe einzelne Personen sehr exakt herauslösen, während ihr Umfeld in Unschärfe verschwimmt.

Scharf... (Bild: W.D.Roth)

Scharf... (Bild: W.D.Roth)

Leicht defokussiert (Bild: W.D.Roth)

Leicht defokussiert (Bild: W.D.Roth)

Stärker defokussiert (Bild: W.D.Roth)

Stärker defokussiert (Bild: W.D.Roth)

Das Nikon AF DC-Nikkor 135 mm 1:2D ist allerdings nicht billig, der handelsübliche Preis liegt über 1000 Euro, doch für den Nutzer von lichtstarken Festbrennweiten sinnvoll. Die optische Qualität ist über jeden Zweifel erhaben, das Gewicht mit 815 Gramm bereits im Bereich von Zooms, doch für diese Lichtstärke und Brennweite absolut akzeptabel.

Nikon AF DC-Nikkor 135 mm 1:2 D und AF Nikkor 35 mm 1:2 D (Bild: W.D.Roth)

Nikon AF DC-Nikkor 135 mm 1:2 D und AF Nikkor 35 mm 1:2 D (Bild: W.D.Roth)

 

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2 Kommentare

  1. Wer hat Erfahrung mit dem F DC-Nikkor 135 mm 1.2 D
    Möchte es mit kaufen, wegen der geringen Tiefenschärfe aber mir kommt es zu umständlich vor mit der Einstellung.
    Ich finde auch keine Meinungen im Internet.

    Danke Werner

  2. Zitat:
    “…Spielerei mit der Schärfentiefe: Man kann bei gegebener Blende bestimmen, ob eher der Bereich vor oder hinter der eingestellten Entfernung in Unschärfe verschwimmen soll.”

    Öhm, nein.

    Man kann mit dem Defocus Control Ring bestimmen ob die Unschärfe im Hintergrund oder im Vordergrund weicher werden soll. Aber jeweils zu lasten des anderem.

    Weiters Zitat:
    “Das könnte man natürlich auch manuell durch entsprechendes Verstellen des Fokus erreichen…”

    Das ist (mit Verlaub) völliger Unsinn.
    Mit dem Defocus Control lässt sich die Korrektur der sphärischen Aberration am Objektiv einstellen.
    Der Defocus Control Ring ist ein “Bokeh-Regler”.
    Mehr darüber zb hier: http://imaging.nikon.com/…ogy/nikkor/n32_e.htm

    Vielleicht wär noch zu erwähnen gewesen, das der Wert auf dem Defocus Control Ring (r2, f2, ect) mit der eingestellten Blende übereinstellen sollte…

    @Werner: Ehrlich gesagt benutze ich das Defocus Control nicht.
    Zum einen ist das Objektiv so schon klasse und produziert ein weiches Bokeh, zum anderen nimmt die Gesamtauflösung des Objektivs ein wenig ab, sobald man am Defocus Control Ring dreht.

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