Feldblumen/Landschaft:
Vorhang auf!

Landschaftsbilder vertragen einen Vordergrund. Naturaufnahmen machen sich gut mit einem Hintergrund. Wenn aber der Vordergrund den Hintergrund verdeckt, stimmt etwas nicht.


Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Robert Mosimann).

Kommentar des Fotografen:

Landschaft im Toggenburg CH, Landschaft im Streiflicht der Abendsonne, im August um 17 Uhr.

Peter Sennhauser meint zum Bild von Robert Mosimann:

Mein erster Impuls, wenn ich dieses Bild ansehe? Die Arme ausstrecken und die Blumenwand teilen, um freien Blick auf die Berge zu kriegen. Damit ist klar:

Hier stimmt etwas nicht. Allerdings sind weder die Blumen fehl am Platz noch die Berge – nur das Zusammenspiel, das funktioniert so nicht.

Indem Du Dich nicht für einen Schwerpunkt entscheidest, gibst Du das Dilemma an den Betrachter weiter – und der wird dadurch frustriert.

Das liegt hier auch daran, dass Du (angesichts der Kompaktkamera schon fast notgedrungen) mit grosser Schärfentiefe arbeitest. Damit sind sowohl die Berge als auch die Blumen scharf, aber letztere verdecken den Blick auf die Alpenkulisse, sind aber zugleich doch nicht nah genug, als dass man sie sich wirklich ansehen kann.

Um richtig verstanden zu werden: Man kann durchaus sowohl die Blumen als auch die Berge gleichzeitig zum Motiv machen. Aber dann darf das eine nicht das andere konkurrenzieren, sondern die beiden Dinge müssen sich ergänzen.

Die klassische, von Millionen Postkartenfotos bekannte Methode besteht darin, die Berge mit den Blumen einzurahmen. Dazu hättest Du eine Stelle suchen müssen, wo das Bild so hätte komponiert werden können, dass links und rechts je ein Busch Blumen die Bildränder begrenzt und in der Mitte ein freier Blick an den gegenüberliegenden Talhang offensteht. Dabei könnten die Blumen ebenso in der Schärfenebene liegen wie die Berge.

Kaktus im Grand Canyon. (© 2006 Pierre Strub)

Gehen wir vom anderen Fall aus – es ging Dir um die Blumen, die Bergszenerie ist nicht viel mehr als Kulisse – dann hätte sich die Arbeit mit geringerer Schärfentiefe angeboten. Das heisst, Du hättest die Blende öffnen müssen. Weil das vielfach bei Kompakten nicht geht und wenn, nur wenig Wirkung zeigt, hättest Du vor allem deutlich näher an die oder vielmehr eine Blume herangehen müssen.

Ein einziger Blütenstand aus grosser Nähe zum Beispiel würde auch mit der Kompaktkamera den Hintergrund zu einem idealen Masse unscharf werden lassen.

In diesem Ausschnitt sind die Blumen ohnehin nicht ideal positioniert, und das Grünzeug im linken vorderen Drittel und der in den linken Bildrand hängende Grashalm stören.

Zusammenfassend: Mach das nächste Mal statt einem zwei Bilder. Im ersten konzentrierst Du Dich auf die Berge und nimmst die Blumen als Rahmen an den Bildrändern mit – links und rechts, vielleicht auch unten, aber bestimmt nicht mit der grössten Ausdehnung in der Mittelfläche des Bildes. Im zweiten Bild konzentrierst Du Dich auf die Blumen, auf eine Blume oder einen Büschel und versuchst, die Berge nur als Hintergrund, unscharf oder nicht, ins Bild zu rücken.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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1 Antwort
  1. Robert Mosimann says:

    Guten Tag Herr Sennhauser

    Sie haben recht mit Ihrer kreativen Fotokritik. Man ist versucht möglichst viele Infos ins Bild zu kriegen, dabei ist weniger oft mehr. Das ist ja nicht nur beim fotografieren so. Der Meisterkoch Mosimann sagt auch „Alles Einfache ist gut und alles Gute ist einfach“.
    Ich finde „fokussiert.com“ eine sehr gute Idee. Nicht nur für Profis, sondern auch Hobbyfotografen die noch mehr lernen wollen.
    Besten Dank für Ihre Mühe.
    Freundliche Grüsse
    Robert Mosimann

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