Gebäudesalat:
Zu ausgewogen

Linien und Licht – mehr brauchts zu einem Foto nicht. Abgesehen davon, dass das reimt, holpert es leicht im Rhythmus. Dem Bild hier geht es ähnlich.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Hans Niemietz).

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Hans Niemietz).

Kommentar des Fotografen:

An diesem Motiv hat mich einfach die Lichtstimmung gereizt.

Peter Sennhauser meint zum Bild von Hans Niemietz:

es ist unübersehbar, was Du mit der Aufnahme angestrebt hast: Das Blau links, der gelbe, hell erleuchtete Kran und darunter die gleißende Lichtfassade, und rechts die grünliche Spiegelung.

Linien und Licht und Farben: Die Elemente für eine tolle Fotografie sind vorhanden. Allein – irgendwie funktioniert die Geschichte nicht ganz. Mir geht es oft ähnlich:

Das Motiv ist eindeutig vorhanden, und trotzdem kriege ich das Bild einfach nicht hin. Einer meiner Seminarleiter hat mir dazu mehrfach gesagt: Schau genau hin, nachdem Du die Aufnahme gemacht hast. Das, was Dich gefangen hat, ist jedenfalls sichtbar. Also steckt auch das Bild, das Du haben wolltest, in dem Bild, das Du geschossen hast, irgendwo drin.

Die Suche danach gestaltet sich hier allerdings schwierig, weil die wesentlichen Bildelemente in der Horizontalen verteilt sind, zugleich aber so weit auseinanderliegen, dass ich als Betrachter sie nicht mehr als Einheit erfasse, sondern anfange dazwischen nach dem zu suchen, was Du mir zeigen willst.

Du müsstest also gewissermassen eine Kompression des Bildinhalts aus der Horizontalen in eine Vertikale hinkriegen – und das ist nicht wirklich einfach. Tatsächlich ist es aber doch so, dass der Schnittpunkt der drei stärksten Elemente und ihrer Lichtstimmung – blaue Fassade links, gelber Kran hinten und grelles Gebäude unten – das Bild ausmacht. Nur, wie kriegt man diese Dinge ins Bild?

Das Bild manipuliert und in die Vertikale geschnitten.

Das Bild manipuliert und in die Vertikale geschnitten.

Ich glaube, das Problem ist hier einmal mehr, dass Reduktion dem Bild zwar gut tun würde, aber Überwindung kostet. Will heißen: Du wolltest den Kran in voller Grösse und Ausdehnung im Bild haben und nimmst dafür die untere rechte Bildseite mit der nicht mehr so spannenden Fassade in Kauf. Zugleich befinden sich alle Bildelemente auf der fast gleichen Ebene, was eine andere Komposition als die Waagerechte erschwert, wenn nicht verunmöglicht.

Das ließe sich allerdings einigermassen beheben, wenn Du Dir vor Ort einen tiefer gelegenen Standpunkt gesucht hättest. Damit würde der Kran im Bild ausschnitt nach oben rutschen. Indem Du Dich zugleich auf die Schnittstelle der drei Objekte konzentrieren würdest, käme etwas heraus wie diese (doch sehr krude) Montage, die ich angelegt, den Kran dabei leicht nach oben verschoben und unten länger geklont habe – nur als Anschauungsmaterial.

Nicht viel mehr als eine grobe Skizze – aber vielleicht zeigt sie doch, dass die Konzentration auf den wesentlichen teil des Bildes mehr Möglichkeiten für die Gestaltung und die Bildeinteilung geboten hätte und zugleich die Stimmung erhalten würde – selbst wenn ich die Treppe links vielleicht etwas zu sehr gekappt habe.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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4 Kommentare

  1. Das liesse sich allerdings einigermassen beheben, wenn Du Dir vor Ort einen tiefer gelegenen Standpunkt gesucht hättest. Damit würde der Kran im Bild ausschnitt nach oben rutschen.

    genau umgekehrt.

  2. Ähm. Stimmt. Vor Ort hätt ich’s auch gemerkt…

  3. Danke für die Kritik,
    in Deiner “Super-Manipulation” ist wirklich
    mehr Spannung drin.

    Hans

  4. interessante konstruktive Kritik !

    VG Günter

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