Low Key Tafel:
Feinabstimmung verpasst

Douglas Abuelo, 5. Februar 2009 11:25 Uhr, 0 Kommentare Kommentare

Eine Kamera kann aus Alltäglichem ein Kunstwerk machen. Dazu muss aber der Fotograf das Bild in der Nachbearbeitung perfektionieren.

Kommentar des Fotografen:

Dieses Bild entstand in einem Amsterdamer Cafe. Mich faszinierte an diesem Motiv vor allem der hohe Kontrastumfang.

Profi Douglas Abuelo meint zum Bild von Markus Stange:

Es erstaunt mich oft, wie Fotografie aus einer gewöhnlichen, normalen Szenerie etwas so verblüffend Ästhetisches machen kann. Hier werden ein Tisch, Stühle und Geschirr in ein wunderbares Stillleben verwandelt, das an ein Gemälde aus dem 17. oder 18. Jahrhundert erinnert.

Besonders bei solchen Szenen spielt das Licht dabei eine wesentliche Rolle:

Dieses Foto zeigt uns, wie viel die Beleuchtung ausmachen kann, wenn sie richtig manipuliert wird. Die eine Lichtquelle, das Fenster, fungiert als Softbox und verteilt das Licht schön auf dem Tisch und den Stühlen. Da der Fotograf die hellen Stellen belichtet hat, entsteht eine Lowkey-Beleuchtung. Ohne die Lowkey-Beleuchtung wäre die Szene nicht annähernd so interessant. Anstatt der dunklen Schatten, die dem Foto etwas Geheimnisvolles verleihen, würden wir alles auf dem Foto ganz genau sehen und die Lichtstellen wären ausgebrannt.

Trotz der Qualität des Fotos sieht man aber, dass der Fotograf die Arbeit nicht zum Abschluss gebracht hat.

Fast jedes Foto, das man in Galerien, Zeitschriften und Büchern sieht, wurde in irgendeiner Weise nachbearbeitet und dieses Foto sollte auch etwas nachbearbeitet.

Zuerst habe ich das Foto etwas beschnitten – es gab einfach zu viel leeren Raum. Dann habe ich etwas von dem störenden Blendlicht an der rechten Wand entfernt und die Farben verbessert.

Zuletzt das Fenster: das Licht ist sehr schön und die Abstufung der dunklen Töne in der linken Bildhälfte bis zu den hellen Tönen rechts führt unseren Blick durchs das Foto, aber das Muster der Mauersteine ist viel zu störend.

Ich habe versucht, sie heller zu machen, war aber mit dem Ergebnis nicht zufrieden. Stattdessen habe ich sie ein bisschen getrübt, als ob die Schärfentiefe geringer gewesen wäre. Die leichte Trübung reduziert das störende Muster und macht das Foto optisch stärker. Man hätte etwas Ähnliches sicher auch mit der Kamera machen können. Dann wäre aber der Sessel vielleicht auch unscharf gewesen. Hier bewährt sich die digitale Dunkelkammer.

Trotzdem: gutes Auge, gute Beleuchtung. Vergiss aber nicht die Feinabstimmung.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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