Unsichtbarer Sturm:
Zu viel Drumrum

Es ist eine gute Idee, Momente durch das Gegenteil darzustellen. Aber naturgemäß ist es auch eine grössere fotografische Herausforderung.

Kommentar des Fotografen:

Das Photo entstand am Loop Head Drive in Irland, an der Atlantikküste, bei einem Sturm mit Windstärken > 10. Ich habe hier versucht, die Gewalt des Sturmes nicht durch hohe Wellen festzuhalten, sondern durch eine “Kampfpause”, den Augenblick also, in dem das Wasser von den gepeinigten Felsen abläuft, ein Augenblick der Ruhe, des Durchatmens, der gespannten Erwartung auf den nächsten Brecher. Die dabei enstehenden graphischen Strukturen haben ihren ganz eigenen Reiz.

Profi Jan Zappner meint zum Bild von Jürgen Schulte:

Die Idee, den Sturm nicht direkt durch riesige Wellen auszudrücken, die sich an der Steilküste brechen, ist bestechend. Warum auch immer das Offensichtliche fotografieren, das jeder sofort versteht? Das Problem ist jedoch, dass diese hintergründige Herangehensweise auch wesentlich schwieriger umzusetzen ist:

Der Betrachter muss ja erstmal auf den richtigen Weg gebracht werden.

Inhaltlich ist das hier in der Umsetzung sehr gut gelungen. Die Brecher haben ihre tonnenschwere Last auf den Felsen abgeworfen, jetzt fließen Massen an Wasser ins Meer zurück. Da kann ich auf jeden Fall die Massen und Gewalt spüren, die hier am Werke sind.

In der konkreten bildlichen Umsetzung befriedigt mich das Bild trotzdem nicht. Mir zeigt es zuviel aussen herum.

Der angeschnittene Felsen im Vordergrund rechts unten, das Meer im Hintergrund, die Felsenspitze: Das sind alles Informationen, die die gewünschte Aussage nicht unterstützen. Da hätte etwas mehr Konzentration auf das eine oder andere gut getan.

Damit meine ich: Wenn Meer im Hintergrund, dann soviel, dass man etwas sieht, vielleicht den Horizont. Wenn Vordergrund, dann einen anderen Felsen, von dem das Wasser abläuft; und wenn Detail, dann ohne die anderen Informationen aussen herum. Einfach noch näher ran zoomen und nur das Ablaufen des Wassers aufnehmen. Vielleicht auch mit Stativ eine längere Belichtungszeit wählen. Damit könnte man das Ablaufen auch wirklich als Bewegung einfangen. Der Felsen bliebe durch das Stativ scharf, das Wasser bewegt sich aber.

Die Krönung wäre dann noch etwas im Bild zu haben, um die Größe des Felsens zu verdeutlichen – Möwen z.B.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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2 Kommentare

  1. Jürgen Schulte
    schrieb am 27. Januar 2009 um 17:29 Uhr (#)

    Herzlichen Dank für diese überaus hilfreiche, konstruktive Kritik. Werde in wenigen Wochen wieder an diesem Platz sein und -mit ein wenig Glück- entsprechendes Wetter haben, um das Photo, mit den Empfehlungen von Jan Zappner im Hinterkopf, erneut zu “schießen”. Bin jetzt schon gespannt auf das Ergebnis.

    Zur Ergänzung kann ich heute noch die Exif-Daten nachreichen:
    Kamera: Panasonic DMC-FZ30
    ISO-Empfindlichkeit: 100
    Blende: F8
    Belichtungszeit: 1/500 sec
    Autofokus
    Weißabgleich: Auto
    Belichtungsmeßmethode: Multisegment
    Brennweite: 14,3mm (68mm KB)

    Beste Grüße

    Jürgen Schulte

  2. Corinne ZS
    schrieb am 28. Januar 2009 um 22:36 Uhr (#)

    Ich finde dieses Bild sehr speziell. Ich habe lange überlegt, was auf dem Bild passiert, und das ist doch schon die halbe Miete! Zudem fände ich schade, wenn die Belichtungszeit erhöht würde – Wasser, das nicht wie Wasser aussieht sondern wie ein weisser Schleier, sorry, das habe ich schon genug gesehen. Und ausser bei Michael Kenna (danke fokussiert.com für die Besprechung dieses Fotografen) gefällt mir das nicht. Dass hier eine andere wässerne Struktur gezeigt wird, finde ich prima; und schön umgesetzt. Ich hätte allenfalls versucht, bloss die linken unteren Zweidrittel des Bildes zu zeigen.

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