Notfallübung:
Blickführung via Scheinwerfer

Helft dem Statisten, aber bleibt neutral! Fotografieren lernt man bei solchen Übungen nicht, aber das Überleben ist wahrscheinlicher.

Kommentar des Fotografen:

Einsatzvorbereitende Ausbildung der Bundeswehr. Situation hier: Ein Rollenspieler spielt einen Zivilisten der vor dem Checkpoint verletzt wurde. Soldaten rücken unter Sicherung aus um dem Verletzten zu helfen. Dieses Foto ist Teil einer dokumentarischen Reihe mit dem Thema Einsatzvorbereitende Ausbildung. Es soll einen Einblick in Situationen geben, in die Soldaten bei Auslandseinsätzen kommen können und für die sie trainieren.

Profi Thomas Rathay meint zum Bild von Florian Ullbrich:

Ich sah das Bild und wusste sofort worum es geht. Zum einen liegt das sicherlich daran, dass ich selber einen Kurs für Journalisten in Krisengebieten besucht habe oder doch besser gesagt erlebt habe. Zum anderen weil das Bild schon recht gut aufgebaut ist und mich so auf die Wesentlichkeiten der Bildaussage hinlenkt:

Ganz großartig gemacht ist die Scheinwerferstellung. Das hast du super beobachtet und gekonnt deine Position gewählt, so dass die Strahlen auf das „Opfer“ zielen und dieses im Mittelpunkt des Bildes in Szene setzten. Auch deine Vorder-Hindergrund Aufteilung ist darauf ausgelegt und funktioniert gut.

Die Personen im Hintergrund spielen zwar eine wichtige Rolle, sind dafür aber noch zu unkoordiniert angeordnet. Die laufenden Soldaten eilen doch wohl dem Verletzten zu Hilfe. Das kommt nicht richtig raus, weil sie sonst wo hinsehen, nur nicht in Richtung das Opfers – und somit auch nicht in Richtung der Kamera.

Das macht das Ganze sehr unruhig.

Ich weiß ja, dass das Gelände gesichert werden muss, doch hättest du eventuell noch ein paar Sekunden gewartet, wären sie perfekt auf dich zugekommen… oder auch nicht, das ist das Los des Reportagefotografen.

Meine Idee für solch eine Aufnahme wäre, den Aufsteckblitz zu nutzen. Den Blitz stellst du auf ca. eine Blende unter „0“ und die Kamerabelichtung auch ca. eine bis eineinhalb Blenden auf Unterbelichtung.

Mit beiden Einstellungen bitte etwas “spielen” und vorher üben. Meine Empfehlung ist keine generelle Richtlinie, nur ein Ausgangspunkt, der schon recht nahe an einem guten Ergebnis sein dürfte.

Somit sollte der Soldat im Vordergrund leicht erhellt sein, die Schweinwerferstrahlen und Lichter noch gut zu sehen und trotzdem die Kameraden im Hintergrund nicht mehr so ins Gewicht fallen, wohl aber noch wahrgenommen werden.

Ich habe versucht, diesen „Effekt“ nachträglich zu simulieren.

Guck einfach mal, ob dir das so gefällt, deinem Stil entspricht und zu dem restlichen Bildern deiner Serie passt. Auf jeden Fall sieht die ganze Situation noch etwas trüber und bedrohlicher aus.

Ich weiß gar nicht, wie die Bundeswehr das immer hinbekommt, die armen Kerle so im Regen und Matsch liegen zu lassen. Gutes Wetter hab ich da noch nie erlebt.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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2 Kommentare

  1. tpm
    schrieb am 15. Januar 2009 um 11:08 Uhr (#)

    Ein (Aufsteck)Blitz wäre dann nachträglich gesehen absolut keine ideale Idee.
    In diesem Fall wäre zu bedenken, dass das Nummernschild und die Leuchtwesten sehr unschön reflektieren würden.

  2. Schreibt hier auf dem Blog Thomas Rathay
    schrieb am 18. Januar 2009 um 20:49 Uhr (#)

    @tpm
    Richtig, auch das Verkehrsschild würde reflektieren, was alles wieder etwas Nacharbeit im Bildbearbeitugsprogramm nach sich ziehen würde. Wenn es vom Motiv her lohnt, also zwei Aufnahmen machen. Eine mit und eine ohne Blitz und dann die aus der nicht geblitzen Aufnahme in die geblitze einbauen/austauschen, wäre mein Vorschlag.

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