Linien und Schatten:
Mehr Geduld und Planung

Douglas Abuelo, 13. Februar 2009 11:24 Uhr, 1 Kommentar Kommentare

Langweilige Fotos entstehen meist nicht, weil das Motiv nichts hergibt, sondern durch einen Mangel an Planung, Geduld und Ausdauer.

Kommentar des Fotografen:

Gesehen auf einem Spaziergang, nach dem ich mehrfach vorbeigegangen bin ohne zu fotografieren. Erst mit einem Schneehaufen, dem flachen Licht und dem Schattenwurf war es für mich interessant genug. Ein wenig skuril wirkt für mich auch der Gartenzaun welcher eigentlich nichts erkennbares begrenzt und das erst noch mit einer interessanten Laterne und Fusspuren betont.

Profi Douglas Abuelo meint zum Bild von Endres Helbig:

Wie viel Zeit hast du für die Planung und Komposition dieses Fotos aufgewendet? Obwohl zweifellos alle von Dir beschriebenen Elemente vorhanden und an sich interessant sind – in dieser Komposition ist das Bild einfach nicht spannend genug.

Das größte Problem ist, dass es nichts Herausragendes darin gibt ausser der Laterne. Es gibt keinen Rhythmus, kein Muster, keine Spannung, nichts Rätselhaftes, nichts Dramatisches oder Emotionales und keine Botschaft. Dafür sind reihenweise Ansätze für möglicherweise spannende Bilder Vorhanden – aber sie sind übers ganze Bild verteilt.

Das heißt allerdings nicht, dass man anhand dieser Szene kein gutes Foto zustande bringen kann. Aber wir haben diees Problem schon mehrfach behandelt: In der Reduktion liegt meistens viel mehr Spannung als in einem Sammelbild. Hier könntest Du Dich auf Laterne und Zaun konzentrieren, oder auf das Schattenspiel weiter hinten, oder auf die Spur im Schnee mit den andern Dingen im (unscharfen) Hintergrund. Aber alles zusammen ist zuviel.

Der zweite Knackpunkt besteht darin, das Foto erst einmal zu planen. Wenn du auf ein geeignetes Motiv triffst, beobachte zuerst die Licht-Situation und versuch vorauszuahnen, wann das Licht gerade richtig sein wird. Das trifft vor allem bei Landschaften zu; wie hier kann das Licht im Laufe des Tages die Szenerie dramatisch verändern.

Zum Zweiten brauchst du nach deiner Planung Geduld. Die Szene zu erkunden, den richtigen Winkel zu finden, alles auszurichten und dann zu warten, bis alles passt, verlangt viel Geduld.

Und zum Dritten und Letzten: Ausdauer ist eine Eigenschaft, die wahrscheinlich jeder Top-Fotograf hat. Es ist nicht immer einfach, eine erstklassige Aufnahme zu machen, also musst du weiter und wieder machen, bis Du das Bild bekommen hast.. Der entscheidende Augenblick kommt, wenn man warten kann.

Meiner Meinung nach ist die gelbe Lampe in der Mitte der sonst monochromatisch Szenerie das Coolste Element der Szene. Vielleicht versuchst du noch einmal, die Lampe in Beziehung zu der Umgebung zu setzen.

Du hättest die Schärfentiefe verringern können auf 3,5 oder einen ähnlichen Bereich, während du das Licht fokussierst. Das wäre ein sehr einfaches Mittel gewesen, die Aufmerksamkeit auf einen Punkt im Bildrahmen zu lenken und es wäre außerdem optisch interessant.

Dies ist eine ruhige Szene mit vielen fotografischen Möglichkeiten. Man muss nur innehalten, nachdenken und im Kopf die Kompositionen durchgehen. Oder auf dem Monitor der Kamera – Schliesslich haben wir dieses Werkzeug heute, und es wäre dumm, es nicht ausgiebig zu nutzen.

Das Beispiel ist nur eine Variante, wie man diese Szene interpretieren könnte.

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1 Kommentar

  1. Endres Helbig
    schrieb am 13. Februar 2009 um 20:20 Uhr (#)

    Treffend kommentiert.
    “Etwas” gesehen aber nicht rausgearbeitet.
    Habe selbst oft genug davor gesessen und mich gefragt was mich denn wohl so fasziniert hat.
    Nun ja, mit Hilfestellung denke ich auch das es wohl die Laterne in der Einfarbigkeit ist. Die Nachbearbeitung bringt das auf den Punkt. Danke.

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