Rätselbild:
Blickführung nutzen

Bildelemente wie Formen, Kontraste und Gegenstände können dazu beitragen, unsere Sicht auf ein Foto zu lenken. Ein guter Fotograf benutzt alle Elemente, um für den Betrachter eine „Route“ zu planen.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Chrisu Schlesiger).

Kommentar des Fotografen:

shines like a cup of cold tea in a winternightmare

Profi Douglas Abuelo meint zum Bild von Chrisu Schlesiger:

Es ist oft sehr interessant, was Leute zuallererst bemerken, wenn sie ein Foto anschauen. Was jemand sieht und womit derjenige sich identifiziert, verrät viel über diese Person. Wenn ein guter Fotograf korrekt arbeitet, kann er fast jeden Betrachter nach seinen Vorstellungen durch ein Foto führen, abhängig davon, welche Botschaft er übermitteln will.

Bei diesem Foto ist das schwer, weil es verschiedene optische Signale sendet und nicht klar macht, worum es geht. Sollen wir zuerst auf die Frau oder zuerst auf den Hintergrund schauen?

Die Frau soll wahrscheinlich das Hauptelement sein und da sie das hellste Element im Bildrahmen ist, zieht sie unsere Aufmerksamkeit auf sich. Da sie unscharf ist, der Hintergrund aber scharf, ist nicht klar, wohin wir unsere Aufmerksamkeit lenken sollen.

In diesem Foto gibt es einige starke Elemente, wie zum Beispiel die Blickrichtung der Frau und die diagonale Linie des Flusses. Diese Linie hätte unseren Blick gut durch den Bildrahmen geführt, wenn sie besser ausgerichtet gewesen wäre.

Die Frau müsste stärker im Fokuzs und nicht so weit am linken Bildrand sein. Ein etwas weiterer Winkel (Weitwinkel-Objektiv) wäre effektiv gewesen, sie im Bildrahmen weiter nach rechts zu holen. Somit wäre sie auf der Linie des Goldenen Schnitts.

Ihr abgewandter Blick auf das Wasser hätte unsere Augen dann zu dem Fluss und den Bäumen im Bildhintergrund gelenkt. Von da an würden wir entlang des Flusses und dann aus dem Bildrahmen hinaus schauen.

Außerdem hättest du somit die Position der Frau als wichtigstes Bildelement gestärkt und wir hätten uns mehr mit ihr identifiziert.

Mit etwas satteren FarbenWenn wir darüber hinaus pedantisch sein wollen: Ddie Farben wirken ausgewaschen und blass. Ich habe sie in der digitalen Dunkelkammer mittels Sättigung und Kontrast verstärkt, wie du in dem Beispiel sehen kannst.

Versuche mit jedem Foto, das du machst, eine Geschichte zu erzählen und überlege, wie du die Bildelemente im Foto am besten dafür nutzen kannst. Ein abgewandtes Gesicht ist eine satrek, weil ungewohnte Aussage – und es müsste deshalb auf etwas bemerkenswertes hinweisen.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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7 Antworten
  1. Corinne ZS says:

    Na, sagt ich’s doch: Geschmäcker sind verschieden! Das Bild hier erinnert mich an ein Video-Still und ich denke sofort an einen Highscool-Schocker-Film, in der Art von: Alle gehen lustig in die Ferien und dann taucht das Schlamm-Monster auf. (Es könnte auch ein Beziehungsdrama sein: Nachts führt der Sonnenbrand zu hitzigen Auseinandersetzungen.) Das Bild hingegen, auf das Du verweist, erinnert mich an Tschetschenien-Bilder, will heissen, an Bilder, die unter Beschuss auf Hüfthöhe geschossen wurden. Und dazu passt die Bildaussage überhaupt nicht. Der Stil und der Inhalt passen für mich nicht zusammen. Womit wir bei meiner Aussage zu Beginn wären: Es ist Geschmackssache. Und daher eine gute Idee, wenn unabhängig vom Geschmack relativ sachlich analysiert wird und empfohlen wird, was geändert werden könnte. Da der Fotograf dieses Bildes bereits ein sehr ähnlich alltägliches mit ebenso witzigem Kommentar hier gezeigt hat, denke ich nicht, dass es sich um einen Scherz handelt, sonder einfach um einen Menschen mit Humor und Sinn fürs Augenblickliche oder Alltägliche.

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  2. Frank Goebels says:

    Ich hatte nicht vor, jemanden zu beleidigen oder sonstiges. Das ist nicht mein Anliegen.
    Ich denke einfach, dass das Bild scherzhaft eingestellt wurde, um einfach die Reaktionen oder die Kritik abzuwarten.
    Für mich ist es ein Foto, das beim Durchblättern des Familienalbums keinerlei große Beachtung finden würde.
    Ganz anders hingegen solche Bilder: (siehe dort mein Kommentar):

    http://fokussiert.com/2009/02/09/rollstuhl-gefuehle-aussage-planen/

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  3. Norbert Kurzka says:

    Ich fotografiere noch nicht so lange und habe mir dieses Hobby selbst erschlossen. Neben viel Theorie und Üben, Üben, Üben hat mir vor allem Eines geholfen: ich habe meine Bilder in verschiedenen Foren und Blogs zur Kritik gestellt; die Community war sich selten zu schade, mir mit Tipps und Ratschlägen zu helfen.
    Um mal die Beschreibung der Bildkritik zu zitieren: „…aber es werden auch nicht einfach nur „die besten“ sein: In unserer Rubrik „Bildkritik“ soll es um einen Lernprozess gehen.“. Und genau das wird mit diesem Bild umgesetzt!
    Wer der elitären Meinung ist hier sollten nur gute und beste Bilder kritisiert werden, ist auf einer Seite, die sich „… als fotografisches “Seminar” für anspruchsvolle Digitalfotografen jeder Stufe …“ versteht, wohl nicht so richtig aufgehoben. Und „anspruchsvoll“ beinhaltet für mich auch, sich mutig mit einem nicht so gutem Bild der öffentlichen Kritik zu stellen.

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  4. Corinne ZS says:

    Wie verschieden doch Geschmäcker sind! Ich finde das Bild sehr faszinierend, die Farbgebung passend zur Darstellung der Hitze (jedenfalls beim blassen Original, das mir, wieder einmal, besser gefällt als die Nachbearbeitung), den Kommentar des Fotografen treffend und witzig. Für mich erzählt das Bild eine Geschichte. Eventuell eine etwas gruselige, was zum Kommentar passen würde. Und da hier gerade heftig ausgeteilt wird, möchte ich anfügen: eine viel interessantere Geschichte als z. B. das hier kürzlich hoch gelobte Bild zweier abgemagerter Models in künstlich lustiger Pose, mit wüst verschnittenem Hintergrund. Ich empfinde die beiden letzten Kommentare übrigens als beleidigend. Tja, ob ich einfach solche Frauenbilder den dauerlustigen Modelposen und Lolitamündern (siehe 26. 1. 09) vorziehe?

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  5. Peter Sennhauser says:

    Erstens liegen keine 100 (nicht ganz, nur fast) andere Bilder bereit – und wir würden uns noch mehr Zusendungen vor allem von Fotografinnen und Fotografen wünschen, die noch nie kritisiert wurden. Auf Wunsch lassen wir übrigens den Realnamen weg, bitte im Formular bemerken, wenn ihr anonym bleiben möchtet.

    Zweitens gehen die Vorstellungen von guter Fotografie auseinander, aber eben auch die Stufen des Könnens. Wir möchten niemanden ausschliessen und auch jenen Teilnehmern eine Gelegenheit zu einer Kritik bieten, die andere Vorstellungen haben und vielleicht noch nicht lange fotografieren.

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  6. Peter Raus says:

    Ich frage mich, warum Fotos behandelt werden, bei denen nicht nur das Bild sondern sogar der Kommentar des Fotografen zu wuenschen uebrig laesst?!

    Grenzt etwas an Zeitverschwendung, wenn man sich ueberlegt, dass sicherlich 100 andere, bessere Fotos fuer einen Kommentar bereitliegen…

    Peter

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