Aquariumschnecke:
Betäubendes Bild

Im Aquarium durch Glas uns Wasser zu fotografieren ist nicht einfach. Resultate wie dieses Bild belohnen mit berauschendem Effekt.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Mario Mertsch).

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Mario Mertsch).

Kommentar des Fotografen:

Das Foto wurde im Tropenaquarium Hagenbeck in Hamburg geschossen.

Peter Sennhauser meint zum Bild von Mario Mertsch:

Um ehrlich zu sein, habe ich an diesem Bild nicht wirklich etwas zu kritisieren – ich wollte es bloss mit der Leserschaft teilen. Man könnte sagen, wie ein gutes Glas Wein, oder sonst eine erfreuliche und legale Droge.

Was Du hier abgelichtet hast (von dem ich übrigens gerne wüsste, was es ist – in einem Aquarium mit fachkundigem Personal und Informationstafeln zu den Tieren in den Tanks ja nicht wirklich ein Rechercheproblem) wirkt doppelt spannend:

Weil das Tier einerseits die volle Tageslicht-Farbe hat, die unter Wasser schnell nur noch mit starken Lampen und Blaufiltern und aus grosser Nähe möglich ist – und zugleich einen Verzerrungseffekt durch das Glas und das Wasser dahinter.

Dabei halte ich persönlich nicht viel von Zoo-Bildern. Sie wirken auf mich wie Hochstapelei: Löwen, Giraffen und Gazellen gehören in die Steppe Afrikas, nicht vor künstliche Betonhügel (und ich rede hier nur von der Fotografie, nicht gegen Zoos an sich, über die man auch diskutieren könnte), und selbst der schönste Gesichtsausdruck eines prächtigen Löwen wirkt vor einem unscharf im Hintergrund erkennbaren roten Plastikkübel oder ähnlichem einfach billig.

Bei Fischen uns sonstigem Wassergetier ist das ein bisschen anders. Das ist nicht ganz fair den Löwen-Fotografen gegenüber, aber ausser so, wie in einem Aquarium, kriegen wir diese Wesen nie zu Gesicht und schon gar nicht vor die Kamera – was keineswegs die Unterwasserfotografie entwerten soll, im Gegenteil.

Den Verzerrungseffekt hast Du gut genutzt: Wie ein Lensbaby sorgen die Einflüsse der Medien auf das Licht zu einer sehr selektiven Schärfentiefe. Die Bildaufteilung ist spannend, und auch oder weil ich bis jetzt nicht kapiere, ob das jetzt eine Wasserschnecke oder ein Schlammhüpfer auf einer Tiger-Muräne oder ein einziger zusammenhängender Tiger-Muränen-Schlammhüpfer ist, kann ich nicht aufhören, nach dem Mittelteil des Tieres zu suchen.

Hut ab für die Schärfe auf dem Gesicht des Tiers mit seinen markanten Fühlern, die wie das i-Tüpfelchen das Bild abschliessen.

Wenn jemand mehr weiss als ich über Aquariumfotografie (ich weiss nichts darüber), bitte die Kommentarspalte nutzen und die Arbeit erledigen, die ich hier grade nicht gemacht habe… Danke.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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9 Kommentare

  1. Ich teile bei diesem Foto nicht in allen Punkten Peters Meinung. Vieles sehe ich genauso, aber mir ist das Foto insgesamt zu unruhig. Die Fühler und Augen am Kopf des Tieres sind zwar klar fukussiert, was ich auch gut finde. Aber trotzdem ist für mich der Kopf nicht klar und vollständig erkennbar, da er am unteren Rand von einem anderen Körperteil verdeckt wird. Da trenne sich Kopf und Körper nicht eindeutig genug. Das Auge des Betrachters findet nicht wirklich Halt im Foto.

  2. Möchte nur zur Kritik an Löwenfotos was sagen: Welcher Fotograf würde schon einen Löwen im Zoo fotografieren und dabei im Hintergrund einen roten Plastikkübel mit ablichten?

  3. Manfred: Ich hab solche Werke schon als Eingabe bei Wettbewerben gesehen… und wenn’s kein Plastikkübel ist – die Beton-Kunstfelsen sind meistens auch auf 100 Meter als Zoo erkennbar.

  4. Ich sehe es genau so wie Uwe N., echte Information geht von dem Foto nicht aus. Damit das Auge etwas zum Abtasten bekommt, würde ich das Foto kräftig beschneiden, bis der scharf fokussierte Bereich mindestens 50 % des Bildes ausmacht.

  5. Vielen Dank für die positive Kritik, ich habe mich sehr darüber gefreut.

    Das Bild zeigt eine schuppige Riesenmuschel. Der Fisch auf der Muschel war ca. 6cm lang und nutzte die Muschel als Tarnung als er neugierig bis an die Scheibe schwamm um mich zu beobachten. Leider kann ich ihn im nachhinein nicht identifizieren. Das Aquarium hatte in der Höhe und Länge mehrere Meter. Das Foto zeigt deshalb nur einen sehr kleinen Ausschnitt.

    Mein Bestreben war nicht, Informations- oder Dokumentationsfotos zur Muschel oder dem Fisch anzufertigen. Vielmehr hat mich die Harmonie in Farbe und Form zwischen Fisch und Muschel fasziniert. Ich habe versucht dieses künstlerisch darzustellen.

    Gruß Mario

  6. Beim Fisch handelt es sich um einen Schleimfisch, für den die Aufzucht der Brut durch das Männchen ebenso typisch ist wie die dicke Schleimschicht, die ihm ermöglicht, sich ausserhalb des Wassers aufzuhalten, was ihn dann wieder vom modernen Mann unterscheidet, der dazu nur Kleider braucht. Noch Fragen? ;-)

  7. corinne, dein kommentar ist verwirrend. kritisierst du die fehlende schleimschicht bei modernen männern?

  8. @Moderner Mann: Im Gegenteil, ich bin von der absoluten Notwendigkeit von Textilien in fast allen Lebenslagen überzeugt. Besonders bei Exemplaren wie meinem, die Barcelona buchen wollen und sich jetzt im Anflug auf Amsterdam befinden. Weil sie sich im Internet alphabetisch leicht verklickt haben. Da helfen dann nur noch dicke Kleider. Und eine ebensolche Haut, denn Exemplare wie ich nutzen Tatsachen wie diese schamlos aus. Am liebsten jahrelang. Soweit alles klar? ;-)

    • Noch eine kleine Anmerkung zur identifikation des Fisches:
      Die genaue Bezeichnung : Salarias fasciatus

      es handelt sich hierbei um einen algenfressenden Fisch
      der aber hautsächlich Riffgestein und Korallenstöcke
      bewohnt.
      Er wird meißtens sitzend angetroffen weil er keine Schwimmblase hat.

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