In Innsbruck:
Frühe Farbe, verrücktes Leben

Der Amerikaner Saul Leiter begann als Maler und wurde Fotograf. Er experimentierte früh mit Farbe und zeigt uns New Yorker Straßenfotografie als Farb- und Formenspiele.

Einige der New Yorker Bilder von Saul Leiter sind derzeit in Innsbruck zu entdecken, zusammen mit weiteren “Fotografischen Meisterwerken aus der Sammlung der Albertina Wien”, so der Untertitel der Ausstellung. Zusammengemixte Schauen sind oft mit Vorsicht zu genießen. Da wird mitunter zusammengebürstet, was sich nicht rechtzeitig in die Tiefen der Archive retten konnte. Aber wir sehen in Innsbruck neben Leiter eine Reihe von weiteren wichtigen Namen der modernen Fotografie, vornehmlich die Amerikaner: Lee Friedlander, Lewis Baltz, Robert Frank, Joel Meyerowitz oder William Eggleston.

Saul Leiter, Jahrgang 1923, sollte eigentlich Rabbi werden, ging aber von der Schule ab nach New York, um dort Künstler zu werden, erst Maler, dann Fotograf. Er widmete sich In den Vierziger- und Fünfzigerjahren früh in Farbe dem urbanen Leben in der Großstadt. Er arbeitete gemeinsam etwa mit Diane Arbus, Robert Frank oder William Klein. Später wurde Leiter zu den Vertretern von “The New York School” der Fotografen aus dieser Zeit gerechnet. Es gibt ein sehr schönes Buch mit Leiters frühen Farbbildern – “Early Color” genannt, erschienen im Steidl-Verlag, leider nur in englischer Sprache verfügbar.

In Innsbruck können wir neben Saul Leiter auch Joel Meyerowitz sehen – kürzlich haben wir über die Ausstellung “New Color Photography” berichtet. Viele der Bildgruppen lassen sich unter dem Stichwort “Street Photography” zusammenfassen. Ein wichtiges Thema dieser Bilder, so teilen die Ausstellungsmacher mit, sei die hohe Kunst der Darstellung: Hierzu werden Spiegelungen (Lisette Model) und kaum nachvollziehbare Durchblicke (Lee Friedlander, Daidō Moriyama), geheimnisvoll verschwimmende Farbspiele (Saul Leiter), dramatisch sich ins Bild schiebende Blick-Verstellungen (Joel Meyerowitz) und feinste Grauschleier von Dunst und Regen (Seiichi Furuya) einbezogen.

Aus den Bildern von Bogdan Dziworski bezieht die Ausstellung wohl ihren Titel: Life is stranger than fiction – das Leben ist verrückter als das Erfundene. Dziworskis Bilder zeigen den normalen Alltag als ebenso hilflose wie aberwitzige Veranstaltung – mit den Worten der Innsbrucker Galeristen: Nichts ist so verrückt, widersprüchlich und unrealistisch wie das, was wir als die reale Welt empfinden!

Life is stranger than fiction – Fotografische Meisterwerke der Albertina
FO.KU.S Foto Kunst Stadtforum, BTV Stadtforum, A-6020 Innsbruck
+43 (0) 505333 1409, info@btv-fokus.at
Geöffnet: Montag bis Freitag 11 – 18 Uhr, Samstag 11 – 15 Uhr

Foto Kunst Stadtforum Innsbruck
Saul Leiterbei Wikipedia

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