Kaktusporträt:
Form und Farbe

Ein arrangiertes Pflanzenportrait, welches von der Einfachheit und Reduziertheit lebt. Und – ja! – es lebt.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Mon PCa).

Kommentar des Fotografen:

ISO 200,17.6m/m,f5.3,1/8sec.Hallo zusammen,ich denke auch dass die Schönheit der Natur sehr schwierig in ihrer vollen Krafft zu darstellen ist,deshalb suche ich ungewöhnliche Betrachtungswinkeln wie bei den dornen dieser Euphorbia.Der farbkontrast verleiht eine zusetzliche anziehungskrafft…

Profi Thomas Rathay meint zum Bild von Mon PCa:

In diesem Bild kamen zwei meiner Lieblingsgestaltungsmittel zum Einsatz. Deswegen kam ich auch nicht umhin, etwas dazu zu sagen:

Zum einen der Komplementär- Kontrast zwischen den Farben Rot und Grün. Beide liegen sich im Farbkreis gegenüber und erzeugen somit nur durch ihre Anwesenheit, ihre gewollte Gegenüberstellung, eine ungeheure Spannung.

Zum Zweiten sind diese Formen -das garstige der Dornen, das liebliche des gewellten Blattes – von der grafischen Darstellung sehr gegensätzlich, spannend und doch gradlinig strukturiert.

Der Schatten des Blattes ist zwar gut durchzeichnet, druckfähig also, könnte für meine Begriffe aber doch etwas ausgeprägter sein und durch forcierte Lichtführung den ruhigen, flächigen roten Part des Bild etwas beleben. Die zwei mittigen Dornen werfen ja schon einen leichten Schatten in das rechte rote Dreieck, wenn man aber die Zacken links im Bild noch anleuchtet, kommen von diesen auch noch Schatten ins Bild. Und das könnte ich mir gut vorstellen.

Bei solchen Geschichten denke ich immer an meine Studiozeiten, als ich ewig an einem Bild mit Wassergläsern rumgepfriemelt haben, bis alle Schatten stimmten, sich nicht überschnitten und das Bild aufwerteten.

Trotz der kräftigen Farben habe ich mal einen Versuch angestellt und es in Schwarzweiß umgewandelt.

DornenDornen swHier kommen die Formen meines Erachtens nach noch besser zur Geltung.

Eine Variante deines Bildes ohne diesen schwarzen Rahmen habe ich auch noch erstellt, ein wenig den Ausschnitt getunt und die Farben zum leuchten gebracht.

Geschmackssache wie so oft, ich bin auf Reaktionen gespannt.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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15 Antworten
  1. Mon PCa says:

    Eine Reproduktion ist eine Kopie,die in jeder wichtigen Hinsicht dem Original gleicht.Da jedoch eine Fotografie derartig wesentliche Eigenschaften der meisten Objekte,wie Tiefe,Bewegung,Strahlung und-wenn es sich um eine Schwarzweiss-Aufnahme handelt-Farbe,nicht unmittelbar ausdrücken kann,ist sie keine >ReproduktionDie hohe Schule der Fotografie<

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  2. Blue says:

    nur mal so nebenbei zum Thema analog-digital: ich erinnere mich noch, als ich nach einem Urlaub meine entwickelten Fotos abgeholt hatte – man, waren das schöne Bilder, was für Farben. Ich bin wieder hin zum Laden meines Vertrauens um von einem bestimmten Bild weitere Abzüge zu machen, die ich verschicken wollte. Was rauskam, war deutlich weniger farbintensiv und wirkte nur noch halb so interessant. Was war passiert? Auf Nachfrage stellte sich heraus, dass der Laden das Labor gewechselt hatte…das „alte“ hatte dicht gemacht. Damals wurde zwar nicht von mir „rumgedreht“, aber vom Labor.
    Und…was ist eigenltich mit denen, die Bilder schon so gut in der Kamera farblich und vom Kontrast einstellen können…die dann keine Software brauchen? Und was ist eigentlich mit all den Spezialfilmen damals…die ganz unterschiedliche Wirkungen hatten und von daher für verschiedene Zwecke benutzt wurden? …
    Ich erinnere mich noch an ein anderes Bild: da hatte ich durch Palmenblätter hindurch auf die untergehende Sonne fotografiert…die Palmenblätter waren schwarz und es war ein herrliches Abendrot zu sehen…aber vor Ort waren ehrlich gesagt die Blätter gar nicht schwarz…also ein nicht reales Bild?
    Noch ein anderes Beispiel: Dieter Glugowski hält Multimedia-Vorträge im großen Stil quer durch die BRD über z.B. den Himalaya, Tibet etc. Er betonte nach einer Vorstellung, dass das alles unbearbeitete JPEGs waren, die wir da gesehen hatten! Ich war echt erstaunt! Unbearbeitet! Was für krasse Farben! Ich dachte: ich muss mir auch die Leica M8 kaufen! Und dann dachte ich nur so: soll ich fragen, ob er Filter benutzt hat? Und soll ich fragen, wo der „moralische“ Unterschied darin liegt, ob ich während des Knippsens ein Polfiter vors Objektiv schraube oder nacher in der Software das Blau dunkler mache? Profis rennen mit einem kleinen Koffer voller Filter rum…weil sie immer schon Farben so verändert haben, dass sie zur Bildaussage passen.

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  3. Corinne ZS says:

    @daniel: Bist Du auch gegen Weitwinkel-Objektive und Zoom? Also, ich kann zum Beispiel mit den Augen nicht zoomen. So, jetzt lass ich’s aber mit Frechsein. Über Festbrennweiten zu diskutieren wäre allerdings interessant.

    Natürlich ist die Auseinandersetzung mit der Bearbeitung der Bilder angebracht. Selber bin ich immer etwas in Diskussionen mit mir verwickelt, wenn ich ein Bild schneide. Langwierige, mühsame Diskussionen.

    Ich habe aber Deinen Kommentar so gelesen, dass Du gegen die Veränderung des Kontrastes und des Farbtones bist, und das finde ich falsch. Meine Kamera liefert Bilder, die zuwenig Kontrast haben. Also erhöhe ich den am Compi. So what? Und gerade beim Farbton dürfte ja auch die Wahl des Papiers eine Rolle spielen.

    Der Anspruch, Bilder sollten unverfälscht sein, das ist doch wie wenn Du Literatur zum Vorwurf machen würdest, dass sie sich zu wenig an die Fakten hält. Fotografie war schon immer Kunst. Literatur auch. Von einem Journalisten darfst Du erwarten, dass er sich an die Fakten hält (wenn er nicht gerade eine Glosse schreibt oder Tom Kummer heisst), und das erwarten wir auch von Fotojournalisten. Bilder nicht verändern heisst dann, den Inhalt nicht verändern. Aber das hat gar nichts mit Kontrast und Farbton zu tun. Und alle andern geniessen grosse Freiheit – in der Wahl der Worte und der Farben.

    Leider ist die Diskussion hier nicht zu Ende, denn auch bei einem unveränderten Bild kannst Du, z. B. mit der Wahl des Ausschnittes, alles verändern: http://www.rhetorik.ch/Bildmanipulation/soldat.jpg (Amerikanische Soldaten und irakischer Gefangener, Irak 2003)

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  4. Peter Sennhauser says:

    @daniel:
    Ich verstehe, was Du meinst, aber ich kann Dir nicht beipflichten.

    seit digital fotografiert wird dreht jeder an bildern herum

    An den Bildern wird „rumgedreht“, seit es Fotografie gibt. Analog-Fotografen haben mit Film- und Papierwahl und Dunkelkammertechniken nicht weniger „herumgedreht“ – der einzige Unterschied besteht darin, dass heute eben auch der Knipser „herumdrehen“ kann.

    Das ist es ja, was Fotografie („Lichtmalerei“) ausmacht. Wenn es sich dabei einfach um ein auf Knopfdruck erstelltes objektives Abbild der Realität (die es schon aufgrund des individuellen Sehens nicht geben kann) handeln würde, hätte ich mich längst der Malerei zugewandt ;-)

    Die „Manipulation“ einer Fotografie beginnt mit der Wahl des Ausschnitts, der Blende, der Brennweite – alles Dinge, die mit mit dem menschlichen Sehen nur entfernt verwandt sind. Ich bin froh, dass ich in meiner Software die Farben und das Licht der Fotografie wiederherstellen kann – denn was auf den Sensor gebannt wird, ist – wie Du richtig bemerkst zum Beispiel schon auf Grund des Weissabgleichs – nie das, was ich ursprünglich gesehen habe.

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  5. daniel says:

    ich verstehe schon ein bisschen was von der materie.
    bin offsetdrucker. ich kenne die x-tausend technischen faktoren sowie die sache mit der wahrnehmung.
    nebenbei, das wichtigste ist doch die farbtemperatur.
    als anderes beispiel, wurde vor kurzem ein blid kommentiert- dinosaurier- was hat das eingangsfoto mit dem Vorgeschlagenen (nach bearbeitung) foto gemeinsam? die Farbe ist total was anderes, die weissen blasen im bild fallen raus. da wurde ein komplett neues bild geschaffen und kräftig farbe reingebuttert. und so würde es garantiert von niemandem nicht nur annähernd in natura gesehn. ist mehr eine allgemeine bemerkung wie man inzwischen raushört. seit digital fotografiert wird dreht jeder an bildern herum, nur vergessen die meisten dann effektiv wie es denn mal ausgeschaut hat, zu diesem moment, in dieser stunde an jenem tag, im besonderen licht und diesem tollen tag!

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  6. Corinne ZS says:

    @daniel: Schnippisch ausgedrückt könnte ich bemerken, Du unterliegst einem Sachverhaltsirrtum. Denn von „real“ kann weder bei der Bearbeitung durch unser Hirn noch durch unsere Kameras die Rede sein. Zum Glück, wie ich meine. Sonst sähe ich in der Nacht nichts (Hirn sei Dank, werden alle Lichtquellen optimal ausgenutzt), respektive ich sähe nachts gut aber am Tag nichts (wenn das Auge für die Nachtsicht optimiert wäre und das Hirn nicht den Mangel beim Bau ausgleichen würde) und etliche Linien ergäben keinen Sinn (auch da hilft das Hirn ein Bild zu konstruieren, das auf diese Art gar nicht vor unseren Augen vorhanden ist – kleine Sachen sind z. B. weiter weg, „denken“ wir). Oder meinst Du eventuell, es gäbe Kameras, die „reale“ Bilder liefern? Ha! Nicht einmal beim analogen Knipsen ist das so: Da wählt man die Empfindlichkeit des Films aus, stellt Verschlusszeiten und x andere Sachen ein. Man wählt konstant und entscheidet sich, und wenn wir Glück haben, entscheidet man sich richtig und heraus kommt ein gutes Bild. Ja, und unsere guten neuen praktischen Digitalkameras haben nebst einem Speicherchip und einer Linse (die aufgrund mechanischer Merkmale die Bilder beeinflusst) natürlich noch Progrämmchen parat, die die Bilder automatisch optimieren. Wenn schon müsstest Du sagen: Ja aber hallo, bitte nur unbearbeitete Bilder im Raw-Format! Aber das möchtest Du wohl nicht wirklich, oder? (Und die Server-Verantwortlichen hier bestimmt auch nicht.)

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  7. Mon PCa says:

    Hallo,erstmals vielen Dank für eure Kommentare und Kritiken.Hier kann man definitiv was lernen,und nicht wenig.Tatsächlich sind mir jetzt die störende Artefakte aufgefallen verursacht durch einen Filter der Bearbeitungssoftware,es fällt aber erst auf nach dem Upload
    :-(.Wenn es der Diskussion was nutzt oder jemand Interesse hätte kann ich die verbesserte Version und ein SW mit mehr Tiefe hochladen. Grüsse Mon

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  8. daniel says:

    finde es krass wieviel hier immer an kontrast und farbton herumgedreht wird, nicht nur in diesem beispiel.
    ich will bilder und stimmungen aufzeigen die der real sind
    und nicht irgendwo farbe reinzaubern wo nichts oder wenig sichtbar war. zudem sind auch lange nicht alle farbtöne druckbar. originalbild gefällt mir am besten

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  9. Ulrich Brodde says:

    rahmen sind geschmackssache :-)

    @thomas
    dann speicher dir doch das „original“ zunächst als tif-datei, bearbeite diese und wandel dann erst wieder für den upload in jpg um.
    die bearbeitung der tif-datei ist verlustfrei.

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  10. Thomas Rathay says:

    Hallo,
    freut mich, dass dieses Bild Diskussion hervorruft. Das hat es verdient…den schwarzen Rahmen nicht:-)
    @Ulrich
    Bitte nicht zu sehr auf die Auflösungsdetails achten. Ich bekomme die Bilder in kleiner Auflösung, bearbeite sie und wenn ich sie zwei drei Mal speichere kommen Verluste durch die Komprimierung zu stande. UND das bei jeder Änderung und jedem Speichern. Das sind die Nachtreile des JPG-Formats.

    Ansonsten sind meine beiden Varianten auch nur als solche zu sehen, da ich das Original schon gut finde.

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  11. Endres says:

    ein interessantes Bild, genau wie das vorhergehende vom Achat. Als ich das Bild zum ersten Mal gesehen habe…wie gemalt. Also ein Porträt, daher gut getroffen. Die Herangehensweise um Natur darzustellen finde ich ebenfalls toll. Details sind mir bei dem Bild noch nicht mal wichtig. Dieses hier wirkt über das Licht, die Farben und Schatten. Die S/W Version ist nicht mein Geschmack, wirkt sehr garstig. Übrigens, das Bild braucht auch keinen Rahmen, schon gar keinen Schwarzen, denn es wirkt aus sich heraus.

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  12. Ulrich Brodde says:

    vielleicht habe ich ja nur einen merkwürdigen geschmack aber diesem foto (und den bearbeitungen) sitze ich etwas zwiespältig gegenüber.

    die farbgegenüberstellung ist grundsätzlich gelungen und bringt die erwähnte spannung. aber dem bild scheinen die tiefen zu fehlen und vor allem in der grünen fläche meine ich ein rauschen zu sehen. um die mittleren stachel haben sich jpg-artefakte gebildet und dem foto fehlt es m.e. insgesamt an schärfe. eine tonwertkorrektur mit anschließender,leichter tiefenverstärkung (bild – bildberechnung – multiplizieren und /oder weiches licht), moderatem entrauschen und ggf. nachschärfen könnten hier abhilfe schaffen. ob dadurch auch die artefakte verschwinden, vermag ich nicht zu sagen.

    bei der farbigen bearbeitung sind mir die farben zu flach und zu hell geworden und der weiße blattrand wirkt stark überstrahlt. allerdings ist es schärfer und die artefakte sind auch verschwunden.

    obwohl ich s/w-fan bin, gefällt mir die s/w-version überhaupt nicht. die formen (rundungen des blattes und stacheln) kommen zwar besser zur geltung aber der vorher schon sehr ruhige, flächige part unten wird nun vollends zur unbelebten, weißen fläche.

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  1. […] haben hier eben noch über die “Realität” in der Fotografie diskutiert. Ich habe selber anderswo ein ganzes Posting lang die Frage aufgeworfen, ob es denn eine Belichtung […]

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