Paul Graham:
Die ungeschminkte Wirklichkeit

Uli Eberhardt, 6. Februar 2009 10:06 Uhr, 0 Kommentare Kommentare

Der Brite Paul Graham richtet seinen Blick ohne Umschweife auf die soziale Wirklichkeit – sei es im Arbeitsamt oder in der Landschaft Nordirlands. Und er findet, Digitaltechnik befreie die Fotografen.

Paul Graham steht in der Tradition der britischen sozialdokumentarischen Fotografie, die nach dem Zweiten Weltkrieg der gebürtige Hamburger Bill Brandt begründet hat. Das Essener Museum Folkwang zeigt erstmals in Deutschland eine Zusammenfassung von Grahams Werk.

Paul Graham, Jahrgang 1956, lebt jetzt in New York. Die Auseinandersetzung mit den amerikanischen Fotografen Gary Winogrand, Lee Friedlander und Diane Arbus und mit der Farbfotografie von Stephen Shore und William Eggleston hat seine Bilder geprägt. Wie Winogrand oder Arbus blickt er auf gesellschaftliche Entwicklungen. Wie Shore und Eggleston widmet er sich auch den alltäglichen Dingen und Situationen.

Grahams erste Publikation A1 – The Great North Road - erschien 1981: Eine Dokumentation, die entlang der englischen Nord-Süd Nationalstraße entstand.

In der Serie Troubled Land, die sich mit der Situation Nordirlands auseinandersetzt, kombiniert er 1987 Landschaftsfotografie und Kriegsfotografie.

1986 ist die Reportage Beyond Caring entstanden, eine Bestandsaufnahme englischer Arbeitsämter und ihrer desolaten Tristesse. In den Serien American Night (1998–2002) oder in End of an Age (1996–1998) lotet er die Grenzen dessen aus, was gemeinhin als Bild oder Porträt akzeptiert wird. Wir können uns alle diese Arbeiten, auch die neueren aus Amerika, online auf seiner Paul Grahams Website anschauen.

Wo Kunstfotografie mehr und mehr inszeniert, die lebendige Welt auf eine kühle, unnahbare Art auf Distanz gehalten wird – da bleibt Paul Graham immer Beobachter der Lebenswirklichkeit. “Ich bin ein Mann der Straße”, sagt Graham in einem Interview: “Ich werde nicht müde, auf die wunderbare Natur um uns herum schauen und versuchen zu verstehen.”

Und er begrüßt die neue Freiheit der digitalen Fotografie: “Teil dessen (der neuen dokumentarischen Fotografie, d. Red) ist die neue Flexibilität der digitalen Fotografie. Du kannst knipsen und knipsen und dann alles am Schirm anschauen. Die Technologie befreit die Leute. Du kannst eine bemerkenswerte Qualität erreichen, nahe dran am 4×5-Film – und das auf der Straße.”

Übrigens ist das die letzte Ausstellung im alten Folkwang-Museum Essen. Der Neubau eröffnet dann wieder 2010.

Paul Graham – Fotografien 1981-2006
Bis 5. April
Museum Folkwang, Kahrstraße 16, D-45128 Essen
+49 (0) 201 8845301, info@museum-folkwang.essen.de
Geöffnet Dienstag bis Sonntag 10 – 18 Uhr

Paul Graham
Museum Folkwang

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