Pistenrand-Landschaft:
Uninspirierte Naturmonumente

Auch ein Bergpanorama in seiner Majestät kann einen liebevoll gestalteten Vordergrund vertragen.

Kommentar des Fotografen:

2006 Wallis, Schweiz. Aletsch Gletscher

Profi Jan Zappner meint zum Bild von Hendrik Peeters:

Ein beeindruckendes Bergmassiv. So unberührt und gewaltig. Der Gletscher schlängelt sich majestätisch durchs Tal, menschenleere Berge. Ein Ort der Ruhe und Entspannung – könnte man denken:

Wäre da nicht der Vordergrund mit seinen Fußstapfen. Zwanzig Meter neben der Piste wird dem Alpinisten wohl diese späktakuläre Aussicht geboten, die nicht wenige zum Anhalten, Abschnallen und Fotografieren veranlasst.

Genau das ist aber das Problem des Fotos. Es wird nicht aus der Masse an Bilder herausragen, die jeden Tag hier gemacht werden. Vielleicht hat der Fotograf noch nicht mal seine Skier abgeschnallt (eine böse Unterstellung, ich weiß). Was ich sagen möchte, ist: der Hintergrund ist fantastisch. Der Vordergrund leider zu einfallslos oder – zu faul. Ich finde ihn sogar häßlich.

Dabei ist die Idee (wenn es denn die Idee war), die unberührte Natur mit menschlichen Spuren zu konterkarieren, sehr gut. Fotografie aber lebt von der Auswahl der Motive, von der Zuspitzung, von der Reduktion.

Meine Vorschläge für einen Vordergrund sind deshalb:

1. Die Spitzen der eigenen Skier

2. Skistöcke

3. Menschen, die das Panorama geniessen (ohne die Massen an Fußspuren)

4. Eine einzelne Fußspur im Schnee, die plötzlich aufhört (vielleicht muss man sie selber anlegen)

5. unberührter Schnee (dann ohne den Kontrast Natur-Mensch)

Damit würde man die Aussage auf die Spitze treiben und dem Bild einen eigenen Stempel aufdrücken.

Vom Licht her könnte man auch noch ein wenig später/früher fotografieren (mit dem letzten/ ersten Lift hochfahren), damit mehr Streiflicht die Kontraste verstärkt. Schwarzweiss ist hier sehr schön gewählt.

Zum Glück läuft der Gletscher nicht weg.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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4 Kommentare

  1. Elmar Bertschinger
    schrieb am 2. Februar 2009 um 12:52 Uhr (#)

    “Zum Glück läuft der Gletscher nicht weg.”

    Na, da warten Sie mal ein paar Jahren und dann ist er geschmolzen.
    —–
    Ich finde das Bild gar nicht so schlecht, denn der Gletscherbogen hat im Fussspuren-Verlauf eine Fortsetzung gefunden.

  2. Blue
    schrieb am 2. Februar 2009 um 16:14 Uhr (#)

    Ich kann der Kritik nur Zustimmen: die Spuren stören auch mich ein wenig, gerade weil es so viele sind und weil so “klein” sind. Was wäre das vielleicht für ein Anblick nur wenige Meter den Spuren folgend? Ansonsten sehr schönes Bild!

  3. Uwe Nölke
    schrieb am 2. Februar 2009 um 23:39 Uhr (#)

    Ja, wirklich schade mit den Spuren im Schnee. Das Bergmasiv ist beeindruckend.

  4. Hendrik Peeters
    schrieb am 11. Februar 2009 um 19:21 Uhr (#)

    Hallo

    Ich bedanke mich bei Euch für ihre Anmerkungen.
    War Leider nicht mit Ski’s unterwegs.
    Werde nächstes mal mehr dran Denken
    LG
    Hendrik

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