Leuchtfahrrad:
Lowkey und viele Linien

Blickführung durch viele markante Linien und eine klare Aussage durch Lowkey-Belichtung sind starke Gestaltungselemente in einem Bild. Sie brauchen aber einen Inhalt und ein gewisses Mass an Balance.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Thomas Schnorf).

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Thomas Schnorf).

Kommentar des Fotografen:

Dieses Motiv habe ich heute auf dem Heimweg von der Arbeit entdeckt, es steht auf einer Holzrampe bei einem Farhrradgeschäft. Eigentlich laufe ich jeden Tag an diesem vorbei, ist mit erst jetzt aufgefallen (zum Glück wohne ich nur 3 Fussminuten davon entfernt:). Das Originalbild (unbearbeitet) hat einen sehr starken Gelbstich, der von den Strassenlaternen und der Radbeleuchtung kommt. Ich versuchte diesen nachträglich zu entfernen, leider nicht zufriedenstellend, deshalb S/W.

Profi Douglas Abuelo meint zum Bild von Thomas Schnorf:

Bevor du weiterliest, schau dir das Foto noch einmal lange und gründlich an und überleg mal, warum es optisch interessant ist.

Und, was denkst du? Inhalt? Bildkomposition? Licht? Alles zusammen?

Das wichtigste Bildelement ist natürlich das Fahrrad, weil es auf ungewöhnliche Weise beleuchtet ist. Was gibt es sonst noch? Was den Inhalt anbelangt, war’s das schon. Durch das Fehlen weiterer Inhalte ist dieses Foto ein gutes Beispiel dafür, dass ein Fotograf einige grundlegende Techniken anwenden kann, um ein eher langweiliges Foto in ein optisch interessantes zu verwandeln.

Bei diesem Foto hat der Fotograf Lowkey-Beleuchtung benutzt. Das bedeutet: Es gibt mehr Kontraste und viele Schatten, im Gegensatz zu Highkey-Beleuchtung, wo der Großteil des Bildrahmens hell ist. Das eigenartig beleuchtete Fahrrad erregt somit unsere Aufmerksamkeit, und wir halten kurz inne und überlegen, was wir da eigentlich sehen.

In dieser Szene ist die Position des Fahrrads im Bildrahmen okay, aber nicht außergewöhnlich gut. Es war eine gute Idee von dir, die verschiedenen, schneidenden Linien so zu nutzen, dass sie unsere Augen fast durch den gesamten Bildrahmen führen.

Normalerweise wirkt es in einem Foto eher chaotisch, wenn vertikale und horizontale Linien mit diagonalen Linien aufeinander treffen. Hier funktioniert es aber recht gut. Außerdem vermitteln die Linien zusätzlich einen Eindruck von Tiefe, und das Foto wirkt fast drei-dimensional.

Negativraum kann ganz effektiv sein, um unsere Aufmerksamkeit auf ein bestimmtes Objekt zu richten. Bei deinem Foto funktioniert das aber leider nicht: Die rechte Bildhälfte wirkt zu leer.

Es wäre gut gewesen, ein anderes Bildelement, zum Beispiel ein kleines Licht, eine Pflanze oder vielleicht der Fuß von jemandem oder was auch immer, in der unteren linken Bildhälfte unterzubringen. Das hätte dem Foto Balance und mehr Tiefe gegeben.

Das Foto ist spannend aufgrund der Lowkey-Beleuchtung und des Motivs. Aber um es insgesamt wirkungsvoller zu machen, hättest Du den Bildinhalt durch ein zusätzliches Bildelement ausbalancieren können oder den Bildrahmen verbessern müssen.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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Ein Kommentar

  1. Rechts im Bild hat es nichts? Na hallo! Ich bin ganz begeistert vom Kabel, das sehr schön fotografiert wurde. Schliesslich ist es ein beleuchtetes Rad – und der Fotograf zeigt uns mit dem in der rechten Bildhälfte sehr prominent und schön geführten Kabel, woher das Stahlpferd sein Futter bezieht. Und warum es nicht weglaufen kann. Den Verlauf des Kabels am rechten Bildrand würde ich sogar als ideal bezeichnen. Mir gefällt übrigens auch die Persektive, die gewählt wurde, denn das Rad sieht damit sehr selbstbewusst auf uns herab. Was mir allerdings fehlt, ist eine genügend scharfe Zeichnung des Radschattens. Dort hängt mein Auge fest und ich frage mich: Wie verläuft der wohl genau? Schade, dass er nicht dunkler gezeichnet oder prominenter plaziert ist. Damit hätte das Bild einen schönen Vordergrund. Und vielleicht hätte man mit der geeigneten Wahl der Tiefenschärfe den (blumigen, aber unnötigen) Hintergrund etwas verwischen können. (Hätte man, Herr Sennhauser? Sorry, meine Hosentaschenkamera erlaubt mir kein entsprechendes Fachwissen ;-)

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